CS 1214/CS12 Lernprojekt eines Neulings

  • Hallo liebe Dualitispatienten,


    ja, ich habe mich auch angesteckt. Das Ende naht, aber bis dahin möchte ich einiges lernen. Von wem, wenn nicht von Euch?


    Die Lage:


    Ich habe einen 1218-er, m.W. revidiert Anfang 2022. Es liegt also kein Notfall vor.


    Noch vor dem 1218-er habe ich mir einen 1214 für 0 € "gekauft". (Weder der Verkäufer, noch ich wussten, wie man das Ding startet, wir haben ihn als "kaputt" eingestuft. Zu Hause habe ich dann die Bedienungsanleitung gelesen, das hätte aber ohne dual-board auch nicht gereicht. Stichwort "Reset".)


    Es handelt sich um die Nicht-Hifi-Variante mit dem 2-pol-Motor, aber mit Shure M75 Type D. Zustand sehr schön, Haube auch. Automatik funktioniert zuverlässig und präzise. Mit Dual CV 60 ist die Klangqualität vermutlich so gut, wie es mit System/Nadel möglich ist. (Der 1218-er ist aber auch für meine ungeschulten Ohren deutlich besser.) Wechsel-Accessoire liegt nicht vor, für mich eh irrelevant.


    Aber er rumpelt.


    Das "Dubb-Dubb" ist hörbar und störend beim Plattenabspielen. Dazu habe ich vorerst keine Fragen, das Thema ist hier bereits gut dokumentiert.


    Das Zirpen habe ich gar nicht bemerkt, solange der Teller drauf war. Ist dieses Zirpen relevant? Besteht Handlungsbedarf?


    Ich weiß nicht, ob der 1214 bereits revidiert wurde, aber es scheint mir möglich zu sein: Die Fette sind nicht verharzt. Ich möchte dieses Exemplar nicht unbedingt komplett zerlegen, wenn es nicht nötig ist. (Das mache ich dann mit dem nächsten Opfer.) Wie kann ich das entscheiden? Könnt Ihr mir dabei per Ferndiagnostik helfen?


    Danke und viele Grüße,


    Gabor


    (Ich bin technisch total ahnungslos und unerfahren, und Deutsch ist nicht meine Muttersprache. Ein schwieriger Fall, ich weiß...)

  • Moin. Das rumpeln könnte vom Motor kommen. Eventuell müsste der mal gewartet werden, heißt geölt. Kann aber auch am motoranker liegen.

    Da das Reibrad ja rund läuft ist ein standplatten auszuschließen.

    Schau mal hier.


    Gruß Carsten

  • Hi !


    Wenn das Geräusch zyklisch mehrmals im Sekundentakt kommt und bei z.B. 45 schneller wird, dann *ist* es das Reibrad.

    Der Zweipolmotor dreht mit 3.000 u/min, das ist ein 50Hz-Dauerbrummen, wenn die Lager trocken laufen.


    Beides ist kein Problem. An sich.


    Man kann das Reibrad in einem Wasserkocher einmal richtig aufkochen und dann über Nacht im Wasser abkühlen lassen.

    Reibrad mit einem Draht oder einem gebogenen Halter so aufständern, daß das Gummi keinen Kontakt zu den Topfwänden oder dem Boden hat. Ruhig einen ganzen Liter Wasser draufgeben und richtig aufkochen lassen. Gern auch zwei oder drei Mal hintereinander.

    Dann über Nacht einfach so stehen lassen.

    Das funktioniert recht oft und oft auch überraschend gut, wenn es eine Druckstelle bekommen hat, weil es 10 Jahre mit eingeschalteter Automatik abgestellt war. Ich habe früher so u.A. die Bandandruckrollen von Tonbandgeräten und "Quarter Inch" Bandsicherungsgeräten runderneuert.

    Dann kann man es in einen Akkuschrauber spannen und mit z.B. 240er Schleifpapier auf dem Tisch ganz zart rundherum die glasig gerubbelte Oberfläche runterziehen. Dabei die leicht ballige Form der Außenkante beibehalten. Ruhig einen halben Millimeter runternehmen, bis es gut rauh und mattschwarz ist.


    Mit einem wirklich gut passenden Schlitzschraubendreher dann die Madenschraube der Antriebsrolle auf der Motorwelle lösen und die Rolle abnehmen. Die Halteschrauben vom Motor lösen. Abkabeln ist nicht nötig.

    Unten die Schrauben aus der Lagerbrücke drehen ... und schon zerfällt der Motor in seine Bestandteile

    Die Bronzekugeln der Kalottenlager, in denen die Motorwelle läuft, mal ganz zart mit einem Wattestäbchen und etwas Feinmechaniköl von Ablagerungen reinigen. An den Bronzelagern bitte nicht mit Alkohol oder Lösungsmitteln arbeiten.

    Dann unten in das geschlossene Drucklager vier oder fünf großzügig bemessene Tropfen Öl einfüllen. Einen Tropfen außen auf die Lagerkugel geben und mit dem langen Ende der Motorachse hin und her, rechts und links und im Kreis herum bewegen, damit sie vom Haltearm gelöst wird und sich leichtgängig bewegt. Oder: einigermaßen wenigstens und nicht klemmt.

    Mit der oberen Lagerbrücke von der Sache her das gleiche. Ein Tröpfchen rein, ein Tröpfchen drauf .... durchbewegen und den Motor wieder zusammen- und einbauen.


    Beim Aufsetzen der Antriebsrolle den Pitchregler in die Nullstellung bringen und die Rolle in der Höhe so anordnen, daß das Reibrad bei 45 upm ungefähr in der Mitte des Drehzahlbereiches Kontakt mit der Rolle hat. Der 1214 kann noch 78, also hat die Antriebsrolle drei Stufen: oben 33, mitte 45, unten 78. Wenn die Drehzahl sehr stark vom Sollwert 45 oder 33 bei Pitch = 0 abweicht, muß man nachjustieren. Nach oben bei zu langsam, nach unten bei zu schnell.


    Und: Fertig ist der Lack. Wie gesagt: kein Hexenwerk.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Danke für die großartigen Antworten!


    Ich muss also sowohl das Reibrad, als auch den Motor pflegen. Ich werde nicht besonders schnell sein, ich muss erstmal alles verstehen, mir Werkzeug and Co. besorgen, usw. Ich versuche die bestehenden Beiträge zu benutzen und hier nur noch die spezifischen Fragen zu stellen, bzw. Bilder zu zeigen um mich zu vergewissern.


    Hier ein Bild (Makro) von dem aktuellen Reibrad und noch eins. Ja, das Rumpeln ist bei 45 rpm schneller.


    Heute ist ein vermutlich erneuertes Reibrad bei mir eingetroffen. Es sieht überall so aus. Für mich scheint es wesentlich schöner zu sein, aber Schönheit ist bekannterweise nicht alles.


    Mein Plan: Ich versuche bei dem Alten die Kochmethode. Sollte ich das akzeptabel hinkriegen, dann hebe ich das Neue für einen besseren Dreher auf, sonst kommt es hier zum Einsatz.


    Noch mal vielen Dank, ich melde mich, sobald es Entwicklungen gibt.


    VG,


    Gabor

  • Moin. Genauso. Versuch macht klug.

    So wie das Reibrad aussieht könnte es vom Micha sein.

    Ich hab davon auch eins im 1229. Und ich bin sehr zufrieden.


    Gruß Carsten

  • Hi Gabor !


    Sieht beides besser aus, als man das von einem rund 50 Jahre alten Gerät erwarten sollte.


    Glücklicherweise hat Dual auch bei den "Einsteigergeräten" immer gutes Material verwendet, was sich über das Geräteleben ein, zwei Mal aufarbeiten läßt, ohne zu zerfallen. Man hatte einen guten Ruf zu wahren und es sind ja auch erhebliche Stückzahlen rausgeschaufelt worden. Ein gut aufgearbeiteter 1214 muß sich auch vor teureren Geräten nicht verstecken.


    Ein kleines Problem ist das nicht vollständig umgesetzte Antiskating (in drei Stufen umsetzbare Feder am Armsegment) und der etwas sehr einfach geratene Tonarm.

    Aber das ist kein Grund, selbst an einen Nicht-Hifi-1214 kein Magnetsystem zu montieren. Man sollte im eigenen Interesse aber ein etwas robusteres Modell wählen und eine Nadel nehmen, die ab 2.0p aufwärts betrieben werden kann. Da liegst Du mit dem Shure M75D gut im Rennen.

    Ich habe diverse 1214 schon mit dem M71 / M75 mit der beigen N75-6 Nadel ausgerüstet (15µ Rundnadel, 2 - 3p Auflagekraft, 2.5p empfohlen). Bis auf einen *leichten* akustischen Störnebel vom mit 3000 Umdrehungen doch sehr schnell laufenden Motor gibt es dabei keine Probleme. Mit entsprechendem Verstärker, kleinen Boxen und Rock / Pop der 1960er bis 1980er macht das Ding richtig Spaß.


    :)


    Hier ein Bild (Makro) von dem aktuellen Reibrad und noch eins. Ja, das Rumpeln ist bei 45 rpm schneller.

    Das ist das karamelfarbene, was mal zwischendurch bei einigen wenigen Modellen von Dual verwendet wurde.

    Bei den 121x scheint es sich um eine andere Ausführung zu handeln, als bei dem, was bei den 1010 verwendet wurde.

    Bei den 1010 kam es vor, daß das Reibrad wie Beton aushärtet und unelastisch wie ein Eisenbahnrad wird. Die später verwendeten sind zumindest elastisch geblieben und man kann sie zum großen Teil aufarbeiten.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

    Einmal editiert, zuletzt von wacholder () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von wacholder mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hallo,

    Du mußt nicht unbedingt, Deine Bilder, zuerst in Dropbox ablegen,
    um sie dann zu verlinken.

    Du kannst sie auch direkt einfügen.

    Grüße Gernot
    Es soll ja Leute geben, die hören, ob das Lautsprecherkabel rot oder blau ist.

    >>> Bitte keine technischen Fragen per PN, nutzt das Board, dann hat Jeder was davon <<<

  • Hallo, und wieder mal vielen Dank!


    Aktuell sieht der TA mit Shure NB71 so aus. Ich habe das Gefühl, dass dieser 1214 nicht allzu viel benutzt wurde und auch das stets unter optimalen Bedingungen.


    Ich nehme an, der Thakker-Nachbau von N75-6 ist OK.

    So wie das Reibrad aussieht könnte es vom Micha sein.


    Also Michael heißt der Verkäufer nicht, was natürlich gar nichts bedeuten muss. :)


    Gernot, das sind Bilder mit relativ hoher Auflösung, deutlich größer als 200K. Vorteil ist, dass man sowohl mit PC als auch mit Handy mit dem DropBox-Viewer ziemlich stark reinzoomen kann, und bekommt immer noch scharfe Details. Für mich ist es kein größerer Aufwand, als die Bilder zu verkleinern und direkt hochzuladen. Wenn Ihr meint, dass es keinen praktischen Sinn ergibt bzw. für Euch unbequem ist, kann ich auch direkt hochladen, kein Problem.


    VG,


    Gabor

  • Hi Gabor


    das Problem wenn du die Bilder extern ablegst ist, das wenn der Hoster mal aufgibt sind die restlichen Infos meist wertlos.

    Das habe ich gerade erlebt auf der Suche nach Infos zum reparieren eines Antiresonators. Ohne Bilder ist das Lesen oft sinnlos..

    Eine Idee wäre ja das du die Bilder wo es wirklich auf feine Details ankommt zusätzlich verlinkst. Das wäre optimal, aber auch etwas mehr Arbeit.

    sonst lese ich hier gerne mit!


    LG Jensen

  • Hi Gabor !

    Die Karamellfarbe ist inzwischen eher Grau geworden.

    Ich weiß nicht, ob das mit den karamellfarbenen Reibrädern der 121x-Modelle auch so gut geht, wie mit den schwarzen.


    Die wenigen bernsteinfarbenen, die ich bisher hatte, waren die von den 1010 - und die waren schon so knüppelhart, daß da Auskochen auch nichts mehr gebracht hat. Wichtig ist, daß das Rad elastisch bleibt und nicht noch weiter aushärtet. Bei den schwarzen Rädern besteht die Gefahr nicht, das habe ich oft genug ausprobiert.


    Aber Deine technische Ausführung beim Reibradkochen ist über jeden Zweifel erhaben.

    Respekt !


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Na das ist doch was. Mal sehen ob es was gebracht hat... Ich hab es mal Mi ne riemen versucht. Leider hat das Kochen nichts gebracht.


    Gruß Carsten

  • Hallo allerseits,


    Kurze Statusmeldung, zuerst die gute Nachricht: Der arme kleine 1214-er funktioniert immer noch! Damit habe ich meine Erwartungen schon übertroffen. ;)


    Die Schlechte: Die Aktion Karamell hat nichts gebracht. Ich habe das alte Rad noch unbefestigt (ohne weiße Sicherungsring) mit dem Neuen verglichen: Das Alte Rumpelt genauso, wie bisher, das Neue rumpelt auch, aber nicht so stark. Ich würde sagen, vorerst tolerierbar. (Mittlerweile ist der Spieler komplett montiert und liefert stereo Ergebnis, mehr weiß ich noch nicht.) Spätestens morgen mache ich ein hoffentlich aussagekräftiges Video, die Story geht weiter. :) (Übrigens, die Fette, die ich vorgefunden habe, sind nicht verharzt und nicht mal klebrig.)


    Vielen Dank bisher, ich bin natürlich offen für weitere Ideen. Das ist ein Lernprojekt, d.h. u.a., dass wirtschaftliche Rationalität (hinsichtlich des kaum sichtbaren Verkaufspreises) keine große Rolle spielt. Wenn er funktioniert, bleibt er eine Weile vermutlich in der Familie.


    Viele Grüße,


    Gabor

  • Hi Gabor


    Zum einen hängt der Nadelträger leicht schief (macht aber wohl nix aus) und die Absenkgeschwindigkeit ist „leicht“ erhöht.

    Da solltest du evt nachbessern.


    Mfg

  • Hallo Weihnachtshase,


    "leicht schief" - scheint einfach lösbar zu sein, Lösung ("einfach mal richtig reinstecken") vorerst unter Beobachtung.


    Absenkgeschwindigkeit: Ich habe keinen richtigen Vergleich, weiß nicht so richtig, wie langsam es sein sollte. Mein 1218-er tut es höchstens geringfügig langsamer. Wenn ich daran denke, wie ich es als Kind und Jugendliche mit unserem recht einfachen Plattenspieler manuell gemacht habe, bin ich froh, dass ich die damaligen Platten nicht mehr habe.


    Aber wenn ich den Wacholder Peter richtig verstehe, habe ich beim 1214-er keinen Einfluss auf die Absenkgeschwindigkeit. Oder bin ich total sansaclu, Peter? ;)


    Auch dieses Thema interpretiere ich ähnlich.


    Danke und VG,


    Gabor

    Einmal editiert, zuletzt von kgabor1339 ()

  • Aber wenn ich den Wacholder Peter richtig verstehe, habe ich beim 1214-er keinen Einfluss auf die Absenkgeschwindigkeit. Oder bin ich total sansaclu, Peter? ;)

    Richtig. Die Absenkgeschwindigkeit hängt von der Geschwindigkeit ab, mit der die Automatik läuft und den Haupthebel antreibt. Im manuellen Betrieb mit Lifthebel kannst du dir aber mit Silikonöl 500.000 an der Deck- und Hubscheibe (230) behelfen.
    Beim 1019 kann man vor Start der Atomatik den Lifthebel bedienen, sodass sich sich der Arm auch in der Automatik schön langsam absenken tut. Der Lifthebel wird dann automatisch zurückgeworfen.
    Das dürfte beim 1214 aber nicht möglich sein.


    Grüße

    Stephan

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

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