Dual TG29 Welches Band?

  • Hallo Dual-Freunde,


    gestern habe ich mit der Restaurierung eines TG29 begonnen. Peter (wacholder)

    hat mal eine Kondi-Liste erstellt, Die ich jetzt abarbeite plus Knallfrosch.


    Da ich von meinem verstorbenen Vater nur ein Band gefunden habe, frage ich Euch,

    welches Band man der Maschine zumuten kann :?:


    Ich habe schon im Netz gesucht, aber meistens geht die Diskussion in eine "andere Richtung" :( .


    Die TG29 stand jetzt bei mir fast 20 Jahre rum. Die Antriebriemen sehen gut aus. Mal sehen,

    was da noch kommt :/

    Gruß Peter

  • Hi Peter !

    Da ich von meinem verstorbenen Vater nur ein Band gefunden habe, frage ich Euch,

    welches Band man der Maschine zumuten kann

    Die Maschine stammt aus den 1970ern und dürfte im Kern eher für ein Agfa- oder BASF-Doppel oder Dreifach-Spielband ausgelegt sein.

    Also Zeugs, was auf einer 18cm-Spule 540 oder 720 Meter Band drauf hat. Bei BASF wäre es das DP26 (Double Play 26µ Layer) oder TP18 (Triple Play 18µ Layer).


    Ich persönlich benutze auf den meisten Maschinen Ampex 671. Das ist auf 18cm-Spule ein 720-Meter-Band (2400 Fuß) mit mittelbrauner Beschichtung und das läuft problemlos.

    Es gibt ja neben der Magnetisierung durch die Köpfe auch noch die mechanischen Parameter der gesamten Banddicke und da geht ein Einmotoren-Laufwerk mit mechanischen Bremsen beim Umspulen doch etwas robuster mit dem Bandmaterial um. Da habe ich auf der TG29 mit dem Ampexband bisher aber noch keine Probleme gehabt - und ich habe schon ein paar Maschinen hier durchgeschleust und runderneuert.


    Du kannst auch z.B. ein Maxell UD 35-90 / 25-120 oder sogar 18-180 problemlos verwenden. Die Aufnahmen darauf sind meiner Erfahrung nach sehr gut und es läßt sich sehr gut spulen. "Richtig einmessen" ist auf der TG29 ein bißchen schwierig, weil die Einsteller ein wenig eingeschränkt sind und man leider nicht alle Aufnahmeparameter wirklich einstellen kann. Und weil es meistens an einem Bezugsband mit genormten Pegeln mangelt, mit denen man die Wiedergabe abgleichen könnte. Wenn an den Kopfschrauben noch nie gedreht wurde und dort noch der graue oder blaue Versiegelungslack drauf ist, kannst Du davon ausgehen, daß das noch so steht, wie es das Werk verlassen hat. Damit dürfte die Kopfjustage zu 99% in Ordnung sein, wenn die Köpfe noch nicht sichtbar eingelaufen sind und tiefe "Freßspuren" zeigen. Im Aufnahme und Wiedergabe-Verstärker gibt es nicht viel einzudrehen. Man kann das Bias etwas justieren und die Pegel anpassen, aber das ist - wie gesagt - nur sehr rudimentär.


    Die Maxell- und die Ampex-Bänder sind in ihrer Empfindlichkeit und im Frequenzverlauf auch nicht gravierend besser, als z.B. die BASF-Bänder aus der Mitte der 70er. Also würde ich die Einsteller auch auf dem Wert stehen lassen, wie sie gerade stehen, wenn es nicht z.B. ein Problem mit Kanalungleichheiten aufkommt, was *nicht* vom Aufnahme-/Wiedergabeschalter oder vom Monitorschalter verursacht wird.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Hallo Peter,


    Vielen Dank für Deine ausführlichen Anmerkungen. Nach der Kondensator-Kur

    der erste Test:

    Das TG spult, spielt ab und Ton kommt auch heraus :)


    An allen Köpfen ist noch der blaue Siegellack.

    Für den Aufnahmetest werde ich mir ein Band Deiner Emfehlung kaufen.

    Zwischenzeitlich werden die Köpfe und Bandführung gereinigt, entmagnetisiert

    und alle Schmierpunkte geprüft.

    Gruß Peter

    2 Mal editiert, zuletzt von FDS ()

  • Hi Peter !

    Nach der Kondensator-Kur

    der erste Test:

    Das TG spult, spielt ab und Ton kommt auch heraus

    Das schöne am TG29 ist, daß da *eigentlich* nicht viel dran ist.


    Eine Handvoll Kondis, entweder die ROE-Mülltonnen oder die weißen Schiffchen, ein paar etwas teurere axiale Elkos im Netzteil (wenn man den originalen Look erhalten will) - und ansonsten sind praktisch alle Schalter auf den Boards vergleichsweise leicht zugänglich.

    Der komische Monitor-Kippschalter ist etwas frickelig und leidet nach 40 Jahren schon mal an Material-Ermüdung.


    Die Mechanik ist ein klein wenig komplexer.

    Den Hauptriemen zu tauschen erfordert ein Lösen der Kopfbrücke, viel Fluchen und gegen Mülleimer treten und eine "Zughilfe" aus einem gebogenen Draht, damit man ihn oben über die Capstanwelle unten auf den Laufkranz gezogen kriegt und er *nicht* links in dem Federmechanismus hängen bleibt.


    Und - man sollte bei abgenommener oberer Abdeckung vorsichtig mit den Fingern sein, wenn der Motor läuft.

    Die beiden Plastikflügel, die die Umschaltung machen, können ganz schön zubeißen ... und dann blutet man alles voll ...


    Ich nehmen bei den von mir gewarteten Geräten immer den Bügel 121 ab, der diese komische Metallplatte 119 vor den Wiedergabekopf schiebt. Das geht relativ einfach, wenn man sowieso unten die Platine für den A/W-Verstärker abgebaut hat.

    Da läuft das Band drüber und hat fallweise schon ganz schöne Kerben ins Blech gezogen. Das wird auf feinem Papier glattgezogen, weil sich das Band in den Kerben gerne mal nach oben oder unten wegrollt. Und es gibt keine Andruckrollen mehr für die Geräte.

    Man kann was von einem Grundig nehmen, was den gleichen Achsdurchmesser hat, was in der Höhe aber ein wenig kleiner ist. Da muß man mit ein paar Distanzscheiben auf der Achse die neue Andruckrolle so ausrichten, daß das Band mittig läuft und sie auf der Achse nicht auf und ab taumelt.


    Die Einstellung der Bremsen ist wegen der Markierungen auf den Zughebeln und an den Bolzen, die die Seile spannen, relativ einfach. Wenn es nach dem Spulen nicht sofort stoppt und eine kleine "Wurfschleife" bildet, kann man die Bremse der abgebende Spule *eine Winzigkeit* härter nachtrimmen. Das behebt das in den meisten Fällen.


    Ich liebe meine TG29 und gebe die nicht wieder her. Sie muß zwar gelegentlich auch nochmal in die Kur (weil sie noch die alten Elkos hat), aber dafür spielt sie noch wunderbar. Daß die "Zappelzeiger" bei Wiedergabe nicht zappeln, ist nur am Anfang etwas irritierend. Man ist von den ganzen Japankisten irgendwie verwöhnt ...


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Guten Abend Peter,


    in meinem TG waren die weißen Schiffchen drin und vorsorglich habe ich auch die Tantalis

    und den Knallfrosch, von dem man bei diesem TG nichts gutes liest, getauscht.

    Die Mechanik gehe ich mit meinem Freund Wolfgang durch.

    Gruß Peter

  • Hi Peter !

    Die Mechanik gehe ich mit meinem Freund Wolfgang durch.

    Eine gute Gelegenheit, ein paar neue "Kraftausdrücke" zu lernen und den Heimwerker-Tourette zu studieren.


    Wie gesagt: an sich ist das TG29 gut und leicht wartbar gemacht, aber beim Hauptriemenwechsel habe ich schon erwachsene Männer weinen sehen. Gut - das ist bei den meisten Einmotoren-Laufwerken nie wirklich einfach, aber beim TG29 haben sie auf der linken Seite vom Schwungrad, wo man den Riemen lang und in die Rille ziehen muß, noch so Mechanik-Kladderadatsch untergebracht, wo der *Immer* erstmal ausgiebig drin hängenbleibt. Das ist irgendwas um den Hebel 60 und dessen Zugfeder 101.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Hallo Ihr Peters,


    ich weiß nicht, ob die / das TK29 an dem Andruckarm der von Peter bereits erwähnten Brummklappe vor dem Wiedergabekopf noch einen Andruckfilz hat.

    Wenn ja, würde ich von der Verwendung rückseitenbeschichteter Bänder (alle Neubänder, LPR 35, DPR 26, Grauschachtel-DP 26, PER 368, PER 268, UD-XL, XL1 etc.) abraten.

    Wenn nein, würde ich genau zu jenen Bändern raten.


    Standardband (50 µm) macht auf einem Einmotorer wegen der geringen Schmiegsamkeit weniger Sinn und Dreifachspielband würde ich wegen der geringen Kopierdämpfung und besonders wegen der geringen Höhenaussteuerbarkeit nur im Ausnahmefall (Spieldauer) verwenden.


    Ansonsten: weitermachen :-)


    Schöne Grüße

    Frank

  • Hallo Frank,


    Vielen Dank für den Hinweis. Die Brummklappe schaue ich

    mir mal genauer an.

    Gruß Peter

  • Hi Frank !

    ich weiß nicht, ob die / das TK29 an dem Andruckarm der von Peter bereits erwähnten Brummklappe vor dem Wiedergabekopf noch einen Andruckfilz hat.

    Hat sie nicht.


    Aber z.B. Ampex Quantegy (456 ? "Grand Master") läuft darauf überhaupt nicht. Bleibt nach ein paar Metern quietschend stehen ...


    Ich habe, wie ich schrieb, mit dem Ampex 671 auf praktisch allen Maschinen, die ich habe, nie wirklich Probleme gehabt ... außer auf meinem ersten Uher Report, was werksseitig anscheinend auf ein bizarres "red coating" Band eingemessen war.


    Die Maxell UD laufen darauf auch sehr gut, insbesondere natürlich das dickere 35-90, aber selbst beim 18-180 kann ich mich nicht beklagen, daß es zu Kopiereffekten etc. kommt. Als Kompromiß täte es das 25-120, was vom Material etwas dicker. Davon gibts ein Parallelmodell von TDK aus der Aurea-Serie. Müßte auch was mit 25-120 sein ...


    Alternativ kann ich Peter ja mal eine Rolle 671 zukommen lassen.

    Habe noch welche im Bestand. Muß ich nur Vorlauf- und Auslaufband drankleben.

    Die, die ich kaufe, kommen immer ohne ...


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Hallo Peter,


    ich hatte zu 671 keinen "Senf" hinterlassen, da ich dazu keinerlei persönliche Erfahrungen habe.

    Ampex 456 (Standardband) ist leider als Schmierkanidat verschrien, was auch Auswirkungen auf diverse echte Masterbandarchive hatte.


    UD25 geht bei Einmoterern immer...ein Kopiereffekt ist ja ein "Langzeitphänomen und tritt nicht unmittelbar auf. Und der Gefahr der Hochtonverzerrungen kann man natürlich mit geringerer Aussteuerung oder Vermeidung hochttonreichen Quellmaterials entgegenwirken, bei ersterem hat man dann aber halt weniger Dynamik. Ich habe jetzt mal technische Daten von Maxell (leider runterkomprimiert) angehängt und bin selber erstaunt, dass MOL (Maximum Output Level, jedoch bei 19 cm/s) und Kopierdämpfung so gut auch bei TP18 sind...



    Probieren geht über Studieren...^^


    Schöne Grüße

    Frank

  • Die Dual-Bänder kamen ziemlich sicher von BASF, man erkennt es am Spulendesign, das sind BASF Spulen mit Dual Label.


    Was mich am Thema TG29 immer wundert ( ich bin auch ein Fan von der Kiste ) - von den "Spezialisten" wird das Gerät seit ewigen Zeiten verrissen, z.B. hier:


    http://www.tonbandmuseum.info/historie-dual.html


    Wenn ich mir aber ansehe, wie viele von den Dingern noch übrig sind, und wie viele davon bis heute noch spielen, kann ich weder an die Unbeliebtheit glauben, noch an die schlechten technischen Eigenschaften. Das Ding ist eigentlich genauso wie die Plattenspieler aus der Zeit - optisch eher unauffällig, tut es ohne Tadel das, was es tun soll, und kaputt bekommt man es nur mit dem Hammer.


    Gruß Frank

  • Hallo Frank,


    Design war schon immer Geschmacksache. :)


    Was interessiert mich das Tonbandmuseum.


    Bilde Dir Deine eigene Meinung! (Und das ist jetzt in den Raum gesprochen, nicht persönlich an Dich)

    Gruß Peter

  • Hi Frank !

    Was mich am Thema TG29 immer wundert ( ich bin auch ein Fan von der Kiste ) - von den "Spezialisten" wird das Gerät seit ewigen Zeiten verrissen, z.B. hier:

    Ich bezweifele, daß das Tonbandmuseum jemals eins wirklich auf dem Tisch hatte.

    Sie käuen das wider, was anderswo auch schon falsch oder unzutreffend hingekritzelt wurde und das war's.

    Eine objektive Beurteilung sieht anders aus.


    In Deutschland waren die Dual-Bandgeräte wegen Grundig schlecht abzusetzen, aber ich meine USA und Kanada hat einige gesehen und auch abgenommen. Im direkten Vergleich mit einem zeitgemäßen Grundig, Philips oder Telefunken ist z.B. das TG29 mit einem ähnlichen Konzept wie diese auch technisch auf gleicher Augenhöhe. Nur eben mit einem etwas schnörkelloserem Design und mit weniger "Features", auf die man leicht verzichten kann. Es tut, was es soll und wofür es gebaut ist. Wer mehr wollte, hat sich eh' nix von den Brot-und-Butter-Herstellern gekauft, sondern sich bei Revox, Tandberg und so weiter bedient. Auch die Japaner sind, wie Akai, früh auf Dreimotoren-Laufwerke umgestiegen, Einmotorer von Sony, Akai und Pioneer waren die Einsteigerklasse - und die waren auch nicht viel besser, wie das TG29.


    Also ? Wenigstens paßt das TG29 gut zu CV120, CT18 und 1219.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Apropos Design: die Dual TG 27, 28, 29 sehen dem SL 100 von Schaub-Lorenz von 1965 verdächtig ähnlich. Ich meine, es gäbe da einen direkten Zusammenhang. Die Dual TG sind auch nicht erst in den 70er Jahren auf den Markt gekommen, sondern schon Ende der 60er. Ein Freund von meinem 3 Jahre älteren Bruder hat mir auf so einem Gerät "Hole In My Shoe" von TRAFFIC vorgespielt, an den damals mich sehr beeindruckenden Pingpong-Stereoeffekt kann ich mich noch gut erinnern, die Lautsprecherboxen waren in zwei Raumecken platziert, aber an verschiedenen Wänden, sodass der Effekt quer und längs durch das Zimmer ging.


    Diethelm 🙂

    "Leeve Mann!", sach ich für die Frau.

  • Hi Diethelm !

    Apropos Design: die Dual TG 27, 28, 29 sehen dem SL 100 von Schaub-Lorenz von 1965 verdächtig ähnlich. Ich meine, es gäbe da einen direkten Zusammenhang.

    Soweit ich das überblicke, ist das die Mechanikbaugruppe vom TG27. Aber einen andere Elektronik, noch mit Röhren.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Hi Peter FDS ,

    ich hatte zwei TG 28 und zwei TG 29 hier - davon ist ein TG 29 geblieben (es war schon elektronisch revidiert und da ich notorische Zeitprobleme habe, kam mir das sehr gelegen). Die Riemensätze, die man so bei Ebay bekommt, haben teilweise das Problem, dass der Zählwerksriemen immer wieder abspringt. Aber wenn man die Kiste auf hat, würde ich die Riemen auch auf jeden Fall wechseln - auch wenn deine Riemen noch gut zu sein scheinen. Das schadet nicht und kostet nicht viel. Beim ersten TG 28 habe ich noch beim Wechsel des großen Riemens für den Capstan geflucht, aber danach ging's. Den Zählwerksriemen habe ich aus meiner Kiste von Kassettenrekorder-Riemen genommen (die der China-Mann im 100er-Pack wohlfeil bietet). Der ist zwar zu dünn, läuft aber seit über einem Jahr problemlos.

    Ich denke, dass du dir auch den Motor vorgenommen haben wirst. In meinem TG 29 läuft der so sensationell ruhig, dass das Vorurteil, Einmotorenlaufwerke seien immer laut, beim TG 29 definitiv falsch ist. Eine Wartung lohnt sich an dieser Stelle definitiv.

    Keine Lösung habe ich für die Aussteuerungspotis, die bei allen vier Maschinen hin waren. Man kann sie zwar benutzen, sollte aber vermeiden, während einer laufenden Aufnahme dranzukommen.

    Ich verwende überwiegend als Band DP26 von BASF. Da kommt man günstig ran, vor allem in Konvoluten, und es scheint langzeitstabil zu sein. Es klingt auf dem TG 29 ausgezeichnet.

    Das Einstellen des Bandzugs ist bei der Maschine kein Hexenwerk, wie der andere Peter schon schrieb. Es lohnt sich, das sorgfältig zu machen. Du wirst damit belohnt, dass deine Maschine beim Spulen genauso sauber wickelt wie bei der Wiedergabe - das kriegt keins meiner japanischen Dreimotorenlaufwerke so überzeugend hin. Okay, sie sind dafür auch um einiges schneller.


    Viel Spaß mit der TG 29!!!

    Liebe Grüße
    Thomas


    Dual CS 5000, CS 2235Q, CS 1219, CS 1210, CS 1209, CS 530, CS 521, CS 505-2, CS 455-1, CS 415-2, HS 120, HS 38

    Akai GX 260 D, Dual TG 29, Revox A 77, Tandberg 9100X, Teac A-2300 SX

  • Apropos Design: die Dual TG 27, 28, 29 sehen dem SL 100 von Schaub-Lorenz von 1965 verdächtig ähnlich. Ich meine, es gäbe da einen direkten Zusammenhang. Die Dual TG sind auch nicht erst in den 70er Jahren auf den Markt gekommen, sondern schon Ende der 60er. Ein Freund von meinem 3 Jahre älteren Bruder hat mir auf so einem Gerät "Hole In My Shoe" von TRAFFIC vorgespielt, an den damals mich sehr beeindruckenden Pingpong-Stereoeffekt kann ich mich noch gut erinnern, die Lautsprecherboxen waren in zwei Raumecken platziert, aber an verschiedenen Wänden, sodass der Effekt quer und längs durch das Zimmer ging.


    Diethelm 🙂

    Hallo Diethelm,


    das Schaub Lorenz SL100 wurde von Dual als TG14 angeboten.


    VG Wolfgang

  • ich habe grade nochmal in Norberts Buch nachgelesen - die Tonbandgeräte sind ALLE bei ITT gebaut worden, Dual hat allerdings an der Entwicklung teilgenommen. Als "Graetz Auskenner" kann ich noch hinzufügen, dass Tonbandgeräte auch für ITT kein Kerngeschäft waren, durch die Übernahme von Graetz in den frühen sechzigern haben sie auch ein Tonbandgerätewerk mit übernommen. Dieses hatte Graetz selber erst ein paar Jahre vorher gekauft, es war der westdeutsche Teil der Firma Sander und Jantzen ( Saja ).


    Thomas - das DP26 ist ja im Prinzip nur die dünnere Ausführung des LP26, beide Bänder waren in den siebzigern sozusagen der Standard bei Heimtonbandgeräten, sie sind immer noch in rauhen Mengen vorhanden, und weil sie so langzeitstabil sind, kann man sie auch gebraucht kaufen. Ich bin eh "Tonband-Archäologe", das Abhören von alten Aufnahmen interessiert mich mehr, als der Einsatz eines Tonbandgerätes für Neuaufnahmen.


    Auch Norbert bewertet das TG29 nicht besonders gut, attestiert ihm zwar gute Klangqualität, aber Mängel bei der mechanischen Konstruktion und der Bedienung. Das kann ich ehrlich nicht so ganz nachvollziehen. Klar ist das Gerät nicht perfekt, und eher simpel ausgestattet, wenn man aber bedenkt, dass die Leute auch damals schon hauptsächlich nur einfache Aufnahme und Wiedergabe genutzt haben, kann man es auch als Vorteil sehen, ein Gerät zu haben, dass auf das ganze Trick-Gedöns verzichtet, das bei Uher und Grundig die Geräte im Alter zu Zicken macht. ich finde immer, dass man die Qualität einer Konstruktion daran erkennt, wie viele Geräte überleben. Und da stehen die Dual Tonbandgeräte wie auch die Plattenspieler ganz vorne. Wer einmal ein Grundig TK600 oder ein Uher Royal de Luxe instandgesetzt hat, der kann danach am TG29 keine konstruktiven Mängel mehr feststellen.


    Gruß Frank

  • Hi Frank !

    Wer einmal ein Grundig TK600 oder ein Uher Royal de Luxe instandgesetzt hat, der kann danach am TG29 keine konstruktiven Mängel mehr feststellen.

    Wie es früher schon hieß: "Die Kunst der Dastellung besteht im Weglassen."


    Was nicht da ist, kann nicht kaputtgehen. Und wenn man auf technisch ausgefeilte Mechaniken und Schaltungen verzichtet, zeigt sich nach vielen Jahren die Langzeitstabilität. Wenn man z.B. wie beim TG29 und ihren von der Mechanik identischen Schwestern die Bremsen ohne zusätzliche Hilfsmittel recht gut einstellen kann, dann ist mir das auf lange Sicht lieber, als ein Hightech-Gerät, wo die Justage der Bremsanlage eine ganze Seite im Servicemanual füllt ...


    Die Mechanik hat natürlich ihre Macken. Aber zeig' mir ein Einmotorenlaufwerk, wo das *nicht* der Fall ist.

    Als Referenz mögen die Akai 4000 oder die Sony TC-399 herhalten, die sich auch noch in meinem Besitz befinden. Bei der Sony mit ihrer an sich "idiotensicheren" Einknopf-Bedienung kann man beim schnellen Hin- und Her-Schalten einen katastrophalen Bandsalat erzeugen. Und bei der Akai wird der Versuch, ohne Stop zwischen den Funktionen zu wechseln auch oft durch viel "Sortierarbeit" am Band bestraft. Insofern war die TG29-Mechanik auf der Höhe ihrer Zeit. Das war damals eben einfach so.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Thomas - das DP26 ist ja im Prinzip nur die dünnere Ausführung des LP26, beide Bänder waren in den siebzigern sozusagen der Standard bei Heimtonbandgeräten, sie sind immer noch in rauhen Mengen vorhanden, und weil sie so langzeitstabil sind, kann man sie auch gebraucht kaufen.

    Deswegen kaufe ich sie ja auch :). Wenn man ein Band gefunden hat, das man einigermaßen günstig kaufen kann und das auf allen Maschinen problemlos läuft - why not? Gerade läuft mal wieder eines im Hintergrund mit sehr schönen, sauberen Höhen und ohne heftigen Abrieb... was will man mehr? Allerdings läuft es nicht auf dem TG 29, sondern auf einer Teac A-2300 SX (immer noch - habe es vorhin schon im "was hören..."-Thread gepostet...


    Auch Norbert bewertet das TG29 nicht besonders gut, attestiert ihm zwar gute Klangqualität, aber Mängel bei der mechanischen Konstruktion und der Bedienung.

    Ich kann mir in etwa denken, was Norbert bewegt haben könnte, das zu schreiben. Für ein Dual-Gerät ist die Mechanik spektakulär grobschlächtig und die Bedienung der Pause- und Aufnahmetaste entspricht schlicht und ergreifend nicht dem Konsens der Zeit. Wer das nicht weiß, kommt auch erst einmal nicht drauf. Das Design... decken wir den Mantel des Stillschweigens darüber. Nicht einmal die Drehknöpfe hat man dem Design der anderen Dual-Geräte angepasst. Der Typ, der das verzapft hat, gehört heute noch verdroschen. Ich will als Fan des TG 29 das aber nicht schlecht machen - die Kritik an dem Gerät kann ich teilweise trotzdem gut nachvollziehen.


    Wenn man z.B. wie beim TG29 und ihren von der Mechanik identischen Schwestern die Bremsen ohne zusätzliche Hilfsmittel recht gut einstellen kann, dann ist mir das auf lange Sicht lieber, als ein Hightech-Gerät, wo die Justage der Bremsanlage eine ganze Seite im Servicemanual füllt ...

    Für die Justage der Bremse des TG29 (28) benötigt man eine Federzugwaage, die ich mir auch gekauft habe. Kostet mit Versand keine 10 Euro. Die Einstellung der Bremse ist in einem kleinen Absatz im SM genau erklärt, für Doofe (wie mich). War ganz leicht, die Bremse einzustellen. Man legt die Federwaage daneben (oder in die Packung zurück) und stellt die Bremse ein. Nach dem dritten Versuch war die Bremse so eingestellt, dass der Bandzug genau stark genug ist, um das Band sauber an den Kopf anzuschmiegen, aber leicht genug, dass das Gerät noch schnell genug spult und trotzdem sauber aufwickelt. Und bei Stopp - egal aus welcher anderen Funktion heraus - gibt's niemals Bandsalat. So mies kann die Konstruktion also auch nicht sein - hat Peter wohl Recht :).


    ...wenn man aber bedenkt, dass die Leute auch damals schon hauptsächlich nur einfache Aufnahme und Wiedergabe genutzt haben, kann man es auch als Vorteil sehen, ein Gerät zu haben, dass auf das ganze Trick-Gedöns verzichtet, das bei Uher und Grundig die Geräte im Alter zu Zicken macht.

    Der Witz ist ja, dass TG28 und 29 die Multiplay-Funktion haben. Mit einem kleinen Mischpult, wie es sie damals schon für Tonband-Amateure gab, konnte man auch leicht eine Hall-Funktion realisieren und Diasynchronisation war auch leicht nachzurüsten, allerdings musste man dann eine Spur für den Pilotton opfern und hatte dann nur noch die Möglichkeit, den Ton in Mono aufzunehmen und abzuspielen. Von außen ist das Dual-Gerät extrem schlicht gehalten, der Fünffach-Schalter für die Spurwahl (und Multiplay-Wahl) hat es intern aber auch in sich...


    Ich schiebe noch ein Foto nach:

    Liebe Grüße
    Thomas


    Dual CS 5000, CS 2235Q, CS 1219, CS 1210, CS 1209, CS 530, CS 521, CS 505-2, CS 455-1, CS 415-2, HS 120, HS 38

    Akai GX 260 D, Dual TG 29, Revox A 77, Tandberg 9100X, Teac A-2300 SX

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