Beiträge von nick_riviera

    ich würde den CS329 auch gar nicht als abgespeckte Version betrachten, und damit eine Stufe tiefer setzen, sondern eher als Sonderausführung für eine spezielle Zielgruppe, die gar nicht so klein ist, wie der Enthusiast vielleicht glaubt.


    Meine 16 jährige Tochter findet z.B. Platten und Cassetten total cool, wenn ich ihr aber mit technischen Feinheiten komme, schaltet sie sofort auf Durchzug. Der Phonokoffer mit 1210 und Shure M75, den ich aus einer netten Spende eines Forianers aufgebaut habe, ist da genau das richtige - klingt leidlich gut, sieht "retro" aus, ist für die Tochter "Plug And Play", und macht die Platten nicht kaputt. Was ist besser für die Zukunft von Vinyl ? Eine Jugendliche, die mit einem fest eingestellten Dreher Platten hört, oder eine, die an eins von unseren mechanischen Wunderwerken niemals drangehen würde ? Und genau das ist auch der Gedanke der Produktmanager, wenn sie sowas wie den CS329 auf den Markt bringen. Wir "Enthusiasten" müssen sowas ja nicht kaufen, wir haben bei den einstellbaren Drehern immer noch mehr Auswahl, als ein Mensch in einem Leben durchprobieren kann.


    Gruß Frank

    sind die eingebauten Widerstände denn wirklich defekt ? Wenn ja, würde ich erstmal nach der Ursache suchen, denn von alleine gehen die nicht kaputt. Leichte Bräunung über die Jahre ist erstmal kein Problem.


    Gruß Frank

    hi Mazzel, danke für dieses Statement. Eigentlich müsste noch ein zweiter Disclaimer her, nämlich der, dass die Einschätzung der Sinnhaftigkeit so eines Gerätes auf der Situation im Jahr 1980 aufbaut.


    Bis in die frühen achtziger war der Plattenspieler eine von zwei Möglichkeiten, Tonkonserven zu spielen. Die Platte war Alltagstechnologie. Heute ist die Alltagstechnologie, mit dem Smartphone Musik zu streamen, diejenigen, die die Schallplatte heute noch zum normalen Musik hören benutzen, haben üblicherweise auch einen Plattenspieler von damals, und diejenigen, die heute ein neues Gerät kaufen, tun das aus den selben Gründen, wie sich eine mechanische Automatikuhr ans Handgelenk zu hängen - als Kultobjekt ohne Anspruch, die bessere Technik zu sein.


    Über das Für und Wider von austauschbaren Tonabnehmern und vom Nutzer einstellbaren Tonarmen wurde schon früher diskutiert, und schon in den siebzigern war es eine Binsenweisheit, dass über 90% aller Plattenspielerkäufer lebenslang den Tonabnehmer genutzt haben, der ab Werk montiert war. Der Trend, alles so zu konstruieren, dass es im Wohnzimmer des Kunden zuende entwickelt werden musste, kam mit der High End Pest Ende der siebziger Jahre auf, und diente ziemlich sicher eher der Profitmaximierung als dem Ohr des Kunden. Eine andere Binsenweisheit, die schon in den siebzigern diskutiert wurde, war, dass letztlich die Abtastnadel die Klangunterschiede macht, und Tonabnehmer-Serien, wo sich die Modelle nur durch die Nadel unterschieden haben, gab es früher auch schon, genau wie es schon früher Plattenspieler gab, die nur mit dem verbauten Tonabnehmer betrieben werden konnten - siehe z.B. die Tangentialdreher von Bang und Olufsen. Als die Schallplatte in den neunzigern offiziell aufs Abstellgleis geschoben war, gab es für die damals modernen Midi Türme eine große Zahl von optisch passenden Plastikdrehern, die fast alle fest eingestellt waren, und meist verstörend gut klingen - ich mache grade so einen "Turm" von AKAI für meine Tochter flott, weil sie die Cassette für sich entdeckt hat, und neulich konnte ich für kleines Geld den dazu passenden Plattenspieler schießen. Wenn man den sieht, und ihn anschließend hört, kann man es nicht glauben.


    Von den modernen Plastikdrehern kenne ich nur den HanPin Dual, der immer wieder bei Lidl als "DJ-Plattenspieler" verkauft wird, er heißt glaube ich DT255. Ich hatte so einen eine Zeit lang zum Digitalisieren neben dem PC stehen, und dem AT-System eine elliptische Nadel spendiert, ich bin mir fast zu 100% sicher, dass der mit diesem kleinen "Upgrade" auf einem Niveau spielt, wo ihn niemand mehr im Blindtest sicher von einem der Dual Kultmodelle wie dem 1229 oder dem 701 unterscheiden kann. Haptisch war er eine Katastrophe, ich würde ihn aber ohne wenn und aber jedem empfehlen, der noch nicht weiß, ob er die Platte wirklich nutzen will. Und wenn der jetzt fest justiert wäre, und man nur durch den Tausch der Nadel den Klang verbessern könnte, wieso denn nicht ? Wie gesagt, über 90% aller Plattenspielerkäufer haben schon früher das ab Werk verbaute System lebenslang dringelassen, und für die, die nicht "rumtunen" wollen, hat eine feste Justage auch Vorteile - sie verstellt sich nicht.


    Ich denke, alle, die an der Modellpolitik des Jahres 2022 rumkritisieren, tun das nur deshalb, weil sie selber noch auf dem Stand von 1980 sind - vielleicht sollte hier erstmal ein großes Update erfolgen :saint: .


    Gruß Frank


    Nachsatz: Ich habe grade aus Spaß mal die Bewertungen auf der Lidl Seite zum DT255 gelesen. Die wenigen negativen Bewertungen kritisieren u.a., dass es eine Zumutung wäre, den Plattenspieler vor der Benutzung noch einstellen zu müssen, und werten ihn auf zwei von fünf Punkten ab, weil der Hinweis fehlt, dass zu dem Gerät noch ein Verstärker und Lautsprecher nötig sind. Mit solchen Kunden müssen sich die Hersteller heute rumschlagen, und Konstruktionen wie der CS329 sind eine Antwort.

    ich weiß ehrlich nicht, wieso sich hier immer so gewundert wird.


    Auch wenn der Markt für neue Plattenspieler wieder wächst, liegt er dennoch auf unter zehn Prozent von dem, was 1980 an Geräten verkauft wurde. Die einfachsten Dual HiFi Dreher der siebziger und achtziger würden heute preislich in der High End Liga landen, weil man die Stückzahlen für großindustrielle Produktion von so hochwertigen Laufwerken nicht mehr zusammenbekommt. Es gibt eigentlich nur noch zwei Wege, heutzutage profitabel Plattenspieler herzustellen - man macht es wie HanPin, entwickelt eine einzige stark vereinfachte aber hoch variable Plattform, die dann für jede Marke und jede Preisklasse angepasst werden kann, und treibt die Stückzahlen dadurch in die notwendige Höhe, dass man den ganzen Weltmarkt bedient. Der zweite Weg ist der "Manufaktur Weg", bei dem die Plattenspieler ganz oder teilweise handwerklich gebaut werden. Hier zahlt man dann Preise im satt vierstelligen Bereich nicht für einen nennenswert besseren Klang, sondern für die aufwändige Herstellung.


    Fehrenbacher ist noch einen Sonderweg gegangen, und hat mit geretteten alten Fertigungswerkzeugen modifizierte Altkonstruktionen gefertigt, und sich so die Entwicklungs- und Einrichtungskosten gespart, und sogar auf höherem Niveau wie HanPin arbeiten können, aber wie wir ja grade erleben, funktioniert das auch nicht ewig.


    Wenn heute ein Hersteller ein komplettes Plattenspielerprogramm von billig bis teuer anbieten will, muss er überall zukaufen, was es gibt, und da gibt es dann manchmal Überschneidungen zwischen den Modellreihen und nicht zueinander passende Designs.


    Gruß Frank

    hi Rudi, von den frühen Grundig Spitzentruhen gab es insgesamt drei Stück:


    https://www.radiomuseum.org/r/grundig_spitzen_m_schrank.html


    https://www.radiomuseum.org/r/…g_musikschrank_9009w.html


    https://www.radiomuseum.org/r/grundig_musikschrank_9010.html


    Bei rmorg sind auch Fotos von meiner 9010 enthalten, es ist die mit dem falschen Tonarm. Ich habe diese Truhe für 500 Euro aus Berlin geholt, der Verkäufer hat sie in einer Abrissvilla auf dem Dachboden gefunden, der Kontakt zu mir ist dadurch zustandegekommen, dass ich mal im Grundig Forum einen längeren Post zu dieser Truhe geschrieben habe. 9009 und 9010 tauchen immer wieder mal auf, zuletzt eine 9010 Anfang des Jahres bei Ebay Kleinanzeigen, und auch öfter zu moderaten Preisen. Das Problem ist eher, eine zu finden, an der noch alles dran ist. Früher war es üblich, die teuren Geräte nicht wegzuwerfen, sondern zu modernisieren. Eine Zeit lang hatte ich sogar überlegt, mir noch eine mit fehlendem Innenleben an Land zu ziehen, um mir die Gehäuserestaurierung zu ersparen, die bei der 9010 nicht ganz unkompliziert ist. Die "blaue Mauritius" unter diesen Truhen ist sicher die erste - da war wohl anstelle des Tonbandgerätes ein Drahttonrecorder aus den USA eingebaut, ich weiß nicht, ob von dieser Truhe überhaupt noch eine existiert, oder ob sie überhaupt in den Handel gekommen ist. Von Grundig gibt es einige solcher Mythen, der fetteste Mythos ist wahrscheinlich dieser hier:


    https://www.radiomuseum.org/r/…seh_luxux_kombin_910.html


    In den neunziger Jahren habe ich viel Zeit investiert, nach solchen Kisten zu fahnden, habe es aber irgendwann aufgegeben. Selbst der jüngeren 9010 merkt man an, dass sie noch nicht am Fertigungsband gebaut wurde, sondern vom Schreiner nur auf Bestellung individuell zusammengestrickt wurde.


    Meine 9080 war eine Wundertüte - sie stand für 79 Euro Startpreis in der großen Bucht, an Selbstabholer in Rüdesheim, und ich habe sie für den Startpreis bekommen. Sie war ein echter Scheunenfund, gefunden bei Umbau eines alten Gutshofes zum Hotel. Die Truhe ist äußerlich auch ein Fall für eine Restaurierung, aber völlig unverbastelt und vollständig, und als ich zuhause die Rückwände abgenommen habe, kam eine Riesenüberraschung. Der Erstbesitzer hatte das "Grundig Zubehör Komplettpaket" und die Gerätepapiere sorgfältig eingepackt und in die Truhe gelegt - Fernbedienung, ein kleines Mischpult, Tonbänder, Mikrofon, diverse Kabel, alles original Grundig. Die Truhe wäre in den Container gewandert, dass sie noch lebt, habe ich dem Sohn der Hausbesitzer zu verdanken, der auf die Idee gekommen ist, sie mal bei Ebay einzustellen. Ich habe mir meine Mutter ins Auto geladen, und die Abholung mit einem Tagesausflug ins Rheintal verbunden.


    Im Moment wird diese hier angeboten:


    https://www.ebay-kleinanzeigen…undig/2214368359-240-3105


    Ich bin mir nicht sicher, ob es eine 9080 ist, weil die Skalenscheibe anders bedruckt ist, und das Tonbandgerät ist falsch. Sie hat aber eindeutig einen Plattenspieler mit Magnetsystem, und das Tonbandgerät könnte man leicht ersetzen, indem man ein TK819 beschafft und in eine Chassisversion umbaut, oder wartet, bis mal ein TM819 aus einem Schlachtgerät auftaucht. Worauf Du bei der Truhe achten musst, ist die originale Lautsprecherbestückung - Grundig hat zu der Zeit schon mit Schaumstoffsicken gearbeitet. Die sind natürlich zerbröselt. Das lässt sich zwar heutzutage leicht reparieren, früher haben die Leute die Chassis aber einfach rausgeworfen, und durch irgendwas anderes ersetzt. Generell ist das größte Problem bei diesen Truhen, dass die Leute sie auch als Möbelstück angesehen haben. Und wenn dann die Technik teilweise den Geist aufgegeben hat, kam die Truhe nicht komplett in den Keller, sondern wurde vom Schreiner umgebaut. Meine Eltern hatten auch so eine Kombitruhe, bei der das Fernsehteil später zum Geschirrschrank umfunktioniert wurde.


    Falls Du Dich doch noch mal an eine 9010 wagen willst, und den Anspruch verfolgst, sie originalgetreu wieder herzustellen, musst Du Dir bewusst sein, dass die 9010 an einigen Stellen ein ziemlich spezielles Teil ist. Als ich sie vor ein paar Jahren gekauft habe, habe ich mich gefragt, wieso keine einzige Truhe zu existieren scheint, die komplett funktionstüchtig ist. Mittlerweile weiß ich, warum. Die Endstufe ist z.B. mit 375 Volt Anodenspannung bis an die Grenze ausgereizt, der Gleichrichter des Anodenspannungsnetzteils hat aber ab Werk eine zu niedrige Nennspannung, und ist quasi immer defekt - originaler Ersatz ist aber nicht zu finden. Ab Werk wurde die 9010 nur mit dem magischen Auge EM35 ausgeliefert, das es nur von Telefunken gab, und das in gutem Zustand noch mehr mit Gold aufgewogen wird, als das EM34. Die Magnetsysteme ( man braucht zwei, weil es keine Nadelumschaltung gibt ) haben fast alle Unterbrechungen in den Spulen und so weiter. Die Phonotechnik war zu der Zeit noch nicht ausgereift, witzigerweise hat Grundig beim Tonbandgerät sofort mit der ersten Baureihe einen Treffer gelandet. Das Grundig 700 ist die Komponente in der Truhe, die sich am leichtesten wieder zum Laufen bringen lässt.


    Gruß Frank

    man lernt ja nie aus, ich hatte nur bei den Truhen ohne Fernseher geguckt. Die Breisgau 12 ist im Prinzip die Königin ohne Fernseher. Die habe ich lange gesucht, und bin dabei auf einige Greencone Opfer gestoßen. Das hat mich ein wenig empfindlich gemacht, war nicht böse gemeint. Mittlerweile hätte ich für so einen Trumm auch keinen Platz mehr, weil zwei große Grundig Truhen zu mir gefunden haben, eine 9010 und eine 9080, beide mit PE-Rex mit Mono-Magnetsystem. Ich finde es immer toll, dass es doch noch ein paar Leute gibt, die so einen Trumm bewahren, statt ihn für ein Tischradio oder für High End Experimente zu fleddern.


    Funktioniert der Fernseher in Deiner Königin auch noch ?


    Gruß Frank

    tja, wer lesen kann ist klar im Vorteil ;) . Sorry :saint: .


    Das Problem bei diesen frühen Magnetsystem Drehern ist, dass sie kaum als OEM Geräte verbaut wurden, und es auch nur wenige Schatullen, Koffer etc. gegeben hat, die dann noch sauteuer waren. Die Dreher sind fast alle in irgendwelche Diskothekentische, Beschallungsanlagen o.ä. eingebaut und zusammen mit ihnen verschrottet worden.


    Mir ist vor einigen Jahren ein ganz merkwürdiges Exemplar über den Weg gelaufen - ein weinroter Ur-Rex Sonderklasse, bei dem der Vorverstärker mit einer General Electric Doppeltriode mit amerikanischer Bezeichnung bestückt ist, und bei dem die passiven Bauteile auch sehr englisch/amerikanisch aussehen. Er hat kein eingebautes Netzteil wie die Standard Sonderklasse Geräte, sondern Stromzufuhr und Signalleitung sind in einem mehradrigen Kabel mit Oktalstecker zusammengefasst. Ich versuche schon mehrere Jahre, die Herkunft von dem Teil zu ermitteln, leider bisher ohne Erfolg.


    Gruss Frank

    vielleicht könnten wir ja tauschen ? Ich habe mehrere Laufwerke mit dem PE7000, suche aber noch den 1006 M oder AM.


    Was mich auch schon länger wundert, ist, wieso der Rex A Sonderklasse mit dem PE5000 so selten ist. Der weinrote Ur-Rex mit dem PE3000 wird hin und wieder mal angeboten, den Rex A habe ich jetzt in Jahren nicht mehr gesehen. Eine echte Rarität scheint auch der letzte PE Sonderklasse zu sein, der PE66.


    Gruß Frank

    der Grund, weshalb z.B. die CL7xx Lautsprecher den 8 Ohm Anschluss haben, der ja auch nur mit einem in Reihe geschalteten Widerstand realisiert ist, ist genau der. Einerseits wollte man wohl die Käufer und Besitzer der letzten CV121 Generation nicht verärgern, andererseits wollte man wohl den Umstieg auf die von Japan vorgegebene 8 Ohm Technik umsetzen.


    Wenn ich die CL730 am CV1450 im 8 Ohm Modus betreibe, höre ich auch keinen Klangunterschied, es ist nur alles etwas leiser. Beim CV1460 ist es im 8 Ohm Modus auch etwas leiser, ich habe aber den Eindruck, dass es sich sauberer anhört, dieser Eindruck kann aber auch Einbildung sein.


    Mein 1450 funktioniert nach dem Tausch eines Hybridmoduls wieder einwandfrei ohne Ausfälle. Dafür treibt mich der Eingangswahlschalter des 1460 langsam in den Wahnsinn - ich bin ja wirklich der Originalitätsfan, aber hier bin ich kurz davor, mir eine pinkompatible Relaisplatine zu basteln, und diese statt des Schalters einzubauen. Man kann das ja so gestalten, dass ein Rückbau jederzeit möglich ist.


    Gruß Frank

    vielleicht nochmal mit anderen Worten und weniger böse - das Elektroschrott-Desaster ist ein systemisches Problem, die Refurbisher versuchen aber, es individuell zu bekämpfen. und es hat noch nie funktioniert, systemische Probleme individuell zu lösen. Trotzdem fördert die Politik natürlich solche Initiativen, aber nicht, um wirklich was zu ändern, sondern um sagen zu können "wir tun was".


    Wie schon weiter oben geschrieben bin ich dabei, meine Gedanken mal ordentlich zusammenzuschreiben, um damit "missionieren" gehen zu können. Wenn es so weit ist, melde ich mich nochmal, evtl. mit einer eigenen Webseite zum Thema.


    Gruß Frank

    wo habe ich geschrieben, dass ich Refurbishing ablehne ? Ich selber bin doch der "Refurbisher vor dem Herrn". Und natürlich muss man klein anfangen, um einen Trend in Bewegung zu setzen, auch das habe ich nicht in Frage gestellt.


    In Bezug auf Nachhaltigkeit würde aber "Trend setzen" bedeuten, dass man die Obsoleszenz Bemühungen der Hersteller bei aktuellen Geräten von unten bekämpft. So wie es seinerzeit Dieter Korp mit seiner Buchreihe "Jetzt helfe ich mir selbst" gemacht hat. Der hat sich mit den Autoherstellern aktiv angelegt, in den Repair Cafes setzt man sich aber mit den aktuellen Obsoleszenz Problemen nicht aktiv auseinander, sondern repariert nur das, was zu reparieren geht, und findet sich mit dem Rest meckernd ab.


    Dieter Korp hat damals gegen die Autohersteller so lange gekämpft, bis sie irgendwann einsehen mussten, dass der DiY Trend sowieso nicht mehr zu stoppen ist, und das Geschäft mit Ersatzteilen nicht der Zubehörbranche überlassen wollten. Genauso müsste es heute laufen - was nützen mir zig YouTube Videos, die zeigen, wie ich an die defekten LED-Zeilen meines Flachbildfernsehers rankomme, wenn es keine Quelle gibt, wo ich neue LED-Streifen zu bezahlbaren Preisen kaufen kann ? Wieso sieht die Recycling Branche die alten Elektrogeräte nicht als Teilespender an, mit denen man Geld verdienen könnte, und sorgt stattdessen dafür, dass sie schon auf der Deponie quasi unbrauchbar werden ? Wieso predigt der Gesetzgeber das Recht auf Reparatur und verhindert es gleichzeitig per Gesetz ? Das sind alles Fragen, mit denen sich die Refurbisher aktiv auseinandersetzen müssten, wenn sie wirklich einen Trend lostreten wollten. Dass sie das nicht tun, und auch gar nicht tun wollen, und stattdessen lieber in ihrem Mußtopf rumwursteln, das lehne ich in der Tat ab, um es vorsichtig zu formulieren.


    Oder um es kurz zu formulieren - auch "klein anfangen" braucht eine Strategie, wenn es nicht für immer klein bleiben soll. Und die Elektroschrottberge bekämpft man nicht dadurch, dass ehrenamtliche Helfer unter Zeitdruck neben Beruf und Familie Omas Heizlüfter entstauben, oder dass sich Leute 30 mal den 701 restaurieren und ins Regal stellen. Sorry, dass das jetzt etwas böse klingt, aber ich wollte es mal auf den Punkt bringen.


    Gruß Frank

    ich glaube, "geborene Bastler" gibt es nicht wirklich, letztlich sind es Motivation und Frustrationstoleranz, die jemanden zum Bastler werden lassen.


    Bei mir war es die Motivation, dass ich schon als Kind ein Ohr für Musik hatte, und diese ganzen Plastikeimer, die in den frühen siebzigern im Kinderzimmer standen, mich nicht zufrieden gemacht haben. Richtige HiFi Anlagen waren Anfang der siebziger für Kinder und Jugendliche unerreichbar, es gab aber drei Dinge - den Sperrmüll, die Bücher von Heinz Richter, und einen Radio- und Fernsehmeister, der in unserem Haus wohnte, und mit meinen Eltern befreundet war. Dieser hat seine ganze Technik-Liebe über mir ausgeschüttet, weil sein eigener Sohn für Elektronik nicht zu motivieren war. Seitdem begleitet mich das Hobby und hat mich nie mehr losgelassen.


    Gruß Frank

    ich werde sicher auch keine Doktorarbeit aus der Reparatur machen, trotzdem bin ich sehr dankbar für die tieferen Einblicke, die mir sicher helfen werden.


    Mir ist es im Zweifel lieber zu kompliziert als zu oberflächlich. Daher danke für den reichlichen Input.


    Gruß Frank

    ich bin ja selber Jäger und Sammler vor dem Herrn, aber ohne Euch jetzt die Luft rauslassen zu wollen, mit Nachhaltigkeit hat das nichts zu tun.


    Nachhaltig ist, wenn wir es schaffen, eine bestimmte Menge Materie und eine bestimmte Menge Energie im Kreis zirkulieren zu lassen, und den Zustand zu erreichen, dass wir der Erde nichts mehr wegnehmen müssen. Diesem System ( es nennt sich "Cradle To Cradle" ) müssen die Produkte aber entsprechen, und das tun alte HiFi Geräte definitiv nicht. Ausserdem ist es generell nicht nachhaltig, sich mehr Zeug zuhause hinzustapeln, als gut für einen ist, genau das tun wir aber fast alle. Und den administrativen Aufwand fürs Sammeln und instandsetzen sollte man auch nicht vernachlässigen - Winfried fokussiert sich vielleicht ein wenig zu sehr auf das Auto als sein Liebiings-Feindbild, aber im Prinzip hat er recht.


    Und dieser ganze "Right To Repair" Mist und die Empfehlungen zum Refurbishen kommen von den selben Leuten, die Im Wahlkampf Sprüche wie "Die Bildung auf dem Tablet servieren" zusammenschwurbeln. Wir leben in und von einem System, dessen Grundlage ständiges Wegwerfen und Neukaufen ist. Und so lange niemand wirklich ernsthaft das System verändern will, sind diese ganzen Initiativen nichts weiter als Feigenblatt Maßnahmen.


    Was das Ansinnen der Politik wirklich ist, erkennt man an dem Produktsicherheitsgesetz von 2004, das zuletzt 2021 nochmal neu gefasst wurde. Kernbestandteil dieses Gesetzes ist, dass gewerbliche Anbieter mit Ausnahme von technischen Antiquitäten KEINE Geräte mehr ohne Gewährleistung verkaufen dürfen. Das hat zwar einerseits die Betrügereien z.B. von Gebrauchtwagenhändlern stark eingeschränkt, andererseits aber auch dafür gesorgt, dass Händler keine Bastlergeräte mehr verkaufen können. Nur als Privatverkäufer darf man heutzutage noch Gewährleistung ausschließen. Diese bis heute kaum in Frage gestellte Regelung hat zu einer massiven Zunahme an weggeworfener Technik geführt - ich kann nur mal jedem empfehlen, beim Autohändler seines Vertrauens mal den Perkplatz zu besuchen, auf dem die aus Gewährlsietungsgründen abgeschriebenen Fahrzeuge stehen. Was man da zu sehen bekommt, lässt sich mit gesundem Menschenverstand ebensowenig begreifen wie die Unmengen an weißer Ware, die auf den Wagen der Klüngelkerle zum Schrott gefahren werden.


    Ein weiterer Aspekt, der selbst bei den Kämpfern gegen den Schrott nicht anzukommen scheint, ist, dass sich die Obsoleszenz weiterentwickelt, die Kämpfer dagegen aber nicht. Ich habe eine Weile in einem Repair Cafe mitgeholfen, und es am Ende aufgegeben, weil die Leute nur in Hardware denken, die Hersteller aber längst nicht mehr die Hardware kaputtgehen lassen, und stattdessen viel perfidere und zuverlässiger planbare Methoden der Obsoleszenz erfunden haben. Z.B. Geräte, die nur noch vom Werkskundendienst zu unwirtschaftlichen Preisen repariert werden können, weil ein Diagnosecomputer nötig ist, den die freien Werkstätten nicht haben. Oder etwas, was ich als "Tod durch Update Entzug" bezeichne. Und Initiativen wie "Recht auf Reparatur" laufen deshalb ins Leere, weil sie Privatschrauber und freie Werkstätten ebenfalls komplett ausschließen. Bei unserer Samsung 65 Zoll "Familienglotze" machen z.B. gerade die Backlight LEDs schlapp. Das lässt sich problemlos reparieren, Samsung verkauft aber die LED-Streifen nur an zertifizierte Fachbetriebe, und bei denen kostet der Tausch dann so viel, dass ein neuer Fernseher billiger ist. Ich habe jetzt mit viel Glück und nach wochenlanger Suche einen baugleichen "Umzugsschaden" mit zerdeppertem Display gefunden, und den zwecks Teilegewinnung geschlachtet. Aber wer macht sich schon so eine Mühe ?


    Der Grund, weshalb ich das immer wieder schreibe, ist, dass ich selber ebenfalls der Meinung bin, dass dringend was gegen den Wegwerf-Wahn passieren muss, aber gleichzeitig sehe, dass die ganzen heutigen Initiativen ins Leere laufen, weil sie das Übel nicht an der Wurzel anpacken. Ich habe jetzt beschlossen, meine Gedanken mal vernünftig aufzuschreiben, wer an dem Text Interesse hat, wenn er fertig ist, kann mir gerne eine PN schreiben.


    Gruß Frank

    danke für den Tipp, ich gehe auch nicht davon aus, dass es was schlimmes ist. Der CD-Player war eh ein Mitleidskauf, er sieht aus, als ob ihn jemand aus dem Elektroschrottcontainer gefischt hat, es spricht für die Konstruktion, dass er nach einer simplen Endschalterjustage sofort wieder lief.


    Gruß Frank

    naja, der SV140 ist schon an einigen Stellen auf Kante gestrickt, ud Grundig hat schon vor den anderen verstanden, dass Geräte keine 50 Jahre alt werden müssen, wenn sie nach zehn Jahren eh ausrangiert werden.


    Ich habe auch nicht von Fehlkonstruktion gesprochen, sondern davon, dass der SV140 wohl schon zur Bauzeit eine ziemliche Zicke gewesen ist, über die jeder Fernsehtechniker geflucht hat. Ich verlinke Dir mal einen Restaurierungsbericht, der in weiten Teilen meinen Erfahrungen entspricht:


    https://www.grundig-forum.de/viewforum.php?f=93


    Ich habe fünf SV140 gebraucht, um daraus einen guten zusammenzubauen. Grundig hatte damals die Angewohnheit, Bauteile in der Servicemappe mit Teilenummern statt Typenbezeichnungen anzugeben - der 2N3055 war so ein Bauteil, es gibt noch einige andere. Das war keine Geldschneiderei, sondern zeigte auf, dass hier vorselektierte Bauteile verbaut werden mussten. Ich habe den SV140 erst stabil ans Laufen bekommen, als ich einen ganzen intakten Satz original verbaute 2N3055 aus einem Schlachtgerät pflücken konnte - dumm ist halt, dass man nicht weiß, wonach Grundig hier selektiert hat. Es gibt in dem Gerät auch so eine komische 82 Volt Z-Diode, die man auf jeden Fall nur durch eine von Grundig ersetzen sollte.


    Bei Dual war es halt bis zum Aufkommen der International-Serie immer so, dass die Kisten einfach, reparaturfreundlich und "bauteiletolerant" waren. Beim CV1600 und noch schlimmer beim 1700 hat man dagegen das Gefühl, dass man hier mal den Japanern so richtig zeigen wollte, was eine Harke ist, und dass der Schuss zumindest teilweise nach hinten losgegangen ist. Dieser Thread ist für mich aber trotzdem hoch interessant, und wird mir bei meinem CV1600 richtig weiterhelfen. Und das RL-Glied werde ich auf jeden Fall nachrüsten.


    Gruß Frank