714Q dreht durch

  • Hallo liebe Experten,


    keine Angst, ich will nicht den 100ste Beitrag zum Thema "Motorhochdrehen" vom Urschleim an eröffnen.

    Habe in der kleinen Bucht einen Schnapper machen können. Das Gerät kam gestern an. Es wurde schon mit dem Problem verkauft.

    Jetzt lese ich mich durch etliche Beiträge zu dem Thema. Leider funktionieren einige Links nicht mehr, die ich gut gebrauchen könnte.

    Was ich bräuchte, wäre eine kleine Reihenfolge in der Vorgehensweise.

    Ich habe zunächst auf den Modulen alle Elkos und Tantals gewechselt. Er dreht immer noch hoch.


    Was könnte ich als nächstes tun? Die ICs wechseln und gleich sockeln oder den Motor öffnen und den von Peter (Wacholder) benannten Gummi um den "Tachoring" wegkratzen, sollte dieser aufgequollen sein?


    Kann ich sonst noch irgendwo ansetzen?


    Dankbarste Grüße

    Stephan

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Hi Stephan !


    Als allererstes prüfen, ob die +/- 5V da sind.

    Die sind essentiell für die Funktion der Stromregelung zum Motor.


    Dann guck' mal bitte auf dem Modul 2.

    IC9201 (4558) und die Kondis C9501 (47µF), C9502 (0.1µF - vermutlich Folie) und C9505 (1µF vermutlich Tantal).

    Der 4558 hat sich bei vielen meiner Geräte öfters mal als ein suizidales Bauteil herausgestellt. Ebenso C9505 - wenn der nicht schon bei der Runderneuerung mit gemacht wurde.


    Die genannten Bauteile gehören zum Verstärker und dem Schmitt-Trigger für die Aufarbeitung des Tachosignals.

    Ohne das dreht er halt hoch bis Anschlag.


    oder den Motor öffnen und den von Peter (Wacholder) benannten Gummi um den "Tachoring" wegkratzen, sollte dieser aufgequollen sein?

    Das wäre zu prüfen, ob die gezahnte Signalscheibe frei dreht.


    Bitte auch mal bei abgezogenem Hauptboard den Spulenwiderstand der Tachospule messen. Pins 11 und 12 am Motor-Steckverbinder.

    Ich habe schon wieder vergessen, was die für einen Wert hat, ich meine aber um oder unter 20 Ohm. Bei "1---" ist die Tachospule im A...imer oder die Verlötung schlecht und gammelig.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Bei meinem 731 war eine der beiden Zenerdioden defekt, so dass entweder+5V oder-5V (kann gerade nicht nachschauen) fehlten. Ich meine es sind die gleichen Motoren verbaut.

  • Hallo Stephan,

    hatte das gleiche Problem bei meinem 731Q. Dreht durch.

    Habe auf dem Modul 2 folgende Bauteile ( siehe Anhang) ausgewechselt. Wichtig auch den Operationsverstärker, dabei auch gleich einen Sockel für den Operationsverstärker mit bestellt.

    Danach war der Fehler behoben.

    Gruß Roland


    Bei Reichelt bestellt

    Bilder

    Mein Equipment

    Pioneer SA1000, SA 8500, SA 800, TX1000, TX7500, PD-4700, CT-737 Mark II, CT-S530, CT-S410, SE-50, SE-205

    Dual 1219, CS 606 (2x), 721, CS 731Q (2x), CS 741Q (2x), CT 1240, CT 1440, CV1460, CV1462,

    Dual C 820

    Technics RS-BX727

    Marantz CD-73

    Philips N 4520

    Uher Report 4000

    Denon DCD-615 Sony JA3ES, MDS-JE520

    Braun L 810 (2x), Kappa Infinity Serie II, Yamaha NS-200Ma, Canton Nestor 303, Saba 3800

    Einmal editiert, zuletzt von Raquel () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Raquel mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hallo Leute,


    Ich danke euch für den Input. Jetzt habe ich eine Vorgehensweise.

    Spulen Messen, Modul 2 überholen, wenn nötig, Motor öffnen.


    Ich gebe dann Feedback.


    Grüße

    Stephan

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Kleine Rückmeldung,

    R lässt sich Zeit mit der Lieferung der Teile. Daher habe schon einmal die Bauteile ausgelötet.

    An Pin 11 und 12 messe ich 47,6 Ohm. Ist das jetzt gut oder schlecht?


    Grüße

    Stephan

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Hi Stephan !

    An Pin 11 und 12 messe ich 47,6 Ohm. Ist das jetzt gut oder schlecht?

    Gut.


    Keine "offene Verbindung". Das wäre ein Todesurteil.

    Wie ich schrieb: ich wußte aus dem Kopf nicht mehr, welchen Drahtwiderstand die Tachospule hat. Wichtig ist, sie *hat* einen.

    Wenn dann die gezahnte Scheibe in dem Gummi-Magnetring auch noch ohne hakeln dreht, ist der Teil schon mal abgefackelt und nicht die Ursache fürs Hochdrehen.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Ich bin erstaunt, wie gut das Innere des Motors noch aussieht. Die Scheibe dreht sich ohne Randreibung. gut, ein Problem ausgeschlossen.



    Nachtrag: was würdet ihr zur Fettung der Lagerscheibe empfehlen? Molykote, Shell gadus, Haftöl...

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Hi Stephan !


    Da hast Du - und der Dreher - Glück gehabt. Es ist leider nicht sehr selten, daß dieser grau-rötliche Magnetgummi aufgequollen ist.

    Wobei sich mir nicht so wirklich erschließt, *warum* der das tut. Aber es ist halt auch "nur Plastik" und das verändert sich über die Dekaden.


    Richtig: Ein Problem hin, das nächste im Sinn. Mal gucken, wann die Ersatzteile eintrudeln.

    Du kannst ja die Gelegenheit nutzen, unten das Drucklager etwas zu reinigen und etwas MoS2 dranzugeben.

    Vermutlich hast Du nicht vor, den Krempel da unten abzubauen, um die langen Führungslager nachzuölen ... ?


    (Das wäre jetzt aber die Gelegenheit.)


    :/

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • (Das wäre jetzt aber die Gelegenheit.)


    :/

    da heute Home-Office angesagt ist, würde ich die Gelegenheit natürlich nutzen. Ich habe hier im Board gelesen, dass es nicht ungefährlich ist, da der Ringmagnet die Drähte zur Spule beschädigen könnte.

    Da die Lipper sehr freundliche Menschen sind (meine Liebste ist Lipperin), hättest du, Peter, eine Vorgehensweise für mich parat?


    Grüße

    Stephan

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Hi Stephan,

    ich würde Shell Gadus nehmen.

    Könnte dir etwas schicken habe es vor kurzem gekauft und ausversehen eine sehr große Menge bestellt. Könnte das ganze Board versorgen. :)

    Gruß Roland

    Mein Equipment

    Pioneer SA1000, SA 8500, SA 800, TX1000, TX7500, PD-4700, CT-737 Mark II, CT-S530, CT-S410, SE-50, SE-205

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    Marantz CD-73

    Philips N 4520

    Uher Report 4000

    Denon DCD-615 Sony JA3ES, MDS-JE520

    Braun L 810 (2x), Kappa Infinity Serie II, Yamaha NS-200Ma, Canton Nestor 303, Saba 3800

  • hallo...ich glaub es gibt hier eine anleitung (häufige fragen), wie man den motor öffnet...richtig ist geduld, gutes werkzeug (passende sprengringzange)...die teile so auflegen, dass man die dann richtig montiert (fotos)


    gutes gelingen!


    romme

  • Hi Stephan,

    ich würde Shell Gadus nehmen.

    Könnte dir etwas schicken habe es vor kurzem gekauft und ausversehen eine sehr große Menge bestellt. Könnte das ganze Board versorgen. :)

    Gruß Roland

    Danke Roland,

    Ich habe auch drei Kartuschen hier stehen 😂

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Immer schön die Tür- und Haubenschlösser vom Auto fetten mit dem Kram. Da geht wenigstens eine nennenswerte Menge dran… :D


    Ich hab auch eine ganze Kartusche Gadus hier rumliegen…

    Matthias



  • Hi Stephan !

    Ich habe hier im Board gelesen, dass es nicht ungefährlich ist, da der Ringmagnet die Drähte zur Spule beschädigen könnte.

    Das *kann* der Fall werden, wenn man bei abgenommener Deckplatte mit Drucklager munter an der Motorachse dreht.

    Mit dem Entfernen vom Drucklager fällt der Ringmagnet auf die Spulensätze im Antriebsteil. Der sonst vorhandene Luftspalt ist weg und dann schleift der Ringmagnet beim Drehen auf dem Kupferlackdraht. Das sollte man, wo es geht, vermeiden.



    Ansonsten:

    Unten die Seegerringe abnehmen, den Krempel von der Motorachse runternehmen, auf die Anzahl und die Reihenfolge vorhandener Beilagescheiben achten. Einige sind aus Metall, andere aus Pertinax. Die muß man vorsichtig über die Kerben in der Achse fisseln. Das sind immer die Momente, wo ich mir einen alten Pappkarton in den Fußraum stelle, damit ich nicht mehr vor die am Boden stehenden Boxen und den Mülleimer trete ...


    Zahnscheibe raus.


    Dort besteht nur eine Gefahr für die Tachospule, wenn man gezwungen ist, mit dem scharfen Cutter für genug Freiraum zwischen Magnetgummi und Zahnscheibe zu sorgen. An sich liegt die dann unten einigermaßen sicher.


    Dann mit dem dicken Daumen die Achse nach oben rausdrücken.

    Dabei löst sich mit fühlbarem Klacken die stählerne Rückschlußscheibe vom "Kragen" um den Ringmagnet.

    Anschließend kannst Du den oberen Motorteil mit Magnet und Achse abnehmen.

    Mal den Magneten nach Fremdkörpern und abgeplatzten Stellen inspizieren. Es ist keine Seltenheit, daß da irgendwelche "Brösel" dranhängen.


    Beim Zusammenbau die Rückschlußplatte optisch mittig unter den Spulen und den Lagern zentrieren und den Anker schön gerade in die Lager einführen. Ein sattes "Klack!" verkündet von der Wiedervereinigung. Von unten etwas gegen die Achse drücken, damit zwischen Magnet und Spulen Luft ist (oder die Deckplatte provisorisch montieren), um zu gucken, daß die Rückschlußscheibe gerade in ihrer Führung sitzt und nicht eiert und an die Spulen schlägt.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Danke Peter,


    Ich kann mir die von dir beschriebene Vorgehensweise schon im Geiste vorstellen. Das würde ich gleich angehen.

    Aber vorher kamen die Teile für Modul zwei an.

    Habe alles getauscht. Leider immer noch Schleudergang.



    Was ist eigentlich C9204? Bei den vorhandenen Bildern hier im Board ist das Teil nicht zu sehen.


    Modul 2 scheint okay, der Motor ist top, die restlichen Elkos sind auch getauscht.

    Wie könnte ich nun weiter verfahren?

    Dioden tauschen, wie Tricker oben beschrieben hatte?


    Grüße

    Stephan

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Noch ein paar Messungen:

    Masse habe ich von der Hauptplatine neben Punkt y abgegriffen.

    Y 5,37

    R9002 vorne 15,3 hinten 5,37

    An IC9202 Pin 8 5,3 Pin 4 0,623


    Pin 4 stimmt also nicht. Sollte ich richtig gezählt habe. 1 wäre ja der Pin in der Ecke mit dem Kreis. Davon zähle ich vier nach links. Pin 8 ist unter Pin 1, richtig?

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Hi Stephan !

    Was ist eigentlich C9204? Bei den vorhandenen Bildern hier im Board ist das Teil nicht zu sehen.

    Das ist laut Schaltplan ein 1nF Keramik, der parallel über dem 150K R9202 sitzt, um eine Art frequenzabhängige Verstärkungsanpassung vorzunehmen. Er bildet über den Widerstand einen Hochpaß und je höher die Frequenz, desto weiter wird die Verstärkung des OP reduziert.

    In Deinem Bild sitzt er vorne rechts vor dem Tantali. Im Fehlerbaum sitzt der ganz weit unten: kein Elko und für die grundsätzliche Funktion eher untergeordnet.


    Wenn Du ein Scope hast, kannst Du am Pin 7 von IC9201 anfangen zu gucken.

    Da muß das verstärkte Tachosignal anliegen.

    Laut Schaltbild 1.3 - 5Vss (was schon ein ziemlich weit gesteckter Bereich ist).

    Dann geht es weiter an Pin 1, wo das Sinussignal in ein Rechteck umgewandelt sein muß.


    Am Pin 1 vom IC9202 (1. Flipflop) muß beim Hochdrehen ein entsprechendes Rechtecksignal rauskommen.

    Ebenso an Pin 12, was im Leerlauf auf Null geht und dann im Hochlauf und unter leichter Last eine Regelgröße anzeigt.


    Das eigentliche Stellsignal für den OP in der Stromregelung kommt aus Modul 1, IC9101 Pin 7.

    Das sind die Spannungen 60mV (Leerlauf), 2.5V (bei leichter Last) und 4.5V bei Anlauf / Blockierung.


    Das Signal aus Modul 2, was an IC9202 / Pin 12 rauskommt, geht in Modul 1 beim Boardpin 4 rein und steuerte Transistor T9101 über einen 20K Basisvorwiderstand an. Der Transistor ist ein PNP BC251B - die stehen mittlerweile auf meiner Haßliste. Die und ihre NPN-Brüder aus der BC17x Familie. Die sind sowas wie die europäischen Equivalente zum 2SC458. Ich würde den Transi spaßeshalber mal durch einen BC558 / 557 / 556 oder notfalls BC560 mit Suffix B oder C tauschen.


    Dioden tauschen, wie Tricker oben beschrieben hatte?

    Guck' doch mal, ob die +/- 5V da sind. Ohne die geht eh' nix richtig.


    Das sind die beiden Z-Dioden D9007 / D9008 auf dem "Basisboard", wo auch der Spannungsregler sitzt.

    An beiden müssen 5V zu messen sein.

    +5V über D9007 wird aus den +15V abgeleitet, -5V über D9008 kommt aus einer Dioden / Kondensator Spannungsumkehrschaltung (C9003 / D9005 / D9006 / C9005). Die ist der schwache Punkt der ganzen Stromversorgung.



    :)


    R9002 vorne 15,3 hinten 5,37

    An IC9202 Pin 8 5,3 Pin 4 0,623


    Pin 4 stimmt also nicht. Sollte ich richtig gezählt habe. 1 wäre ja der Pin in der Ecke mit dem Kreis. Davon zähle ich vier nach links. Pin 8 ist unter Pin 1, richtig?

    Dann fehlen an Pin 4 die -5 Volt (Spannung Z im Plan).

    X ist +15V, Y ist +5V.


    Pinout ist

    8-7-6-5

    }-#-#-#-]

    1-2-3-4


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

    Einmal editiert, zuletzt von wacholder () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von wacholder mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Moment Moment Moment, von welchem IC reden wir? I 9002 auf der Hauptplatine oder I 9201 bzw. 9202 auf Modul 2.


    Danke für das schöne Bildchen.

    Was ist, ist! Was nicht ist, ist möglich!

  • Äh ....


    IC9002 auf der Hauptplatine ist ein 741 original im alten 14-pin Gehäuse.

    Der bekommt +15V (X) auf Pin 11 und -5V (Z) auf Pin 6.

    Es *kann sein*, daß sie dort schon eine 8-Pin Version eingebaut haben. Dann wäre das +15V auf Pin 7 und -5V auf Pin 4.

    Bei der 14-pin Version vom 741 sind die Pin 1, 2, 7, 8, 13 und 14 nicht benutzt.


    Modul 2:

    IC9201 ist ein 4558-OP, der auf Pin 8 +15V (X) und auf Pin 4 -5V (Z) bekommen sollte.

    IC9202 ist ein 14-pin CD4013 Doppel-FF CMOS, der mit Pin 14 an +5V (Y) und Pin 7 an Masse liegt.


    (Jetzt ganz verwirrt ... ? Ich hoffe nicht ...)


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

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