Reparatur Dual P51

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    • Reparatur Dual P51

      Guten Abend zusammen,
      seit vergangener Woche bin ich stolzer Besitzer eines Dual P51 Plattenspielers und möchte mich kurz vorstellen: Ich komme aus Süddeutschland und höre meiner Freizeit sehr gerne Schallplatten. Den P 51 Plattenspieler hatte ich in den Kleinanzeigen entdeckt und ihn gekauft um einen mobilen Plattenspieler für meine Zweitwohnung zu haben.
      Nachdem er die ersten Tage auch einwandfrei funktioniert hatte, hatte ich gestern vergessen den Plattenspieler auszumachen. Als ich am nächsten Tag wieder eine Schallplatte hören wollte, ging der Plattenspieler nicht mehr an (kein Licht, kein Mucks). Beim Betätigen des An/Ausschalters hat sich nichts mehr getan. Nach einer ersten Internetrecherche hatte ich schnell die Sicherungen im Verdacht, und siehe da: die große 250 mA Sicherung war durch gebrannt. Also schnell eine neue gekauft und eingelegt. Leider hatte dies überhaupt keinen Effekt, der Plattenspieler lässt sich nach wie vor nicht anschalten. Beim Rausnehmen der Sicherung ist dann zu dem ein weiteres Malheur passiert: Mit der Zange bin ich an beide Kontakte gekommen (hätte total vergessen den Netzstecker zu ziehen), es hat einen Kurzschluss gegeben und etwas geraucht, die Sicherung im Sicherungskasten ist rausgeflogen.
      Selbstverständlich sind die P 51 Plattenspieler gebraucht nicht allzu teuer und ein Neukauf wahrscheinlich cleverer, dennoch fände ich es schade, wenn sich der Plattenspieler nicht noch reparieren lassen würde. Grundlegende Kenntnisse sowie ein Multimeter sind vorhanden. Ich habe zudem die Original Bedienungsanleitung mit Schaltplan.
      Doch wie anfangen mit der Fehlersuche? Gibt es bestimmte Bauteile die als Fehlerquelle besonders infrage kommen? Wie kann ich diese testen? Wie geht man systematisch bei der Fehlersuche vor?
      Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen :)
      Viele Grüße
      Markus
    • Hi Markus !

      Willkommen im wunderbaren, kunterbunten und nicht-quarantänisierten Wunderland der Dual-Fans. ^^

      Der P51 ist an sich eine lustige kleine Kiste. Das Problem ist, alle Informationen dafür zusammen zu bekommen, weil die Service-Informationen sich zunächst mal nur auf die einzelnen, im Laufe des Fertigungszeitraums verbauten Verstärker erstreckt.
      Aber das kriegen wir schon hin.

      Grundsätzlich kranken die Geräte an Alterungseffekten, insbesondere bei den Kondensatoren.
      Wenn bei Deinem die Sicherung durchgebrannt ist, nachdem das Gerät längere Zeit eingeschaltet stehengeblieben ist, kommen zwei Dinge in Betracht:
      - der eine Entstör-Kondensator parallel zum Trafo hat die Grätsche gemacht und bildet jetzt einen Kurzschluß (darauf deutet der Funkenflug beim Einsetzen der Sicherungs)
      - der Haupt-Kondensator der Stromversorgung hat sich überlegt, die Segel zu streichen.

      Wie das Plattenspieler-Chassis rausgeht, hast Du schon rausgefunden ?

      Darunter liegt die Elektronik.
      Besonders interessant ist erstmal der Bereich rund um den Transformator. Da muß irgendwo so eine hellgraue "Rolle" an zwei Drähten hängen. Das ist der Entstörkondensator. Davon gab es mehrere Varianten, hellgrau mit schwarzer Schrift und Plastikkörper, weiß mit schwarzer Schrift und Papierwickel außen herum.

      (Ich hab' von dem ganzen Salat mal Fotos gehabt ... aber wo in meinem Datenfriedhof sind die, wenn man sie braucht ?)

      Das müßte so ähnlich aussehen, wie hier beim P50 gezeigt.

      hifi-archiv.info/Dual/P50S/P50%20etc.%20Service%20SM-02.jpg

      Die Rolle kannst Du im ersten Schritt mal ganz rigoros raustrennen. Die hat zwar eine gewisse Funktion, aber wenn sie kaputt ist, haut die immer wieder die Sicherung weg.

      Hinten auf der Rückseite auf dem Sicherungsboard gibt es zwei Sicherungen:
      - 125mA träge (die "Rücklaufsicherung" nur für 220V~)
      - 250mA träge (die Gesamtsicherung für Verstärker und Plattenspieler)

      Wenn der Entstörkondi C17 tatsächlich die Sicherung auf dem Gewissen hat, müßte die heile bleiben, wenn man sie nach dem Abknipsen des Kondis ersetzt.

      Ist das der Fall, kann man den Teer/Papier-Kondi durch was zeitgemäßes ersetzen:

      conrad.de/de/p/tru-components-…searchType=SearchRedirect

      Fliegt die Sicherung trotzdem - sofort oder nach einiger Zeit - liegt der Verdacht nahe, daß es den Hauptelko der Stromversorgung langsam dahinrafft. Dann müßte es in der Wiedergabe aber schon hörbar brummen. Meistens geht ein Dahinsterben mit einem Kapazitätsverlust einher, der sich auf die Filterung auswirkt und dann brummt es eben.

      Da muß man mal gucken, was auf dem Hauptkondi draufsteht. Das wird vermutlich - wie bei der P50 - ein 2500µF / 25V axial sein. 2.500 gibt es nach ISO nicht mehr, passend wäre 2.200µF mit >=25V wie zum Beispiel den hier:

      conrad.de/de/p/vishay-2222-021…-x-30-mm-1-st-446096.html


      Sollte es das *immer noch nicht* beheben, hat möglicherweise ein interner Fehler die Endstufe gekillt und die zieht jetzt über den Trafo zu viel Strom, so daß es die Sicherung raushaut. Aber das wäre echt selten.

      ^^
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • Hallo Peter und Gernot,
      ganz vielen lieben Dank für Eure Antworten!
      Gernot, ich habe Dir eine Nachricht geschrieben.

      Heute habe ich den Plattenspieler mal geöffnet und die Elektronik sieht in der Tat exakt so aus wie auf der Schemazeichnung.
      Den Entstörkondensator habe ich gefunden. Durch den Kurzschluss als ich beim Entfernen der Sicherung an beide Sicherungs-Pole gekommen bin, scheint hier das Kabel abgebrannt zu sein und der Entstörkondensator ist nun sowieso „abgeknipst“.

      Die Sicherung fliegt aber nach wie vor raus. Wie finde ich denn den Hauptkondensator? Ist der auf der Schemazeichnung beschriftet? Entschuldigung für die Anfängerfragen ;)

      Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

      Beste Grüße
      Markus
    • Hi Markus !

      zxmgc33 schrieb:

      Die Sicherung fliegt aber nach wie vor raus. Wie finde ich denn den Hauptkondensator? Ist der auf der Schemazeichnung beschriftet? Entschuldigung für die Anfängerfragen
      Gibbs Regel "Entschuldige Dich niemals ..."

      Es ist legitim, was nicht zu wissen. Geht uns allen früher oder später mal so.

      Der Hauptelko ist die dicke Rolle "Nördlich vom Trafo", wenn Du das Schaubild vom Verstärker zugrundelegst.
      Das müßte ein 2000µF / 20V sein. Nach Bereinigung der Staffelungen durch ISO gibt es jetzt noch 2.200µF, das paßt aber. Und die maximal zulässige Spannungsfestigkeit kann ruhig höher sein, also 30 oder sogar 40V. Macht nix. Mehr geht da immer.

      Sowas:

      conrad.de/de/p/vishay-2222-021…-x-30-mm-1-st-446193.html

      (Das Bild ist nur ein Symbolbild - das ist halt Conrad ...)

      Bei dem Ding gibt es Plus und Minus und der muß richtig herum eingelötet werden.
      Die Seite mit "nur Alu" ist Minus, die Seite "mit Gummi" ist Plus.

      ^^
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • wacholder schrieb:

      Bei dem Ding gibt es Plus und Minus und der muß richtig herum eingelötet werden.
      Die Seite mit "nur Alu" ist Minus, die Seite "mit Gummi" ist Plus.
      Auch das kann man durch Trial & Error herausfinden :whistling:

      Bei den Elkos mit radialen Anschlüssen ist es ja einfach, aber den axialen, den ich in meinen P51 eingelötet hab, der war so besch...t beschriftet, dass ich es grade falsch herum gemacht hab. Naja, zum Glück hatte ich gleich 2 bestellt :D

      Jetzt hat der P51 angefangen zu eiern, nun ist wohl auch bei dem eine komplette mechanische Überholung fällig ... noja, dass es mir net langweilig wird, jetzt wo der 1015er löppt, gell ;)

      Grüßle, Lilly
    • Hi Lilly !

      Lilly schrieb:

      Auch das kann man durch Trial & Error herausfinden
      Jjjjjaa ... kann man. Sollte man aber nicht.

      Deshalb schreibe ich ja auch gerne meine "Ansichtsache" dazu, damit auch jemand, der in diesen Dingen ein wenig ungeübter ist, nicht unnötig Bauteile sprengt. Und das kann bei großen Elkos schon mal richtig krachen. Da haben alle was davon.

      Mein bisher dickster "Fehlschuß" war ein 1.500 µF / 450V Elko von Sprague aus der Stromversorgung eines US-militärtechnischen Funkmeßgerätes der 1960er. Ein Okkolyt groß wie ein Bockwurstglas mit Schraubanschlüssen. (Ist schon ein paar Sylvester her ...)
      Irgendwie hatte das Ding einen Hau und mein Kumpel und ich haben die ganze Verkabelung losgehabt und alles inspiziert, weil das Gerät beim Hochlaufen auch geknistert hat. Hmm. Wieder alles zusammengebaut ... eingeschaltet ... Summt, brummt, knistert ... und dann hat es gerummst, daß uns fast die Ohren weggeflogen sind. Teile von dem Elko haben wir noch Meter entfernt eingesammelt. Wir haben uns was anderes besorgt ... eingebaut ... und das Gerät lief wieder.

      Da wir alles markiert und gekennzeichnet hatten, haben wir auch alles wieder so zusammengebaut, wie es war.
      Problem war: jemand hatte sich schon vorher daran versucht und dabei den Elko verpolt eingebaut. Und dann die Lust verloren und das Gerät verkloppt.

      Man muß vorsichtig sein mit den Altlasten anderer ...


      ^^
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • Hallo zusammen,

      Vielen Dank für die weitere Unterstützung. Ich habe heute nochmal den Plattenspieler auseinander gebaut und einmal den Hauptelko der Stromversorgung mit dem Multimeter geprüft und siehe da: es hat nicht gepiepst, also gehe ich davon aus, dass der Kondensator defekt ist. Ich habe den Hauptelko sowie den Funkentstörkondensator bei eBay bestellt und werde versuchen, ob ich den Plattenspieler wieder zum laufen bekommen kann. Da hattest Du wohl den richtigen Riecher, Peter! Vielen Dank!

      Bei eBay habe ich außerdem günstig einen zweiten P51 ersteigern können, der notfalls als Ersatzteillager dient, wenn mehr defekt sein sollte.

      Viele Grüße
      Markus
    • Hallo Markus,

      dein Schluss "piepst nicht, also defekt" ist leider verkehrt. Ein piepsender Elko würde mir eher Sorgen bereiten, als ein nicht piepsender. Nur mit "Durchpiepen" lässt sich ein Elko leider nicht prüfen.
      Der würde piepen, wenn er durchgeschlagen wäre und einen Kurzschluss hat, also defekt ist.

      Spielt aber jetzt mal keine Rolle. Wenn der getauscht wird, ist das ja nicht schlimm, selbst wenn er heile wäre.

      Gruß
      Martin
      Martins Lieblingsdreher: Dual 1229, Dual 1000/1001, Dual 300 Siesta, Luxor GW1. Alles Weitere im Profil.
    • Hi Markus !

      zxmgc33 schrieb:

      Es war der Hauptelko.
      Habe heute die Ersatzteile eingelötet und jetzt funktioniert wieder alles wie es soll.
      :thumbsup: :thumbup:

      Yessss !

      "Wieder einer geheilt !"
      Auf solche Nachrichten freuen wir uns dieser Tage immer ganz besonders.

      Viel Spaß weiterhin damit.
      Und wenn was ist: einfach an unseren Käfigstangen rütteln. Irgendwer wacht schon auf.

      ^^
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.