Instandsetzen und Warten eines PE2014

  • Guten Morgen,


    von einem Bekannten habe ich einen alten Plattenspieler bekommen, wo ich mir das Ziel gesetzt habe, diesen auf Vordermann zu bringen. Im Vornherein soll schon mal gesagt sein, dass ich selbst bisher keine Erfahrung mit solchen "antiken" Gerätschaften habe. Dennoch traue ich mir es als Mechatroniker zu, den Plattenspieler genauer unter die Lupe zu nehmen. Aufgrund der "Wartungsanleitung PE20xx" bin ich überzeugt, dass ich in diesem Forum an der richtigen Stelle bin um Tipps & Tricks für mein Vorhaben zu erhalten.


    Vorab würde mich interessieren, wie alt der Plattenspieler denn nun wirklich ist. Auf der Homepage von PE sehe ich dass der PE 2020 im Jahr 1967 gebaut wurde. Zu meinem Modell PE 2014, Typ VA 16 finde ich im Internet jedoch keine weiteren Anagaben. Ist dies ein Vorgänger/Nachfolger des PE 2020?


    Zum Instandsetzen hätte ich dann noch einige Fragen. Generell habe ich das Gefühl, dass die Mechanik in relativ gutem Zustand ist. Der Motor läuft ohne Probleme und auch die sonstigen Bewegungen laufen mit etwas Hilfe. Unter folgendem Link (https://drive.google.com/file/…MXR8JASx/view?usp=sharing) habe ich ein kleines Video gemacht um die aktuelle Funktionsweise zu demonstrieren. Wie gesagt bin ich zwar kein Experte, habe aber das Gefühl dass der Plattenspieler an sich gewillt ist, das zu tun was man von ihm verlangt. Beim Umschalten nach "automatic" geht die LED an und der Plattenspieler läuft an. Theoretisch hätte ich erwartet, dass die Nadel dann sofort automatisch zur Platte geht, die Platte bis zum Ende abläuft und wieder zurück geht. Dies geht in meinem Fall nur nach ruckeln (siehe 00:22 im Video) am Schalter. Wird der Schalter zurück auf "Stop" gesetzt, hört sich der Motor auf zu drehen und die LED geht aus.


    Dennoch gibt es ein paar Punkte, die mir aufgefallen sind und bei denen ich um jeden Hinweis froh bin:

    1. Kann mir wer bestätigen dass das vorher genannte "ruckeln" nicht normal ist und dass ich die automatic-Funktion an sich richtig verstanden hab? Der Schalter macht insgesamt einen sehr wackeligen Eindruck, was wohl auch nicht normal ist? Wo setze ich hier am besten an? Ist es hier schon notwendig, die Mechanik in ihre Einzelteile zu zerlegen?

    2. Die Nadel im Tonabnehmer ist etwas verbogen. Ist es einfach und günstig diese auszuwechseln? Muss am kompletten "Tonarm" sonst noch irgendetwas berücksichtigt werden bevor ich die erste Platte auflege?

    3. Ich gehe davon aus dass sich rechts vom Schalter (zw. manual und automatic) der Hebel zum Auf- und Ab-bewegen des "Tonarms" befindet. Dieser ist aber so ziemlich ohne Funktion. Ist das der sogenannte Steuerpimpel, der auch in der Wartungsanleitung zu finden ist?

    4. Die Regler (volume, bass, ...) etc. lasssen mich vermuten, dass schon ein integrierter Verstärker vorhanden ist? Ist die Annahme richtig und taugen diese integrierten Verstärker in der heutigen Zeit noch etwas? Da ich die sich-dahinter-befindende Elektronik noch gar nicht getestet habe, könnte ich mir vorstellen dass hier noch die ein oder andere Überraschung auf mich zukommt.

    5. Kann ich mich mit einem 5-Pol-zu-Chinch-Adapter ohne Probleme an den Plattenspieler ranhängen ohne weiteres zu beachten?


    Natürlich bin ich auch froh um jede weitere hilfreiche Website/Info/etc. um Details zu verstehen oder wenn ich andere wichtige Informationen erhalte die ich noch gar nicht am Schirm hatte. Für eure Hilfe bedanke ich mich herzlichst im Voraus.


    Beste Grüße


    Marcel

  • Zu meinem Modell PE 2014, Typ VA 16 finde ich im Internet jedoch keine weiteren Anagaben. Ist dies ein Vorgänger/Nachfolger des PE 2020?

    Nein, das ist der kleine Bruder. Gab es auch als Telefunken W230 im Gegensatz zum W250 (=2020)

    Gebaut wurde der 2014L von 1970 bis 73. Ohne Lift also 2014 ohne "L" 1969.


    Wenn der Arm so zuckelt ist mit Sicherheit der Liftpimpel hin...bzw eigentlich ist der IMMER hin. Zumindest habe ich in den sicher an die hundert PEs dieser Reihen die ich im Laufe der Zeit auf dem Tisch hatte noch nie einen originalen gesehen;)


    Wenn Du ihn vernünftig nutzen willst kommst Du ums Zerlegen, Entharzen und Abschmieren nicht rum. Ist in der Wartungsanleitung aber alles erklärt, wenn Du darüber hinaus Fragen hast melde Dich einfach hier. Als Techniker wird Dich das nicht überfordern... aber sei gewarnt, PEs sind schon die höhere Kunst der Plattenspielermechanik, meinem ersten habe ich im Laufe der Arbeiten sehr viele seeehhhhr unflätige Namen gegeben, davon war "Wälder-Miststück" noch eins her harmlosesten^^^^^^.


    Dein spezielles Gerät scheint eine Vorführkombi zu sein wie man sie in Plattenläden hatte. Kenne ich nur von Dual als VK-irgendwas und Unterlagen habe ich auch keine gefunden. Ob der interne Verstärker viel taugt kann ich nicht sagen, aber mit den Erfahrungen meines PE34 Koffergerätes würde ich das eher nicht erwarten. Im Zweifel führe das Signalkabel extern raus und schließe es an einen vernünftigen AMP an.

    VG

    Kai







  • Guten Abend,


    vielen lieben Dank für die schnelle Antwort. Bin total begeistert welch mechanische Wunderwerke es zu schon zu dieser Zeit gab und froh den Plattenspieler nun eindeutig zuordnen zu können. Sollte ich die Mechanik jemals ordentlich zum laufen bringen, werde ich einen externen Verstärker als nächstes Projekt in Angriff nehmen :-)


    Beim Zerlegen der kompletten Mechanik ist mir noch etwas mulmig. Hab schon nach dem ersten Schritt (Entharzen und Schmieren der Größenerkennung) das Gefühl, dass der Arm sich nicht mehr bis zur Endposition (Mitte der Platte) bewegen lässt und ich schon irgendwas in der Mechanik blockiert habe :/

    Gibt es denn generell eine "Ausgangsstellung" in der man die Teile ein- und ausbauen sollte oder ist das völlig egal?


    An der Geduld und verzwickten Arbeiten solls zumindest nicht scheitern :)


    Beste Grüße


    Marcel

  • Gibt es denn generell eine "Ausgangsstellung" in der man die Teile ein- und ausbauen sollte oder ist das völlig egal?

    Prinzipiell ist das egal, aber es bietet sich an die Mechanik in ruhestellung des Kurvenrads zu zerlegen, da hier kein Teil unter Spannung steht.

    VG

    Kai







  • ...Du hast ja hier offenbar auch schon den richtigen Ansatz erkannt, dass man nicht unbedingt das gesamte Gerät auf einmal zerpflücken muss, sondern dies nach Baugruppen erledigen kann (was die Identifikation der dann vielen Teile auf dem Tisch erleichtert...;)) Die Größenerkennung ist schonmal einer der neuralgischen Punkte der Mechanik, weiterhin die Rillenachse, auf der die Komponenten der Automatik vereint sind und natürlich der von Kai bereits erwähnte Liftpimpel, der anlässlich einer Erstrevision an einem PE die größte Herausforderung darstellen dürfte. Wenngleich ich noch nicht so viele PEs auf dem Tisch hatte wie Kai, so kann ich mich durchaus auch an so manchen deftigen Fluch meinerseits in meiner PE-Anfangszeit erinnern...^^

    Was die Blockade des Arms betrifft, so hat dies auch öfter mal den ganz banalen Grund, dass beim Wiedereinsetzen des Laufwerks in die Zarge Das Signal- oder auch das Netzkabel sich irgendwie in der Mechanik verheddert hat. Vorsicht in einem solchen Fall und keinesfalls versuchen, irgendwelche Widerstände da mit Gewalt überwinden zu wollen. Das endet sonst gerne mit größerem Schrott bzw. verbogenen Automatikkomponenten!

    Viel Erfolg!


    Gruß Gerhard

  • Vielen Dank für die erneuten Antworten,


    ich werde den morgigen freien Tag damit verbringen den Plattenspieler auseinander zu nehmen.


    Zunächst schon einmal die erste peinliche Anfängerfrage bzgl der Blockade des Arms:

    Im Anhang "Größenerkennung_*" hab ich mal eingekreist, was sich bei mir jetzt problemlos bewegt (und es hoffentlich auch tun soll - zumindest bei der Feder bin ich mir da sicher). Das Problem, warum der Arm nicht mehr bis zur Ende der Platte läuft ist im Anhang "Anschlag" markiert. Irgendwie scheine ich die Größenerkennung so eingebaut zu haben, dass der Arm immer bei der letzten "Ecke des Metallblechs" (das bestimmt auch einen schönen Fachnamen hat oder generell Größenerkennung genannt wird?) hängenbleibt, wobei der Arm dann nur bis zu der Position geht die im Anhang "Max_Position_Arm" gezeigt ist. Das irritiert mich vor allem deshalb, weil vor meinen Änderungen der Arm nahezu bis in die Mitte der Platte ging und ich bin mir unsicher ob ich es nun besser oder schlechter gemacht habe :/


    Die Rillenachse und der Liftpimpel werden als nächstes dran kommen. Seh mich selbst schon fluchend in der Werkstatt sehen wenn die Mechanik klemmt oder 3 von 20 Teilen nach dem Zusammenbau überbleiben ^^


    Beste Grüße


    Marcel

  • Zunächst mal sicherheitshalber: den Hebel der Größenerkennung hattest du draussen? Und die Lagerbuchse entharzt? Auch, wenn etwas äusserlich "gängig" aussieht, so heisst das nicht unbedingt, dass es auch korrekt funktioniert. Gerade besagte Buchse ist zwar mitunter wirklich komplett fest bei PEs mit langjähriger Stillstandsvergangenheit, was bei dir ja zumindest jetzt nicht mehr der Fall zu sein scheint, aber wir sollten nicht vergessen, dass es hier teilweise um Millimeterbruchteile geht, die über "funzt" oder "funzt net" entscheiden. Nachdem auch das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten hier eine wichtige Rolle spielt, kann man über Erfolg oder Misserfolg der Operation wahrscheinlich auch erst nach Entharzung der Rillenachse entscheiden. Die auf dem Foto der Größenerkennung fehlenden Teile 11-13

    20.jpg (1992×2856) (hifi-archiv.info) sind ansonsten aber schon verbaut?

    Zu beachten wäre weiterhin noch, dass zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Automatikfunktionen eine Platte aufgelegt sein muss.

    Gruß und viel Erfolg


    Gerhard

  • Hallo Gerhard,


    danke für den Tipp. Ich habe das ganze noch einmal auseinander gebaut, ordentlich gereinigt und geschmiert (v.a. die Lagerbuchse die ich vorher eher halb-dürftig geschmiert habe) und schon lief der Arm wie von geisterhand wieder einwandfrei :) Die Teile 11-13 habe ich natürlich immer berücksichtigtund es sind keine Teile übergeblieben und sah so aus wie auf dem Vorher-Foto.


    Jetzt gehts dann an die Rillenachse und zuguterletzt an den Liftpimpel.


    Beste Grüße


    Marcel

  • Guten Abend,


    so nun hatte ich die Zeit die Mechanik auseinanderzunehmen.


    Die Rillenachse konnte ich ohne Probleme ausbauen, entharzen, schmieren und wiedereinbauen. Hatte auch das Gefühl dass der Plattenspieler danach besser und flüssiger lief und der Schalter ruckelt auch nicht mehr unnötig hoch/runter.


    Beim Liftpimpel hatte ich bis zum Ende des Zusammenbaus ein gutes Gefühl. Dennoch habe ich vergessen das längliche Metallblech (Im Anhang) vergessen auf den entsprechenden Stift zu setzen und zu sichern - Und ab dann ging das Gefluche los.. ^^ Da das Ding komplett wackelig drin lag, hab ich es komplett raus genommen und nun habe ich keinen Plan wie sich das Blech wieder reingehört? Welchen Sinn hat das Teil überhaupt, sieht so aus als läge es am anderen Ende lose in der Luft?


    Was mich dann noch mehr beunruhigt hat war, dass sich beim hochheben des Plattenspielers ein Teil bewegte. Nach etwas rütteln fiel dann eine doppelseitige Nadel heraus (Ebenfalls im Anhang). Hier hab ich absolut gar keine Ahnung wo das Teil hingehören soll?


    Beste Grüße


    Marcel

  • Dennoch habe ich vergessen das längliche Metallblech (Im Anhang) vergessen auf den entsprechenden Stift zu setzen und zu sichern

    Erst mal gerade biegen und dann einbauen. Die ist für das Abschalten wichtig.

    Nach etwas rütteln fiel dann eine doppelseitige Nadel heraus

    Gut, dass es nicht verloren ging! Das Teil gehört unter obige Schiene in der weißen

    Plastikaufnahme, wo auch die Schiene durchgeführt wird.


    LG, Micha

  • Hi Marcel !

    Da das Ding komplett wackelig drin lag, hab ich es komplett raus genommen und nun habe ich keinen Plan wie sich das Blech wieder reingehört? Welchen Sinn hat das Teil überhaupt, sieht so aus als läge es am anderen Ende lose in der Luft?

    Darf ich vorstellen: Die Abstellschiene.


    Sie liegt bei den Duals mit der eingewalzten Wölbung auf einer 4mm Stahlkugel und damit in einem Schlitz im Chassis.

    Das Ende mit dem Loch ist auf der sich mit dem Tonarm drehenden Armsegment mit einer Kunststoffscheibe und einer Idealscheibe ("Sprengring") gesichert. Das pfeilförmige Ende tickt am Kurvenrad gegen ein Blech, was dann die Abschaltung einleitet.


    Sie ist in Deinem Bild 4 von 8 zu sehen, wo sie so auf "10 Uhr" vom Armsegment weggeht.


    Da bei den PEs einiges anders ist, könnte ich mir vorstellen, daß dieses kleine Nadelrädchen in den Halter kommt, der rechts unten im Bild 5 von 8 zu sehen ist. Das weiße Ding mit der Schlitzschraube oben drauf.


    http://www.hifi-archiv.info/PE/2014s/20.jpg


    Pos. 36 - scheint meine Annahme zu bestätigen.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Hallo Micha, Hallo Peter,


    ihr seid ja echt auf zack, vielen Dank für die schnellen, hilfreichen und ausführlichen Antworten :) Macht Spaß mit Learning-by-doing zu verstehen, welchen Zweck die Einzelteile mit sich bringen (und v.a. auch zu wissen dass ich das gute Stück noch nicht komplett geschrottet habe ^^).


    Jetzt kommt Licht ins dunkle. D.h. ich schraube den weißen Plastikhalter raus, führe das Nadelrädchen ein, schraub den Plastikhalter samt Nadelrädchen wieder rein und schiebe dann das pfeilförmige Ende des länglichen Bleches (Abschalters) vorsichtig über das Nadelrädchen.

    Sollte das richtig sein, probier ich morgen nochmals mein Glück. Ansonsten dürft ihr meine Annahme gerne vergessen.


    Schönen Abend noch und beste Grüße


    Marcel

  • länglichen Bleches (Abschalters) vorsichtig über das Nadelrädchen.

    Sollte das richtig sein, probier ich morgen nochmals mein Glück. Ansonsten dürft ihr meine Annahme gerne vergessen.

    kommt hin, aber achte peinlich genau drauf, dass das Nadelrädchen wirklich drin sitzt und die Schiene sauber drüber läuft, sonst verklemmt sie ggf die kpl Mechanik..... glaub mir ist nicht schön :whistling:^^

    VG

    Kai







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  • ich schraube den weißen Plastikhalter raus, führe das Nadelrädchen ein, schraub den Plastikhalter samt Nadelrädchen wieder rein und schiebe dann das pfeilförmige Ende des länglichen Bleches (Abschalters) vorsichtig über das Nadelrädchen.

    Das flutsch gern wieder raus. Wenn es im Halter richtig liegt, fixiere ich das mit

    z. B. einem Stück Kabelisolation, was leicht zusammengedrückt in den Halter von

    oben passt. Beim Ansetzen der Stange dann etwas hochziehen, dann klappt das

    oft bei den ersten Versuchen.


    LG, Micha

  • So, leider ist mein kleines Projekt nun gescheitert.


    Das Nadelrädchen hab ich zwar mithilfe der Tipps super reinbekommen, dennoch drehte sich der Plattenteller nicht ordentlich oder ruckelte. Also Motor ausgebaut, alles schön geschmiert, wieder eingebaut und es lief immer noch nicht. Hab gesehen dass die Feder am angetriebenen Reibrad ziemlich ausgeleiert war und mir vorgenommen diese demnächst zu erneuern. Da der Tonarm generell nicht mal ansatzweise seine Positionen im positiven Sinne veränderte, hab ich also nochmal den Steuerpimpel unter die Lupe genommen.

    Als ich dann den Tonarm irgendwann mit zunehmender Ungeduld auf die Seite gedrückt hab, ist mir der komplette Tonabnehmer vorne abgebrochen :rolleyes: Nach etlichen Flüchen hab ich das Ding dann in die Ecke gestellt


    Trotzdem nochmal vielen lieben Dank für all die hilfreichen Tipps und eure Unterstützung :) Bei Gelegenheit werde ich mir erneut einen PE zulegen - Genügend Ersatzteile hab ich ja jetzt ^^

    Beste Grüße


    Marcel

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