CS731Q / CS714Q Antiresonator gewaltfrei öffnen

  • Hallo zusammen!


    eigenlich wollte ich meinem "Tuning Antiresonator" (TAR) am 731 nur wegen der angebrachten Skalenteilung und Eigenfrequenzen etwas auf den Zahn fühlen, aber das mußte ich erstmal verschieben.


    Ich stellte nämlich fest, daß mein TAR bei manchen Einstellungen nicht mehr "wackelt wie ein Pudding", wenn ich ihn antippte, sondern nur sich nur noch sehr stark bedämpft anfühlte. Das war ungewöhnlich, denn das "puddingmäßige" Wackeln funktionierte vor gut einem Jahr noch einwandfrei. Siehe dazu auch den alten Thread Tuningantiresonator am 731 öffnen


    Hier mußte in der Zwischenzeit also etwas passiert sein. War auch, wie sich etwas später herausstellen sollte.




    Im Folgenden geht es also darum, den TAR ohne rohe Gewalt zu öffnen und zu reinigen, damit er seine Funktion wieder (richtig) erfüllen kann. Wer sich zu dieser Operation entscheidet sollte im Hinterkopf behalten, daß hierbei wirklich alles am berühmten "seidenen Faden" hängt. In unserem Fall sind es etwa 33 Gramm Blei an einer nur 0,08 mm dünnen und zwischen 5 und 7 mm breiten Blattfeder. Vorsichtiges hantieren ist also angesagt und alles weitere geschieht wie immer auf eigene Gefahr! Eltern haften für ihre Kinder.




    Doch wie öffnet man nun den TAR ohne etwas kaputt zu machen? Natürlich ist das Öffnen ganz einfach. Man benötigt dazu nur einen kleinen flachen Feinmechaniker-Schraubendreher und eine Nähnadel.




    Das Auseinanderbauen beginnt damit, daß man zunächst den TAR in die Transportstellung bringt (!) und die im Bild gekennzeichete kleine Nase am Alurohr etwas nach außen biegt, damit dieser Haken aus Plast im inneren des Rohres gleich durchpasst. Das ist mehr oder weniger die größte Hürde, die man nehmen muß, da man beim Hantieren schnell abrutschen und sich in die Hand stechen kann. Also Vorsicht. Ist das geschehen, dreht man den Ring mit der "Tuning Antiresonator" Aufschrift einige Umdrehungen im Uhrzeigersinn. Danach kann man das Alu-Röhrchen einfach von der Achse abziehen.



    Im nächsten Schritt sticht man mit der Nähnadel in die eine Öffnung auf der Stirnseite des "Balance-Ringes" und hebelt dieses kleine glänzende Metallteil radial von der Achse weg. Wer genau hinguckt sieht, daß dieses Metallteil ein extra gebohrtes Löchlein für unsere Nadel besitzt...



    Der Ring springt dann von selbst etwas auf der Achse nach vorn und man kann ihn, die kleine Scheibe mit dem roten Zeiger und eine kleine Feder abnehmen. In der aushilfsmäßigen Explosionsdarstellung sieht das Ganze bis jetzt folgendermaßen aus:



    Spätestens jetzt kommt der kleine flache Feinmechaniker-Schraubendreher zum Einsatz, denn nun muß die hintere Schutzkappe des TAR entfernt werden. Sie ist leicht mit Klebstoff am Plastgehäuse befestigt, kann bei der Demontage also evt. etwas "widerspenstig" sein. Am Schluß müssen wir noch diesen im Bild sichtbaren Sicherungsring aus der Nut auf der Achse hebeln. Das geht - entgegen der Erwartung - viel einfacher als das Entfernen der Schutzkappe eben.



    Ist das vollbracht, braucht man nur noch die Achse festhalten und am Plastgehäuse drehen. Der eigentliche Resonator rutscht dann alsbald hinten raus. Auch hier wieder eine aushilfsmäßige Explosionsdarstellung.



    Eigentlich ist so ein TAR ja wartungsfrei, doch der direkte Vergleich von Transport- und Arbeitsstellung zeigte sofort wo es klemmt:



    Ein kleines Plastikteil klebte regelrecht am Bleigewicht fest und behinderte damit dessen Bewegung. Nun war also nochmals eine "gezielte Sprengung" nötig... :-)



    Deutlich sieht man die "komischen" Ablagerungen am Bleigewicht und an der mit gummiähnlichen Material versehenen Lippe an der Stirnseite des Röhrchens. Das kleine Teil im Hintergrund sah natürlich genauso aus.


    Ich nehme an, es handelte sich dabei um irgendwelche klebrigen Zersetzungsprodukte der Gummibeschichtung (Weichmacher) - TAR-Pilz (analog zum "Glaspilz" im Fotographie-Thread) wird es ja wohl nicht gewesen sein. :rolleyes: Gereinigt hab ich beide mit Alkohol und Wattestäbchen, das Gewicht mit einem Glashaarstift.



    Sodele, der Zusammenbau des TAR verläuft ganz normal rückwärts ab. Man kann dabei fast nichts falschmachen. Alle Teile passen gewaltlos nur so wie sie wirklich zusammengehören zusammen und man braucht auch keine Angst zu haben etwas zu dejustieren. Wer nicht an der Feder rumbiegt (die selbstredend aus Federstahl ist), hat am Ende wieder einen voll funktionsfähigen TAR in der Hand, der wieder wackelt wie ein Pudding.



    Am Schluß Händewaschen nicht vergessen, Blei ist nach wie vor sehr ungesund.




    bfn hevo


    EDIT: Masse des Bleigewichts am Ende der Feder auf 33 Gramm geändert. Insgesamt wiegt der TAR knapp 59 Gramm.

    Die junge Generation hat doch noch Respekt vor dem Alter, hauptsächlich beim Wein, Whisky und den Plattenspielern.:D

    Einmal editiert, zuletzt von hevo ()

  • Hallo,


    im Namen des Forums danke für die ausführliche und fachlich gute Darstellung (ich hatte das Problem vor ein paar Jahren auch schon mal und musste das ganze Ding zerlegen).


    PS: Beim 741 Q wird mögliches unkontrolliertes Nachschwingen durch ein kammartiges Teil verhindert, das in eine Silikonflüssigkeit getaucht ist.


    Gruss
    Norbert

  • Zitat

    von Hevo
    Ich nehme an, es handelte sich dabei um irgendwelche klebrigen Zersetzungsprodukte der Gummibeschichtung (Weichmacher) - TAR-Pilz (analog zum "Glaspilz" im Fotographie-Thread) wird es ja wohl nicht gewesen sein.


    Und dabei keine Bedenken das sich die Parameter des Anti-Resonators geändert haben??? ?(
    Und alle Einstellparameter damit falsch sind???


    Fragt ein immernoch bezüglich der zuverlässigen Funktionsweise hoch skeptischer tomtom. ;)


    Grüsse, Thomas

    „back to the roots“

  • Hallo


    Zitat

    Original von tomtom


    Und dabei keine Bedenken das sich die Parameter des Anti-Resonators geändert haben??? ?(
    Und alle Einstellparameter damit falsch sind???


    Nein - erstmal habe ich diesbezüglich keine Bedenken.


    Es ist auf den Bildern gut zu sehen, daß in Betriebsstellung keine Verbindung zwischen den Lippen und dem Bleigewicht besteht. Das Gewicht kann und soll ja im Gegentakt an der Blattfeder schwingen, wenn es durch die untere Tonarmresonanzfrequenz angeregt wird. Das ist der gewünschte Effekt. Dieses gummiartige Material an den Lippen sorgt dabei für die notwendige und ausreichende Dämpfung der Schwingung. Ausreichend deshalb, weil die Amplituden der Tonarmresonanz (vorn am Abtastsystem vielleicht sichtbar ~1mm) ja untersetzt im TAR ankommen. Mit etwas Resonanzüberhöhung wird daraus im TAR vielleicht wieder eine Amplitude von 1mm. Ich weiß es im Moment aber nicht.


    Platz zum schwingen ist jedenfalls genug. Je nach Einstellung sinkt das Gegengewicht im TAR bis zu 6mm herab, was dann rein überschlagsmäßig einer Eigenfrequenz von etwa 6,4 Hz entspricht.


    c = F / delta L
    c = 0,033kg * 9,81ms-²/ 0,006m
    c ~ 54 N/m


    f = sqr(c/m) / 2*pi
    f = sqr(54Nm / 0,033kg) / 6,28
    f~ 6,4 Hz


    Die tiefste Frequenz ist aber auf jeden Fall geringer, da die Abmessungen des Schwingsytems insgesamt nur wenige Millimeter betragen und man daher das Bleigewicht nicht mehr nur als reine Punktmasse betrachten kann.



    Soweit meine bisherige TAR-Theorie, die ich bei Gelegenheit mit der Videokamera überprüfen werde.


    Dabei muß man ja nur die Schutzkappe abnehmen, das Gegengewicht antippen und die Anzahl der Bilder für eine oder mehrere Schwingungen des Gegengewichts bei verschiedenen Einstellungen abzählen. Ich gehe aber davon aus, daß es Differenzen zur Skalenteilung gibt - und die werden bei jedem TAR etwas anders sein.


    bfn hevo

    Die junge Generation hat doch noch Respekt vor dem Alter, hauptsächlich beim Wein, Whisky und den Plattenspielern.:D

    Einmal editiert, zuletzt von hevo ()

  • Es löst sich lediglich der Kleber der Beschichtung. Man kann die Beschichtung abziehen, die Klebereste leicht entfernen und mit einem Tropfen Sekundenkleber wieder befestigen. Man kann den oberen Teil der Dichtlippe aus dem Röhrchen ziehen - sollte dabei aber aufpassen, das die sehr kleine Feder verloren geht. Ich habe diese ebenfalls in der Nut mit einem Töpfchen Sekundenkleber fixiert.


    Vielen Dank für Dokumentation - ich hätte den Resonator sonst nicht geöffnet!


    VG


    Benne

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