Beiträge von CS 728Q

    Ich möchte einmal als Hörer von Systemen mit line-contact-Nadeln auf Andreas posts antworten - und hoffe, dass er meine Ausführungen genauso ruhig liest, wie ich seine. Tatsächlich liegen wir beide auch nicht überall auseinander. Fangen wir mal an:

    Ich möchte noch nicht einmal behaupten, daß es keine feinen Unterschiede geben wird und das einige Leute diese auch hören würden - ich jedenfalls nehme sie nur selten wahr und dann ist bei jedem Unterschied auch noch die Frage, ob der Unterschied nun wirklich eine Verbesserung, nur eine Veränderung oder wohlmöglich sogar eine Verschlechterung ist...

    Das ist doch eine Formulierung, mit der alle Seiten gut leben können. Ich würde niemandem irgendein System aufschwatzen wollen, dessen Klang er/sie gar nicht hören möchte. Ein schönes Beispiel: Ein AT150Sa ist ein System, das nicht nur mit 379,- € aktuellem Verkaufspreis bei Thakker ein paar Taler kostet - es hat auch eine recht feine Shibatanadel und einen von AT hoch gepriesenen Generator. Trotzdem könnte ich wetten, dass Dir das System nicht gefällt, weil es tatsächlich einen Hang zum Sezieren der Musik hat. Einige AT-Fans werden diese detailverliebte Wiedergabe lieben. Wenn jemand wie ich dieses System so betreiben will, dass es nicht nach einer halben Stunde lästig klingt, sind eine Menge Verrenkungen mit Kapazitätsanpassung und einem entsprechenden Vorverstärker nötig. Da haben nicht alle Lust drauf, das wollen sicher nur wenige ausprobieren und es gibt sicher Viele, die sagen: Da ist mir schlicht ein anderes - mutmaßlich günstigeres System lieber. Und genau das ist zu akzeptieren. Dafür haben wir halt alle einen unterschiedlichen Geschmack.

    Jetzt sind wir aber bei dem Punkt, der auch mit dem "Schallplattenklang" zu tun hat.

    Als Prämisse möchte ich hier jetzt in den Raum stellen, daß "Schallplatte" KEINE perfekte Musikspeichermethode ist (gibt es die überhaupt?).


    Und es gibt eben zwei Arten von Hörern, nämlich einmal die, die Schallplatte hören wollen und die, die ständig ein Optimum anstreben (und immer auf der Suche sein werden, da es immer etwas zu verbessern gibt).


    Zweitgenannte wären somit mit einen digitalen Medium besser beraten - die können dann ja noch zig verschiedene Wandler, Kabel, Stecker, etc. ausprobieren und ihre Grundtendenz "Unzufriedenheit" auch so ausleben. Tut ja keinem weh.

    Hier ging es auch um den Unterschied zwischen Rundadel und einem line-contact-Schliff. Und das möchte ich so nicht sehen. Ja - ich freue mich daran, wenn ich ein setup finde, das prima klingt. Da habe ich einige: Ein AT150 Sa, wie oben beschrieben (eher eine Diva ...), ein herrlich rund klingendes ELAC 796, ein wunderbar seidig klingendes Goldring Elite II (MC), ein ebenso wundervolles Ortofon MC20 super und - jetzt geht's in Deine Richtung: Ein Shure V15 V. Würde ich jetzt nach absoluter Perfektion streben, dürfte ich nur eines - das nach meinen Ohren Beste von diesen - ständig hören. Den Rest müsste ich verkaufen. So sehe ich das aber nicht: Jedes dieser Systeme klingt etwas anders und jedes davon macht mir Freude. Viele dieser Systeme habe ich aus finanziellen Gründen gebraucht gekauft. Mir schneit das Geld leider auch nicht zum Giebel rein. Und Du hast Recht, wenn Du sagst: teuer ist nicht zwingend gleich besser. Stimmt. Das würde ich unterschreiben. Aber zu den Systemen mit den hochwertigen Nadeln schreibst Du dann:

    "Schnellere" Verrundungen haben natürlich eine bessere "Sprungantwort" (Flankensteilheit), was den Klang dann präziser macht (aber auch "rauher"..).


    Wenn ich hier wieder frei assoziiere, komme ich auf "präzise", "fein", "hochauflösend",.. aber schlußendlich komme ich auf "abgehackt"!

    Und genau das sehe ich anders. Es gibt sicher auch solche Systeme, bei denen der Einsatz solcher Nadeln zu dem von Dir beschriebenen Klang führt - aber es gibt auch ganz andere. Nadeln mit scharfen Schliffen einzusetzen heißt nicht, dass diese den Musikfluss kaputt machen oder dass die Musik damit abgehackt klingt. Ich kenne einige solcher Systeme, bei denen ich beim Hören klassischer Musik zuweilen Gänsehaut bekomme, weil es so wunderbar fließend, rund, wunderschön und weit klingt. Deshalb höre ich weiterhin meine Platten gern mit meinen Plattenspielern, bin gerne weiter analog unterwegs und höre eben nur wenig über das Medium CD.


    Ich habe hier auch schon das eine oder andere mal geschrieben, dass ich gern einmal Neues ausprobiere: Ein neues System, einen neuen Vorverstärker oder etwas anderes. Ich tue das aber nicht, weil ich grundsätzlih unzufrieden bin, sondern weil ich neugierig darauf bin, wie das Neue klingt - und ich empfinde Neugier auf Neues im Leben als etwas durchaus Positives.


    Trotzdem, @ Andreas: Ich erkenne deine Expertise als Nadelhändler, als langjähriger Praktiker und als Kenner der Materie an. Ohne wenn und aber. Darüber hinaus bist Du seit ewig und drei Tagen Schallplattenhörer und Du hast - gerade durch deinen Beruf - eine unendliche Auswahl an Möglichkeiten. Wenn Du in diesem Meer an Möglichkeiten zu einer anderen Einsicht hinsichtlich des Sinns oder Unsinns von Tonabnehmern gekommen bist als ich oder andere - dann ist das so. Wenn Dir da etwas anderes gefällt als mir - dann sollten wir das nebeneinander stehen lassen können. Weder das eine noch das andere ist besser oder schlechter - das ist schlicht gelebte Toleranz.

    Aus einem Nachbarforum habe ich gelernt, daß der MR-Schliff der plattenschoneste sein soll!?

    Andererseits heißt es, daß gerade die SAS-Nadel wegen ihrer Schärfe exakt im Überhang

    eingestellt sein muß, sonst zerstört sie die Platten mit ihrer "Scharfkantigkeit".

    Der SAS-Schliff soll dem MR-Schliff sehr, sehr ähnlich sein. Insofern wundert mich diese Darstellung. Vielleicht kann Lini mehr dazu sagen.

    Dann oute ich mich 'mal als "Verschwörungstheoretiker" - "High-Ender" ohne jeglichen technischen Sachverstand. Und blond bin ich auch noch.

    Ich bin bei Dir ... sogar bei der Haarfarbe 8)


    Wenn es wirklich so wäre, dass der Generator absolut keinen Einfluss hätte, gäbe es auch keine Systeme mit heraushörbaren Herstellereigenschaften: Dann wären die Zuschreibungen, dass Ortofon zumeist neutral, AT eher hell und Grado eher sehr warm klingt, allesamt Märchen, Mythen und Legenden.


    Bevor Andreas mich jetzt mit toten Systemen bewirft: Ich gebe ihm insoweit Recht, als mit absoluter Sicherheit die Nadel den entscheidenden Unterschied macht - egal bei welchem Hersteller. Und noch etwas um Andreas Blutdruck in Grenzen zu halten: Wie man sehr schön am AT VM95xx sieht, kann auch ein System mit einem spuckebilligen Generator ganz ausgezeichnet klingen.

    Ralph, ist der Generator so viel besser als der des TKS 380/90 oder eines ML140?

    Genau genommen fragst Du ja lediglich nach dem Generator und nicht nach dem Gesamtsystem: Da muss ich passen. Ich kann Dir nur mit Bestimmtheit sagen, dass die Generatoren unterschiedlich sind (Induktivität der Spulen beim ML 140 HE: 360 mH, Induktivität beim Ultra 500: 330 mH). Ob sie auch wahrnehmbar unterschiedlch klingen, vermag ich nicht zu sagen.


    Das ML 140 gehört ebenfalls mit zum Feinsten aus dem Hause Shure. Die Nadel ist hyperelliptisch - und ich weiß vom Shure V15 IV wie toll die klingen kann. Ich habe die ML 140HE noch nie im direkten Vergleich gegen ein V15 V MR oder gegen ein Ultra 500 gehört. Insofern kann ich Dir nicht sagen, wie groß da die Unterschiede sind.


    Preislich unterschieden die sich damals schon deutlich: Das ML 140 HE kostete damals rund 500,- DM, das Ultra 500 kostete fast das Dreifache: Dafür musstest du immerhin 1450,- DM auf den Tisch legen - und das war im Produktionszeitraum von 1986 bis 1989 schon ein kleines Vermögen.


    Aber wie auch immer: Das ML 140 HE wurde 1984 in der Stereo immerhin in der Spitzenklasse verortet - und das will etwas heißen.

    Ein Shure Ultra 500 ist so ziemlich das beste MM, das Du Dir denken kannst. Das war Shure's letzter Versuch, sich noch einmal mit einem ultimativen Tonabnehmer gegen die CD zu stemmen. Ein Traum von einem Tonabnehmer. Ich habe schon so manches Mal gezuckt, wenn ein Ultra 500 angeboten wurde, aber die Dinger sind einfach sündhaft teuer.


    Du bekommst sogar noch Jico-Ersatznadeln dafür, da die VN 5-MR für ein V15 V MR auch auf das Ultra 500 passt:

    https://mrstylus.com/produkt/s…n-5-mr-sas-on-boron-jico/

    Für weitere 268,- € ist so eine Deine ... Dann hast Du für rund 1150,- € einen absoluten High-End-Tonabnehmer. Überlegs Dir ...

    Ich darf einmal auf folgender threads verweisen:



    SydB

    Klar, ein vollautomatischer CS 751Q, mit masseloser Auflagekraft, höhenverstellbaren Tonarm mit Tuning-Antiresonator und Subchassis, modular mit steckbarer Frontbedienung als Sonderausstattung in metallic-silber, braun-metallic, satin-metallic, schwarz gebürstet und achat schwarz, das wäre schon sensationell

    Du sagst es, das wäre sensationell, insbesondere wenn das Modell einen Alfred'schen Direktantrieb hätte und wenn es durch den Tonarm des 750 oder 750-1 geschmückt würde - weiterentwickelt zu einem höhenverstellbaren Prachtstück. Das wär's. Dann noch unter drei Kilo-Euro und ich würde ihn glatt kaufen - den würde ich sogar subscribieren und im Voraus bezahlen.

    An einen CS 629Q oder CS 729Q als Topmodell mit Vollautomatik glaube ich aber eher nicht, den ersten Bildern nach zu urteilen fehlt mir die Fantasie wie sich das Kurvenrad vom 429 mit dem Direktantrieb koppeln ließe.

    Wenn ich Alfred richtig verstanden habe, wird es so ein Gerät auch nicht geben. Das hat er m.E. nach hier bereits klargestellt.