Dual 1209 in HS50 ungesichert erhalten - Maßnahmen vor Gebrauch?

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    • Dual 1209 in HS50 ungesichert erhalten - Maßnahmen vor Gebrauch?

      Hallo,

      Ich bin ein totaler Neuling und habe kürzlich einen Dual 1209 in einem HS50 Verstärker für ein Frühstück erhalten. Der Spieler stand ungenutzt für längere Zeit trocken und sicher in der Wohnung eines Bekannten.
      Leider wurde der Dreher vorher nicht fixiert und polterte somit während des Transportes hin und her. Ich habe den Spieler vorsichtig angeschlossen und ausprobiert: Bis auf die Startautomatik - was mir bereits mitgeteilt wurde - funktioniert alles einwandfrei, lediglich die Abnehmernadel (Shure MB 71) ist verbogen und die Kanäle scheinen nicht gleichmäßig balanciert zu sein.
      Ich habe zunächst das Gewicht des Tonarmes neu justiert und das Antiskating korrigiert (stand auf 4p elleptisch, habe es auf 2p sphärisch gesetzt, nachdem ich die technischen Daten gegooglet habe und mir das Benutzerhandbuch besorgt habe).

      zu meinen Fragen:

      1) Ich würde gerne einen neuen Abnehmer erwerben und frage mich nun, ob ich den Shure MB 71 ersetzen soll, bzw. ob es (bessere) Alternativen gibt für den 1209er? Was würdet ihr empfehlen? Und wo kann man solche Nadeln erwerben (ich habe gelesen, dass den nachgebauten Nadeln vielerorts skeptisch gegenüber gestanden wird)?

      2) Wie groß ist der Aufwand um die Startautomatik zu reparieren, bzw. wo kann ich nachlesen wie das eingestellt wird?

      3) Da sich der Spieler soweit als funktionstüchtig erweist und bis auf die Startautomatik keine Komplikationen erkennbar sind, sollte ich nach eurer Meinung weitere Wartungsmaßnahmen in Erwägung ziehen oder Kontrollen, um Transportfolgeschäden auszuschließen oder allgemein die Langlebigkeit des Spielers zu erhöhen? Und falls ja, wie gehe ich hier vor, was lohnt es sich zu überprüfen? Ich bin wiegesagt Neuling und habe mich nie mit Plattenspielern auseinandergesetzt.

      4) Könnt ihr mir erklären, wozu diese kleine Stange rechts (im Bild markiert) da ist?


      Ich freue mich sehr auf eure Antworten und bin begeistert, dass sich die Dual-Plattenspieler dieser immensen Beliebtheit erfreuen und hier diese rege Forentätigkeit anzutreffen ist!

      Viele Grüße, Toni


      bilder-upload.eu/bild-d72514-1539292639.jpg.html

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Tonum ()

    • Oh,
      ich glaube du musst erst einmal die Bedienungsanleitung lesen.
      Es gibt keine Auflagekrafteinstellung getrennt für elliptische und runde Nadeln.
      Du hast am Antiskating gedreht. Die AK Einstellung ist (von Vorne) recht am Tonarm.
      Der muss aber erst mal ausbalanciert werden.
      AK auf Null stellen (AS auch) und dann das Gegengewicht solange hin und her drehen bis
      der Tonarm waagerecht schwebt ! Dann ist er so zu sagen "geeicht" und dann kann man
      mit dem Rädchen am Tonarm die Auflagekraft einstellen.

      Ulli
    • Hi totaler Neuling Toni !

      Willkommen im Land der etwas seltsamen Dualisten und in ihrer bunten Wunderwelt.

      Tonum schrieb:

      2) Wie groß ist der Aufwand um die Startautomatik zu reparieren, bzw. wo kann ich nachlesen wie das eingestellt wird?

      Wenn das Gerät lange gestanden hat, ist die Mechanik einigermaßen tiefgehend verharzt und verklebt. Da ist es erstaunlich, wenn sich daran überhaupt noch was rührt. Wenn was klemmt: nicht dran rumhebeln - das gibt Bruch !
      Insbesondere bei der Geschwindigkeits-Umschaltung und am Start/Stop-Hebel.

      Das ist etwas zeitaufwendig, wenn man es noch nie gemacht hat. Die Profis hier im Board brauchen dazu zwei bis drei Stunden an einem Nachmittag, mit zwei Tassen Kaffee und einem Stück Kuchen zwischendurch. Wenn man den Motor auch noch zerlegen muß, kann es was länger dauern, weil der je nach Ausführung vernietete Lagerschalen hat, die man aufbohren muß und nachher mit passenden kleinen Schrauben und Muttern wieder verschließen.
      Die eigentliche Mechanik hat nur eine wirkliche "Engstelle" und das ist die sogenannte Rillenachse, wo die Starthebel und die Schwenkarme für Motorschalter und den Schwenkmechanismus für das Reibrad zusammenlaufen. Wenn die richtig gut durchgehärtet verklebt ist, braucht man dafür allein eine Stunde, ein Heißluftgebläse, Caramba oder WD40 und ungezählte Flüche.

      Wenn Du das nicht selber machen willst oder kannst: in welcher Region bist Du beheimatet ?
      Die Forianer sind weit verstreut und manche mögen auch gerne helfen. Dazu müssen sie wissen, wo das räumlich-geografisch ist.

      Tonum schrieb:

      1) Ich würde gerne einen neuen Abnehmer erwerben und frage mich nun, ob ich den Shure MB 71 ersetzen soll, bzw. ob es (bessere) Alternativen gibt für den 1209er? Was würdet ihr empfehlen? Und wo kann man solche Nadeln erwerben (ich habe gelesen, dass den nachgebauten Nadeln vielerorts skeptisch gegenüber gestanden wird)?
      Das würde ich *nicht*.

      Das M71 ist zwar ein etwas rauhbeiniger Geselle, aber es hat den schönen Vintage-Sound, den alle immer suchen. Für das System gibt es bei Cleorec einen guten Ersatz für die beige Rundnadel. Costa fast garnix und macht einen Bombensound - gerade mit alten Scheiben Rock und Pop bis in die Achtziger. Die Nadeln für's M71 und M75 sind identisch.

      ebay.de/i/390134997538?chn=ps

      Da: die isses. Wird portofrei für kleines Geld verschickt.

      Die HS50 ist - bei allem Respekt und so gerne ich die kleinen Radauwürfel auch mag - nicht gerade ein Leistungswunder mit 2 x 9 Watt Sinus an 4 Ohm. Und die Kombination 1209 mit dem Grundgerüst der HS50 ist schön zum unbeschwerten Musikhören, aber ehrlich nichts, was es rechtfertigt, einen Haufen Geld in ein neues / anderes System zu stecken. Das M71 ist dafür ideal, vertrau' mir. Die Vorzüge eines besseren / feineren / teureren Systems kommen nicht wirklich zum tragen, das gibt das Konzept der HS50 nicht her. Das ist kein High-End. Das ist Alltags-Stereo.

      Tonum schrieb:

      3) Da sich der Spieler soweit als funktionstüchtig erweist und bis auf die Startautomatik keine Komplikationen erkennbar sind, sollte ich nach eurer Meinung weitere Wartungsmaßnahmen in Erwägung ziehen oder Kontrollen, um Transportfolgeschäden auszuschließen oder allgemein die Langlebigkeit des Spielers zu erhöhen? Und falls ja, wie gehe ich hier vor, was lohnt es sich zu überprüfen
      Bei der Mechanik ist eine Grundwartung nach längerem Nicht-Benutzen eigentlich immer nötig.
      Indiz ist die Automatik. Wenn die nicht richtig geht *braucht* das Gerät eine Wartung. Das ist sein "Schrei nach Liebe". Echt.

      Aber auch die Elektronik hat ihre Tücken und nach fast 50 Jahren haben sich die einen oder anderen Defekte eingeschlichen - das ist leider so und obwohl die Dinger schon mehr Jahre überlebt haben, wie eigentlich kalkuliert war, muß man sich einige Sachen angucken. Dazu zählen die Kondensatoren von Netzteil und Verstärkerplatine. Auch darüber lachen die Profis - und die Neulinge gucken ratlos. Die elektrische Durchsicht dauert bei dem noch etwas verschachtelt aufgebauten Verstärker der HS50 auch rund einen halben Tag. Dafür ist nicht viel dran. Der Materialaufwand möchte sich so in der Größenordnung von 15 bis 20 Euro bewegen. Auf den ersten Blick in die Service-Anleitung hätte ich als Tauschkandidaten zehn Elkos. Fünf dickere und fünf kleinere. Meistens war es das dann und die Kiste kann die nächsten 50 Jahre laufen ... später dann mit Ökostrom aus Windrädern und Biogas-Anlagen ...

      Tonum schrieb:

      4) Könnt ihr mir erklären, wozu diese kleine Stange rechts (im Bild markiert) da ist?
      Das ist die AW3 Wechselachse mit der der 1209 sechs Schallplatten gleicher Größe und Geschwindigkeit hintereinander abspielen kann.

      Man nimmt die kurze Teller-Mitlaufachse raus, steckt die Wechselachse ein, drückt sie etwas gegen einen Federdruck runter und verriegelt sie durch Drehen im Uhrzeigersinn. Dann kann man oben sechs Platten draufpacken und - wenn die Automatik funktioniert - spielt er automatisch die oberen Seiten der Scheiben ab. Am Ende einer Scheibe läßt er die nächste runterplumpsen und ganz am Ende, wenn alle durch sind, schaltet er sich ab. Das ist nix für empfindliche Gemüter und Leute, die Angst um ihre Platten haben. Passiert nix dabei - normalerweise - wirkt aber etwas rustikal. Kinder (und Haustiere) *lieben* das ...

      Das war der "MP3-Player" der 70er ...

      :D
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • Hi Ulli !

      beeblebrox schrieb:

      Es gibt keine Auflagekrafteinstellung getrennt für elliptische und runde Nadeln.
      Du hast am Antiskating gedreht.
      Ich war durch den Syntax auch erst verwirrt, aber nach genauem Lesen meine ich rausgelesen zu haben, daß er den Arm neu balanciert und das Antiskating eingestellt, was auf 4p elliptisch stand.

      So interpretiere ich das jedenfalls.

      ^^ :P
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • Wow, die schnellen Reaktionen zeigen, wie passioniert ihr hier bei der Sache seid. Erstmal vielen Dank für die Antworten.

      Zunächst nochmal zu der Einstellung von AK und AS:
      Ich habe AS und AK auf Null gesetzt, dann den Arm via Drehgewicht ausbalanciert und fixiert. Dann die AK auf 2 Punkte eingestellt (korrekter Wert laut Infos zu dem M 71). Das AS habe ich ebenfalls auf 2 Punkte eingestellt. Vor meiner Justierung stand es bei 4 Punkten auf der SCHWARZEN Skala (laut meines engl. Handbuchs: Skala für elleiptisch geschliffene Nadeln). Ich habe das AS nun auf 2 Punkte der ROTEN Skala eingestellt, denn laut HB ist das die Skala für die sphärisch geschliffenen Nadeln wie den M 71. Ich denke, ich habe also alles richtig eingestellt, so wie von Ulli beschrieben?

      Zu den anderen Anmerkungen:
      Ich wohne im Süden Leipzigs. Ich möchte den Plattenspieler gerne weiter nutzen, ohne Schäden zu provozieren. Riskiere ich denn die verbliebene Funktionalität des Spielers, sofern ich die Automatik nicht nutze? Da ich Student bin und ebensowenig Budget wie Zeit investieren kann, wollte ich nur essentielle und grobe Wartungsarbeiten verrichten, die einem Laien geradeso zuzutrauen sind... Ich habe zwar ein wenig Ahnung von Fahrrädern, doch das Innere eines Plattenspielers mutet mir an wie ein Blick in ein Kaleidoskop.

      Sollte ich den Spieler ersteinmal ausgeschaltet lassen, bis ich mir mehr Zeit dafür nehmen kann?
      Vielleicht könnte ich den Dreher aus der Zarge heben und ein Bild machen von der Mechanik, damit ihr einen Eindruck bekommt?

      Noch ein flüchtiger Gedanke: Ist es möglich, den 1209er via Cinch an den Vorverstärker meiner externen Soundkarte anzuschließen für meinen PC? (nur nen Gedankenspiel - die Wartung ist mir natürlich erstmal wichtiger :) )

      Vielen Dank im Voraus

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tonum ()

    • Tonum schrieb:

      Noch ein flüchtiger Gedanke: Ist es möglich, den 1209er via Cinch an den Vorverstärker meiner externen Soundkarte anzuschließen für meinen PC?
      Hat der Vorverstärker einen Phono-Eingang für Magnetsysteme ?

      Zwei Möglichkeiten, den 1209 an einen externen Eingang anzuschließen :

      1. Über den DIN-Tape-Out der HS - mit einem zwischengeschaltenen Cassettenrecorder / Tonbandgerät mit DIN-Ein und Ausgang.

      2. Vom Unterbrecher im Plattenspieler weg direkt an einen Phono-Vorverstärker für Magnetsysteme und von dort an die Soundkarte vom PC (oder direkt an die Soundkarte, wenn sie einen Phono-Eingang hat, was eher unwahrscheinlich ist).
      Grüße,
      Albert

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      If I'm writing nonsense - simply forget it :whistling:
    • Hi !

      Albert W. schrieb:

      1. Über den DIN-Tape-Out der HS - mit einem zwischengeschaltenen Cassettenrecorder / Tonbandgerät mit DIN-Ein und Ausgang.
      Da reicht im Normalfall ein Adapterkabel, was man sich schlimmstenfalls selber löten müßte, um den DIN-Ausgang auf einen 3.5mm Stereo-Klinkenstecker zu adaptieren. Die Soundkarten haben meistens 47KOhm Eingangswiderstand auf den Eingängen, wenn das nicht dedizierte Mikrofon-Eingänge sind. Damit habe ich vor etlichen Dekaden schon Schallplatten auf dem PC aufgenommen. Die Anpassung ist zwar nicht ideal, aber es sollte funktionieren.

      Auf der "Band" DIN-Buchse sind das die Pins 1 (Links), 4 (Rechts) und 3 (Masse), wo dann ein Kabel mit einem 3.5mm-Klinkenstecker dran müßte.


      Tonum schrieb:

      Ich wohne im Süden Leipzigs. Ich möchte den Plattenspieler gerne weiter nutzen, ohne Schäden zu provozieren. Riskiere ich denn die verbliebene Funktionalität des Spielers, sofern ich die Automatik nicht nutze?
      Um es mit Radio Eriwan zu sagen: "Im Prinzip nicht, aber ..."

      Die Automatik bedient auch die Abschaltfunktion und das Rückführen des Arms am Plattenende. Die Drehzahlverstellung, die verklebt und eingeschränkt funktionsfähig sein kann, wird ja auch benutzt. Und ein Großteil der "manuellen" Bedienung setzt auf den gleichen Bauteilen auf, wie die Aufsetz- und Wechselautomatik. Insofern wäre zumindest eine teilweise Wartung schon nötig. Insbesondere um den Bereich "Rillenachse" und Drehzahl-Einstellung / Reibradträger und -Schwenkmechanismus.

      Du wohnst - aus meiner Sicht - fast auf einem anderen Kontinent ... aber das tun rund 95% der Mit-Forianer, weil ich im ländlichen Abseits wohne, sonst hätte ich Dir angeboten, mal mit dem ganzen Ding vorbeizukommen. Bis auf einen Ersatz für den dicken Hauptkondensator der Stromversorgung habe ich praktisch alles in meiner Bastelbude im Lager. Ich mache sowas öfters, da legt man sich einen Bestand zu. Bei 60qm voller Dualkram und (geschätzt) 70 Drehern ist das zu erwarten ...

      :D
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • Tonum schrieb:

      Riskiere ich denn die verbliebene Funktionalität des Spielers, sofern ich die Automatik nicht nutze?
      Hi,
      gratuliere zum robusten Dual 1209! Einer der tollsten Dreher von Dual! Ich habe neulich festgestellt, daß der 1209 bei 2 verschiedenen Freunden und einem Boardler, der kürzlich davon berichtet hat, einfach ohne Wartung wieder in Gang gesetzt wurde und einfach durch Bewegung und Nutzung die Automatik und der Antrieb nach ein paar Platten wieder gut liefen und dann monate- und jahrelang seitdem trotz fehlnder Wartung keinerlei Probleme oder Geräusche auftauchen. Bei allen meinen eigenen Reibradlern (1219/1218,1228,1225, 1019x2) mußte ich lediglich den Motor schmieren und warten lassen und nun laufen alle fehlerfrei seit Jahren/Monaten.
      Manchmal reicht es einfach, das Ding zu benutzen, scheints, allerdings ohne Gewähr, vielleicht reicht das nur für die nächsten paar Jahre...ich wollte nur daraufhinweisen, daß man nicht unbedingt alles auseinandernehmen und warten muß, um ggf. im Einzelfall einen störungsfreien Betrieb zu haben, aber Wartung ist halt sicherer.
      Viele Grüße
      :)
      Du sollst Deinen Dualdreher lieben und ehren und keine anderen Marken anbeten und sollst kein falsches Zeugnis ablegen über Deinen Dualdreher und keinen Dualdreher wegwerfen, sondern ihn schmieren, reparieren und geheiligt sein lassen und der Gemeinschaft der Dualisten angehören und Dir sollen alle Sünden, wie z.B. Besitz anderer Marken, vergeben werden, denn Dual ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen! Grüße

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Dergerd ()