Fehlersuche beim 606

  • Moin, Hallo und guten Abend,

    da bin ich schon wieder und damit auch schon der nächste "Problemfall" und da die Hilfestellung hier so hervorragend funktioniert (herzlichen Dank nochmal dafür!), wende ich mich gleich an Euch:

    Heute brachte ein Kollege mir seinen 606er vorbei, der schon längere Zeit ohne Funktion ist.


    Vielleicht kommt das Geschilderte ja dem einen oder anderen bekannt vor. Also, Entstörkondensator wurde getauscht, ansonsten sieht alles optisch auf den ersten Blick ok aus.


    Doch schon nach dem Verbinden mit Netzspannung (Tonarm in Ruheposition) leuchtet die Stroboskoplampe schwach. Führt man den Tonarm zum Teller, erleuchtet die Stroboskoplampe hell, aber der Motor dreht nicht, macht keinen Mux. Nach Rückführen des Tonarms leuchtet die Stroboskoplampe abgeschwächt weiter.

    Ich hab ja erstmal den C55 (gelber Frako 1000yF / 40V) im Netzteil in Verdacht. Leider aber keinen Ersatz vorrätig, muss aber morgen zu Conrad, da könnte ich mich eindecken.

    Was denkt Ihr?


    Grüße

    Rudi

  • Hi Rudi !


    Jupp.

    Vermutlich ist der Hauptkondi im Motorkasten auch über'n Jordan. Passiert in der statistischen Häufung relativ oft.

    Der 606 hat das Standardmotorboard, was alle älteren Geräte mit EDS500 drin haben. Also das mit 4069 CMOS und NE555 Timer-IC.

    Plus den üblichen Roedersteinen und ein paar kleine Tantalis.


    Bei dem Fehlerbild mit der schwach glimmenden Strobolampe würde ich auf einen desolaten Knalli über dem Motor-Hauptschalter tippen, der den ganzen Trafokrempel einschaltet. Oder jemand hat da mal einen größeren als 10nF reingebastelt. Jedenfalls fließt da ein größerer Blindstrom, wie vorgesehen.


    Anbei mal meine Kondi-Einkaufsliste dieses Board betreffend. Vorne Reichelt, hinten Conrad.

    Die mit dem "<" am Ende sind die Elkos, die man bei einem Rundumschlag immer tauschen sollte. Die kleinen Kondis machen meistens keinen Ärger und können bleiben.

    Das CD4069 und das NE555 *könnten* die lagermäßig haben. Würde ich aber nichts drauf verwetten, an dem mir liegt.


    Die Kondis C51 und C52 gibts beim 606 nicht mehr. Der hat eine abgesepeckte Strobo-Version nur noch mit Vorwiderstand, aber ohne strombegrenzende Folienkondis und Kappdiode mit eigenem Vorwiderstand. Da kam der Sparzwang schon zum Zug.



    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Danke, Peter.

    Leider war die Ausbeute bei Conrad nicht sehr hoch. Den 1000er Axial-Elko für den Trafokasten hab ich aber zum Glück noch bekommen.

    Unsere conrad Filiale hier schliesst auch zum 14. November, dann habe ich keine Möglichkeit mehr vor Ort zeitnah schnell noch Kleinteile einzukaufen. I.d.R. bestelle ich die ja bei reichelt mit, aber das lohnt nunmal bei Kleinteilen im Cent-Bereich nicht, da immer noch 5 EUR Versand dazukommen. Und wenn man mal g'schwind was braucht, um weiter zu machen ...:rolleyes:


    Ich werde den dicken Elko heute am späten Abend erstmal tauschen, der sitzt ja direkt am Trafo. Den Knallfrosch im KS4 hatte ich gestern schon gewechselt, am "desolaten Knalli über dem Motor-Hauptschalter" kann es also nicht liegen dass die Strobo-Lampe schon beim Anschliessen ans Spannungsnetz leuchtet. :/


    Grüße

    Rudi

  • Oh ja, Conrad in Mainz schließt. Da gehe ich ja auch immer hin. Schon blöd.


    Zum "Knallfrosch":

    Den habe ich mangels 10nF gegen einen mit 47nF getauscht, funktioniert einwandfrei. Kein "zucken" oder "glimmen" von irgendwas oder irgendwem.


    Für den "Großen" ist es halt blöd, dass man die Platine zuerst mal aus dem Trafokasten rausfummeln muss.

    irgendwas ist immer und man lernt nie aus ...


    Gruß
    Winfried

  • Den Fehler bzgl. des ständig brennenden Stroboskoplämpchens hab ich gefunden. Der Schalter KS4 ist defekt.

    Das Kupferkontaktplättchen mit der Feder hat sich gelöst, die Feder hat keine Wirkung mehr und der Schalter ist somit permanent im "on"

    Hat jemand eine Detailaufnahme des Schalters, damit ich weiß, wie ich das da wieder reinpfriemlen kann? Scheint nichts abgebrochen zu sein. Ich denke dass die Kupferplatte mit der Feder an einem der beiden Enden in die Öffnung des Gegenstücks, wo die Feder befestigt ist, hineingesteckt gehört und das Ganze muss dann in das Gehäuse. Hab aber keine Idee, wie herum usw. :rolleyes::/

    Auf den Detailbildern, die man im Netz findet, verdeckt immer der Knallfrosch den Blick auf die entscheidenden Teile :rolleyes:

  • Ich verzweifle gerade daran, das eine Ende der Feder in das kleine LOCH inmitten des Kupferplättchens zu pfriemeln. Keine Chance.

    Ich fürchte, das krieg ich im Leben nicht mehr da rengepfriemelt, vieeel zu klein.


    Hat jemand zufällig noch ein KS4 übrig ?


    OK, Feder verbogen - Aktion gescheitert. Ich brauch ein neues KS4.

    3 Mal editiert, zuletzt von ledirecteur ()

  • Hi Rudi !


    Normalerweise kann man die Feder ganz gut richten und das wieder passend hinkriegen.

    Ich habe mal zwei Bilder angehängt.



    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • OK, ich habe noch eine Feder gefunden und das KS4 nach stundenlanger Fummelei wieder hinbekommen. :thumbup:

    Den dicken Elko auf der Trafoplatine habe ich ebenfalls ausgetauscht.

    Am Gesamtzustand hat sich aber leider überhaupt nix geändert.

    Netzspannung ein.

    Schalter KS4 Stellung off = Stroboskoplampe leuchtet schwach

    Schalter KS4 mit Kontakt = Stroboskoplampe leuchtet hell.

    Motor dreht immer noch nicht.

    Bin jetzt erstmal mit meinen bescheidenen Kenntnissen am Ende und hab keine Idee mehr.

    Eventuell ist es ein größerer Defekt und ich nehm den 606 als Ersatzteilspender.


    Grüße

    Rudi

    2 Mal editiert, zuletzt von ledirecteur ()

  • Zeigt das Ding auch ohne den Knallfrosch dieses Verhalten?

    Nicht, dass der dir reinpfuscht.

    irgendwas ist immer und man lernt nie aus ...


    Gruß
    Winfried

  • Hi Rudi !

    Schalter KS4 Stellung off = Stroboskoplampe leuchtet schwach

    Schalter KS4 mit Kontakt = Stroboskoplampe leuchtet hell.

    Motor dreht immer noch nicht.

    Bei offenem Schalter sollte die Strobolampe aus sein. Nicht "etwas an". Das ist Blödsinn.

    Aber das ist jetzt erstmal so und da müssen wir später nochmal etwas nachspüren.


    Löte mal die beiden Kabel ab, die von der Trafokiste an die Elektronik vom Motor gehen.

    Die DC-Spannung an den beiden Kabeln muß so um 22V betragen. Im Leerlauf, ohne was angeschlossen, eventuell etwas höher.

    Wenn die Spannung da ist, ist zumindest der Trafo, Gleichrichterdioden und der dicke Elko okay.


    Ist die Spannung nicht da, gibt es ein Problem mit dem Trafo und / oder den Dioden. Glaube ich aber eher nicht, weil das 1A-Dioden sind und der Trafo selbst im Kurzschlußfall den Strom nicht schaffen sollte, um die wegzuhauen.


    Dann ist aber die Motor-Elektronik im Eimer oder angeschlagen.

    Da gibt es die ROE-Kondis. Die müssen auf jeden Fall raus und ersetzt werden. In 8 von 10 Fällen läuft der Motor dann wieder.

    In den anderen 2 Fällen hat es noch mehr zerrissen.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Ja, möglicherweise. Ich war gestern ein wenig gefrustet. Habe ab morgen ein paar Tage Urlaub, da messe ich mal das durch, was Peter empfohlen hat.

    Dann melde ich mich hier wieder.

    Grüße

    Rudi

  • Hier noch ein Foto von der Motorplatine und des Schalters (wegen des Strobosko-Problems) .

    Welches sind denn die bekannten Schwachstellen auf der Motorsteuerungsplatine?

    Der eine der beiden Trimmer (R8 10k) sieht auch nicht mehr so frisch aus und der Wärmeableiter des Transistors ebenso (hat aber möglicherweise nix zu sagen). Eventuell müsste ich hier dann nochmal dran. Aber erstmal messe ich morgen die Spannung am Trafoausgang. Für heute ist Feierabend. :S

  • Hi Rudi !

    Welches sind denn die bekannten Schwachstellen auf der Motorsteuerungsplatine?

    Die beiden weinroten ROE und -häufig- die kleinen blauen und grünen Tantalperlen.


    Die ROE waren mal *die* High-End-Kondis und jeder deutsche Hersteller hat sich darum gerissen, die zu verwenden.

    Leider zerstören die sich im Laufe der Jahre selber. Da gibt es zwei Spielarten: 1. sie verlieren ihre Kapazität und werden hochohmig oder 2. die Chemie zerfrißt ihre internen Folien und sie bilden einen Kurzschluß. Beides nicht, was man von guten Kondis erwartet.


    Die Tantalperlen haben ein ähnliches Problem. Das sind noch Erste Generation mit flüssigem Elektrolyt. Wenn die Lackierung der Gehäuse nicht mehr so ganz 100%ig ist und feine Risse kriegt, verdunstet das Elektrolyt und die traurigen Reste sind nicht mehr in der Lage, die Funktion aufrecht zu erhalten.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Die DC-Spannung an den beiden Kabeln muß so um 22V betragen. Im Leerlauf, ohne was angeschlossen, eventuell etwas höher.

    Am Trafoausgang (also an den Pins auf der Platine (von wo das rote und das graue Kabel an die Motorplatine abgehen) messe ich knapp 3 Volt. (gelbe Markierung, Pins tw verdeckt).

    🤔

    Den dicken Elko habe ich bereits ausgetauscht, da sitzt jetzt - ordentlich und sauber verlötet - ein Neuer.

    Am Eingang vom Trafo (bei eingeschaltetem KS4) kommen ca. 234 Volt an (bei ausgeschaltetem KS4 immer noch rd 82 Volt) (grün markiert)

    Da, wo die Kabel zur Stroboskoplampe abgehen messe ich bei ausgeschaltetem KS4 ebenfalls 82 Volt - bei eingeschaltetem KS4 ca. 225 Volt. Rot markiert.

  • Hi Rudi !

    Am Trafoausgang (also an den Pins auf der Platine (von wo das rote und das graue Kabel an die Motorplatine abgehen) messe ich knapp 3 Volt. (gelbe Markierung, Pins tw verdeckt).

    Löte mal bitte das rote Kabel an der Motorplatine ab und miß' nochmal.

    So lange die desolate Platine da dranhängt, kriegst Du keine realistischen Werte.

    Am Eingang vom Trafo (bei eingeschaltetem KS4) kommen ca. 234 Volt an (bei ausgeschaltetem KS4 immer noch rd 82 Volt) (grün markiert)

    Das sollte nicht so sein. Irgendwas ist da a) falsch verdrahtet oder b) defekt.

    Mach' mal diesen Entstörkondi vom Hauptschalter runter. Bei dem Modell sitzt da noch eine Drosselspule davor, die aussieht, wie ein Widerstand. Die auch ab.


    Danach sollte die Spannung bei ausgeschaltetem Hauptschalter am Stroboskop-Ausgang auf eine runde, glatte Null fallen.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • OK. Knallfrosch und Widerstand aus dem KS4 entfernt. Am Trafo kommen 0 Volt an, bei Schalter off und Schalter on. Da stimmt was nicht. Oder doch, denn die beiden blauen Klemmen haben ja nun keinerlei Verbindung mehr, der Knallfrosch liegt ja direkt darüber und verbindet sie, die blaue Klemme auf der linken Seite (von oben betrachtet) hat ohne Knallfrosch und Widerstand keinerlei Verbindung mehr, wenn ich das richtig sehe (siehe Bild)

    Ich hab dann die Netzspannung mal ohne KS4 direkt bis zum Trafo „durchgeschickt“.

    Stroboskoplampe ist aus und es liegen 230 Volt am Trafo an. Am Trafoausgang (rotes Kabel von der Motorplatine gelöst) messe ich ca 11 -12 Volt.

    Die Stroboskoplampe leuchtet jetzt aber gar nicht mehr.

  • Hi Rudi !


    https://www.dual-board.de/core…latine-mit-ks4-offen-jpg/


    Mal zum Vergleich, wie das im Original (bei einem anderen Modell) und unverbastelt ausgesehen hat.


    Verbinde bitte mal den "Lotpunkt", wo das blaue Kabel von links reinkommt mit dem "Lötklumpen", von wo die Drossel abgeht.

    Dann ist der Stromkreis auch wieder geschlossen und am Trafo sollten 230V ankommen und das Strobo wieder leuchten.


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Edit: Ok, Stroboskoplämpchen leuchtet bei Durchlass (blau und braun direkt miteinander verbunden, KS4 aussen vor).

    War mein Fehler, hatte den Kontakt nicht richtig auf Durchlass.

    Am Trafo kommen 230 Volt an, am Trafoausgang messe ich aber immer noch zw. 11 und 12 Volt. Hab die beiden Kabel von der Motorplatine getrennt und direkt dort gemessen

  • Hi Rudi !

    Am Trafo kommen 230 Volt an, am Trafoausgang messe ich aber immer noch zw. 11 und 12 Volt. Hab die beiden Kabel von der Motorplatine getrennt und direkt dort gemessen

    Das ist zu wenig.


    Im Leerlauf ohne angeschlossene Elektronik sollte die Spannung an den beiden Kabeln >22V sein.


    Wenn Dein Meßgerät die Möglichkeit hat, Dioden zu prüfen, dann würde ich anregen, daß Du mal die vier Gleichrichterdioden in der Trafokist prüfst. Da brauchst Du nix auszulöten, sondern nur die Meßspitzen an die Anschlüsse der Dioden halten.

    In der einen Richtung darf kein Durchgang zu messen sein, in der anderen muß das Instrument die Vorwärtsspannung der Diode anzeigen. Das sind bei Siliziumdioden so um 0.65 - 0.75V herum. Wenn eine davon kaputt sein sollte, kann es sein, daß die Spannung deutlich niedriger ist, als an sich geplant.


    Sollten alle vier Dioden heile sein, kann es sein, daß es den Trafo "erwischt" hat.

    Der ist überhitzt und hat einen Windungsschluß bekommen.

    Das wäre dann nicht so gut ...


    :)

    Peter aus dem Lipperland


    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!
Nach der Registrierung können Sie aktiv am Forenleben teilnehmen und erhalten Zugriff auf weitere Bereiche des Forums.