Kapazität richtig einstellen? Verständnisfrage

  • Hallo, ich habe nochmal eine Frage zur richtigen Einstellung der Kapazität an meinem Phonovorverstärker.

    An meinem Graham Slee Amp SE gibt es ja keine Einstellmöglichkeit. Ich stecke meine Duals einfach rein und es klingt dann auch immer irgendwie sehr gut. Der Unterschied kommt wohl vom System und Nadel.

    Den zweiten Dreher betreibe ich direkt über den MM Eingang am T+A Verstärker. Dieser hat ein Phonomodul mit der Möglichkeit die Kapazität zwischen 100 und 500 pf in kleinen Schritten anzupassen.

    Bei meinem neuesten Plattenspieler steht bei den technischen Daten "Gesamtkapazität des Tonsignalweges 150 pF".

    Heißt das jetzt das das der ganze Plattenspieler mit den verbauten Cinchkabel 150 pF hat und ich das auch am Phonomodul so einstelle? Ist das so einfach oder muss ich da noch was fürs Modul oder so dazurechnen? Ich lese oft von Kapazitäten von 400 pF und so. Das wäre ja viel mehr.

    Bei der Graham kann ich ja eh nicht verändern, aber bei dem Phonomodul ja schon und dann würde ich das gerne richtig machen.

    Grüße Joe

    Dual CS 1219 / Elac 770h / Technics SL-1710 / Ortofon 2m Black und Bronze / Elac ESG 796 /Graham Slee Gram Amp 2 SE / T+A PHONOMODUL...

  • Joe: Nö, das heißt es nicht. Das ist nur eine hilfreiche Angabe, da sich die gesamte Lastkapazität aus der Kapazität der Kabelage ab dem Tonabnehmer und der Eingangskapazität der Phono-Vorstufe(n-Sektion) zusammensetzt. Die empfohlene Lastkapazität kommt hingegen im Normalfall vom jeweiligen Tonabnehmerhersteller und sollte sich in Prospekten, Datenblättern und Bedienungsanleitungen zu den jeweiligen Modellen finden.


    Sprich, Du suchst Dir also erstmal die Kapazitätsempfehlung, subtrahierst davon dann die Kapazität der Kabelage - und das Resultat ist dann der einzustellende Wert an der Phonovorstufe. Wobei Du da noch darauf achten solltest, ob die dortigen Einstellwerte bereits Absolutwerte darstellen oder lediglich Zusatzkapazitäten, die sich zu einer Grundkapazität addieren.


    Grüße aus München!


    Manfred / lini

  • Hallo,


    Beispiel: AT 95 wünscht ca. 200 pF, das Kabel bringt 150 pF, am Phonopre also ca. 50 pF wählen. Wenn's 70 - 100 pF sind ist es halb so wild, aber bei 500 pF würde man es hören.


    Peter

    Die Leute blicken immer so verächtlich auf vergangene Zeiten, weil die dies und jenes ›noch‹ nicht besaßen, was wir heute besitzen.
    Es ist nicht nur vieles hinzugekommen. Es ist auch vieles verloren gegangen, im guten und im bösen. Die von damals hatten vieles noch nicht. Aber wir haben vieles nicht mehr.
    (Tucholsky)

  • Moin Zusammen,


    elektrotechnisch gesehen bilden die Induktivität der Spule vom MM System mit der Kapazität des Kabel und des Phonoeingangs einen Schwingkreis,

    dessen Resonanzfrequenz man mit der Formel f =1/ 2*pi * Wurzel L* C berechnen kann. Optimaler Weise legt man die Resonanzfrequenz ausserhalb des

    Hörbereichs. Für die meisten Tonabnehmer gibt es keine Angaben für die Induktivität. Aus der Formel heraus müsste die Kapazität so klein wie möglich sein,

    um die Resonanzfrequenz hoch zu legen. Alles theoretisch, entscheidend sind Eure Ohren und die sind ja wie Geschmack unterschiedlich, Gott sei Dank..


    Gruß Peter

  • Peter: Ich würd die Formel lieber so hinschreiben f(res) = 1 / (2 * pi * (L * C)0,5), da weniger missverständlich. Und dass man den Resonanzbuckel generell idealerweise aus dem Hörbereich schieben sollte, stimmt so nicht wirklich, denn gerade einfachere Systeme brauchen ihn oft noch innerhalb des Hörbereichs, um einem ansonsten allzu frühen Frequenzgangabfall im Hochton entgegenzuwirken.


    Etwas verwundert bin ich obendrein über Deine Behauptung, dass man zu den meisten Tonabnehmern keine Angaben zur Induktivität fände.


    Grüße aus München!


    Manfred / lini

  • Peter: Ich würd die Formel lieber so hinschreiben f(res) = 1 / (2 * pi * (L * C)0,5)

    Voll korrekt Manfred, ich hatte heute Morgen nach dem Aufstehen noch nicht die Ambitionen. Ich erwarte auch nicht, dass jetzt die wissenschaftlichen Taschenrechner gezückt und fleißig nachgerechnet wird.

    Und dass man den Resonanzbuckel generell idealerweise aus dem Hörbereich schieben sollte, stimmt so nicht wirklich, denn gerade einfachere Systeme brauchen ihn oft noch innerhalb des Hörbereichs, um einem ansonsten allzu frühen Frequenzgangabfall im Hochton entgegenzuwirken.

    Kann man machen, muss man aber nicht. Wenn früher z.B. Shure Systeme 600mH hatten und heute 400mH, dann ist das für mich allein schon unter diesem Aspekt eine Veränderung des Frequenzgang. Klar kann man an dem Wert nichts verändern, aber führt vielleicht zur mehr Verständnis, wenn man an dem Wert Farad dreht.


    Und bisher hatte auch keiner über die Induktivität gesprochen. Zumindest ist die Diskussion erweitert.


    Wir könnten jetzt aber noch eine Meßschallplatte aus dem Regal zücken und den Frequenzgang mit dem NF-Millivoltmeter nach jeder Veränderung des Farad-Wertes nachmessen :saint:


    Gruß Peter

  • Also so ganz komme ich mit euren Formeln noch nicht klar? Das Ortofon 2m Black will 150-300 Kapazität haben. Beim Plattenspieler steht "Gesamtkapazität des Tonsignalweges 150 pF". An meinem Phonomodul ist die Standard/Werkseinstellung "<120".

    Soll ich das so lassen? Ich könnte Einstellung am Phonomodul auch in 30er Schritten erhöhen.

    Passt das so für die die meisten Plattenspieler und Systeme? Was ist denn, wenn ich meine Shure m91 oder V15iii anbaue?

    Passen die "Gesamtkapazität des Tonsignalweges 150 pF" auch so ca. für meine Duals 1219 oder 721?

    Viele Fragen, aber irgendwie möchte ich das endlich mal verstehen.

    Grüße Joe

    Dual CS 1219 / Elac 770h / Technics SL-1710 / Ortofon 2m Black und Bronze / Elac ESG 796 /Graham Slee Gram Amp 2 SE / T+A PHONOMODUL...

  • Guten Morgen Joe,


    wie wäre es mit dieser Seite:

    https://www.electronicdeveloper.de/LC_Serienresinanz.aspx

    Hier kannst zur Berechnung der Resonanzfrequenz die Induktivität und die Kapazität eingeben.

    Für das Ortofon 2M black mußte ich etwas suchen. Thakker gibt keine Induktivität an.

    Gemäß Ortofon soll sie bei 630mH liegen.

    Bei einer Kapazität von 300pF ist die Resonanzfrequenz 11,5kHz und

    bei einer Kapazität von 150pF ist die Resonanzfrequenz 16,4kHz.


    Je niedriger die Kapazität, desto weiter rückt die Resonanzfrequenz aus dem "hörbaren" Bereich.

    Ich weiß aber jetzt nicht, wie linear der Frequenzgang des 2M black in diesem Bereich ist und die

    Resonanzfrequenz sich auf dein Hörempfinden bemerkbar macht.


    Das Shure V15 Typ III hat 500mH und das M91 720mH.


    Für das M91 wird eine Gesamtkapazität von 400 bis 500pf empfohlen.

    Dann liegt die Resonanzfrequenz unter 10 Khz.


    Der Frequenzgang des M91 hat ab 2kHz bereits einen kleine Delle nach unten.

    Wie Manfred schon bemerkte, kann man mit der passenden Kapazität dem entgegenwirken.


    Gruß Peter

  • Mahlzeit zusammen, auf dieser Seite kann man auch die Resonanzfrequenz berechnen.

    Resonanzfrequenz

    Man sollte nicht aus allem eine Wissenschaft machen, einfach Musik hören, wer es kann und möcht, stellt seine Kapazität richtig ein, wer nicht, auch gut.

    Gruß, Matthias

    Dual 1009,1019,1219,1249,701,721, Technics SL-1610mk2,SL-1300mk1,SL-Q3,SL-7,SL-J3

  • Also so ganz komme ich mit euren Formeln noch nicht klar? Das Ortofon 2m Black will 150-300 Kapazität haben. Beim Plattenspieler steht "Gesamtkapazität des Tonsignalweges 150 pF". An meinem Phonomodul ist die Standard/Werkseinstellung "<120".

    Das Ortofon 2M Black möchte 150 - 300 pF Anschlusskapazität sehen. Der Plattenspieler bringt mit seiner Verkabelung nach Deinen Angaben 150 pF. Das heißt für Dich erst einmal: Von den 150 bis 300 pF ziehst Du die 150 pF des Drehers ab. Es bleiben als zusätzliche Kapazität also 0 bis 150 pF übrig. Wenn die Standardeinstellung bei Dir < 120 pF ist, ist doch alles in Butter - die Gesamtanschlusskapazität liegt jetzt mit 150 pF für den Dreher plus irgendetwas im Bereich bis 120 pF als Anschlusskapazität des Phonoanschlusses Deines T&A-Verstärkers also also exakt in dem Bereich, den das 2M Black sehen will, also irgendwo zwischen 150 und 270 pF. Das war's eigentlich ...


    Wenn Du jetzt hören willst, wie sich das Klangbild mit einer höheren Anschlusskapazität ändert, kannst Du ja einfach mit der Anschlusskapazität des T&A herumspielen und einmal 200 pF, 300 pF, 400 pF und 500 pF einstellen. Du wirst überrascht sein, dass sich damit tatsächlich etwas ändert. Lass die Anschlusskapazität dann einfach da, wo Du es mit Deinen Ohren für ideal hältst. Die Grundeinstellung < 120 pF sollte eigentlich passen, aber vielleicht ist für Dich ein wenig mehr sogar besser - das musst Du für Dich mit Deinen Ohren entscheiden.

    freundliche Grüße


    Ralph



    Dreher: Golden 1, CS 741Q, CS 731Q, CS 728Q
    MC-Systeme: Goldring Elite, AT33 PTG II, Ortofon MC20 Super ... MM-Systeme: ELAC 796 HSP, AT 150 Sa, TK60E mit DN 160
    Vorverstärker: Aikido 1+ und Aikido Hybrid Supreme
    Verstärker: Harman/Kardon HK 6800 ... Receiver: Dual CR 1730
    Boxen: Nubert NuWave35 mit ATM-35 und Dual CL 720

  • Danke. Jetzt bin ich wieder etwas schlauer. Ich werde erstmal die Grundeinstellung <120 für das Ortofon Black lassen. Ich habe mal etwas mit der Kapazität gespielt. Irgendwie kann ich bei höheren Kapazität Einstellungen keinen Unterschied hören. Ich habe aber verstanden, dass wenn ich mal ein Shure m91 oder V15iii anbaue, es Sinn macht nochmal höhere Kapazitätseinstellungen zu produzieren.

    Dual CS 1219 / Elac 770h / Technics SL-1710 / Ortofon 2m Black und Bronze / Elac ESG 796 /Graham Slee Gram Amp 2 SE / T+A PHONOMODUL...

  • Bei 400, spätestens bei 500 pF solltest Du einen Unterschied hören, weil dann die Resonanzfrequenz überdeutlich in den hörbaren Bereich wandert.


    Bei allen anderen Systemen musst Du immer dananch schauen, was der Hersteller für eine Anschlusskapazität für das jeweilige System empfielt.

    freundliche Grüße


    Ralph



    Dreher: Golden 1, CS 741Q, CS 731Q, CS 728Q
    MC-Systeme: Goldring Elite, AT33 PTG II, Ortofon MC20 Super ... MM-Systeme: ELAC 796 HSP, AT 150 Sa, TK60E mit DN 160
    Vorverstärker: Aikido 1+ und Aikido Hybrid Supreme
    Verstärker: Harman/Kardon HK 6800 ... Receiver: Dual CR 1730
    Boxen: Nubert NuWave35 mit ATM-35 und Dual CL 720

  • Zu klein ist ebensowenig richtig wie zu groß.


    Ist die Kapazität zu klein, ergibt sich ein Höhenabfall.

    Ist die Kapazität zu groß, ergibt das einen Höhenanstieg im Bereich der Resonanzfrequenz mit anschließendem steilen Höhenabfall.

    Ist die Kapazität richtig, ist der Hochtonbereich im Hörbereich linear.

    Hier sieht man das Verhalten bei einem Shure V 15 III:

    http://www.abload.de/img/v15iiihyatr.jpg


    Die optimale Abschlußkapazität wäre da um die 260 pF.

    Wobei das V1 15 III sehr gutmütig bzgl. der Kapazität ist.

    Man beachte die Skalierung. Bei 7 kHz beträgt der Unterschied zwischen 100 pF u8nd 470 pF nur 2 dB.

    Gar nicht so wenige Tonabnehmer reagieren ähnlich gutmütig wie das Shure.

    Aber es gibt auch Tonabnehmer, die da sehr deutlich auf die Kapazität reagieren.

    Dual: 430/CDS 650, CS 528/TKS55E, CS 617Q/Ortofon OMB10, CS 627Q/Denon DL-110, CS 741Q/Yamaha MC-9
    Sonstige: Grundig PS 6000/OMP10, Yamaha TT-400/AT-95E

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