Reparaturbericht: 701 mit pulsierenden Gleichlaufschwankungen

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    • Reparaturbericht: 701 mit pulsierenden Gleichlaufschwankungen

      Hallo allerseits,
      mein neuer, zwar als defekt gekaufter aber angeblich einwandfrei drehender 701 der zweiten Serie hatte hörbare Gleichlaufschwankungen. Diese kann man sich so vorstellen, dass der Motor bei jeder halben Umdrehung einmal "Gas" gab, d.h. die Drehzahl pulsierte niederfrequent um den korrekten Wert. Die Strobo-Markierung wanderte regelmäßig um ca. 2 Striche hin und her. Außerdem gab der Motor ein leises "elektrisches" Geräusch im Takt der Gleichlaufschwankung ab.
      Rockmusik: Irgendwie komisch. Klaviermusik: Unerträglich.

      Mein erster Reparaturversuch war erfolgreich. Da ich kein Oszilloskop habe, habe ich die Hinweise hier im Board berücksichtigt und die Trimmer erstmal nicht angefasst. Ich habe dann alle Elkos erneuert, den Siebelko mit einem 1000uF/35V ersetzt. Dann die Brücke zwischen 13 und 14 abgelötet und die Spannung auf 15 V justiert (vorher 14,7). Im Ergebnis dreht der Motor nun einwandfrei.

      Gruss
      Richard

      P.S. Knallfrosch ausgetauscht, Pimpel neu, Automatik läuft. Folgt noch das Entharzen, aber erstmal lehne ich mich zurück mit "Shilly Shally" von Fritz Brause und einem Bier :)
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      "Ich könnte ausflipsen" (Pawel Popolski)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Schmolz ()

    • Da es offensichtlich bei jeder Drehung einmal passiert und dabei auch noch das Relaise schaltet, würde ich von einem schwergängigem Lager ausgehen.
      Läuft den der Teller auch nach, wenn du ihm abschaltest oder steht er in kürzester Zeit?
      Lässt er sich gleichmäßig und sehr leicht bewegen?
      Dual 721 mit Ortofon OM30, Hitachi HCA 7500, Hitachi HMA 7500, Saba MT201, RFT CD9000, Canton GLE 409
    • egal1 schrieb:

      Da es offensichtlich bei jeder Drehung einmal passiert und dabei auch noch das Relaise schaltet, würde ich von einem schwergängigem Lager ausgehen.
      Läuft den der Teller auch nach, wenn du ihm abschaltest oder steht er in kürzester Zeit?
      Lässt er sich gleichmäßig und sehr leicht bewegen?
      Wenn ich den TE richtig verstehe, hat er den 701 bereits erfolgreich repariert. Es handelt sich also um einen Reparaturbericht, wie im Titel des Freds genannt.

      Gruß :)

      Matthias
    • Der 701/2 hat kein Relais. Der Teller war nicht schwergängig. Ich kann auch mit meinem Vorgehen bei der Reparatur keinen eindeutigen Ursache/Wirkung-Zusammenhang begründen. Fest steht jedoch, ich hatte Erfolg, es muss also mindestens ein Elko bzw Tantali defekt gewesen sein und/oder die Spannung war zu niedrig. Ich hatte wohl auch eine Portion Glück, dass keine aktiven Bauteile defekt waren, Germanium-Kleinleistungs-Transistoren gibt meine Teilekiste nicht her und mangels Oszi kann ich auch keinen kompletten Abgleich machen.

      Gruss
      Richard
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      "Ich könnte ausflipsen" (Pawel Popolski)
    • Hi Richard !

      In der Regel beginnt das Unheil mit einem austrocknenden Hauptelko. Der schafft es nicht mehr, die Impulse, die vom Motortreiber entstehen, abzufedern und daraus bildet sich eine Art "Oszillator" mit sehr niedriger Frequenz, wodurch der Teller Gas gibt und wieder langsamer wird und lustig pendelt. Der Hauptelko ist bei den meisten Geräten > 30 Jahre häufiger Schuld, daß es zu Fehlfunktionen kommt. Wenn die Tantalis sich die Karten legen, läuft entweder der Teller nicht mehr an (wenn der "Verzögerer"-Tantali C5 kurzgeschlossen hat und den Stromschalter T8 blockiert, oder er rennt "Wie'n DeubeL", wenn C6 / C7 tot sind, weil dann das Istwert-Signal nicht mehr richtig an den OpAmp geführt wird. Wobei: bei dem Fehler sind gern auch die Pitchpotis kaputt, aber in der Regel erstmal nur eins (meistens das 33er) und eine Drehzahl geht noch.

      Und: Germanium-Transistoren wären kein Problem, wenn man die richtigen Leute fragt ... :D

      .
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • wacholder schrieb:

      daraus bildet sich eine Art "Oszillator" mit sehr niedriger Frequenz
      Hallo Peter,
      danke für die Erklärung, das habe ich verstanden. Und danke für den kleinen Hinweis mit den Transistoren, ich hoffe jedoch, dass ich vorerst auf neue Transistoren verzichten kann.
      Die Hoffnung kommt daher, dass es sich um ein unverbasteltes und offenbar kaum benutztes Gerät handelt. Keiner der blauen Schraubensicherungslacke war beschädigt. Nach dem Austausch des Steuerpimpels lief die Automatik sofort und störungsfrei. Beim Löten bin ich behutsam vorgegangen und habe wie gesagt nichts verstellt bis auf die Spannungseinstellung. Nur noch das Netzkabel musste ich auswechseln, weil jemand den Stecker abgeschnitten hat ?(

      Gruss
      Richard
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      "Ich könnte ausflipsen" (Pawel Popolski)
    • Hi !

      Schmolz schrieb:

      Nur noch das Netzkabel musste ich auswechseln, weil jemand den Stecker abgeschnitten hat
      Wenn der Stecker dicht am Gehäuse abgeschnitten ist, hat die Hütte schon mal eine Runde über den Recyclinghof gedreht.
      Da ist das allgemein so üblich, Geräte "zu entschärfen".
      Ist der Stecker weiter vorne abgeschnitten, war jemand zu dumm (oder zu faul) die ganze Kiste zu zerlegen, um sie in ein Rack / ein Regal / einen Schrank ein- bzw. davon wieder auszubauen. Das habe ich schon häufiger gesehen, daß Geräte in Schränken montiert waren und die Stromkabel hinten durch die Schrankrückwand durch ein winziges Loch gepusselt wurden. Als Oppa dann gestorben ist, haben die Erben die Geräte abgeborgen und anstatt das richtig zu machen, wurde einfach das Stromkabel abgeknipst.

      (Doof bleibt halt doof. Da helfen keine Pillen ...)

      .
      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • Wohl Fall 2: Opa gestorben ;( . Der Stecker war nicht am Gehäuse, sondern am Stecker abgeschnitten. Der Dreher war eher nicht auf dem Recyclinghof, weil die Zarge (und der ganze Rest) nahezu makellos sind :D

      Gruss
      Richard
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      "Ich könnte ausflipsen" (Pawel Popolski)
    • Diese Eurostecker zum Selber-Anschlie0en sind mir nicht ganz geheuer, ich mag lieber die angegossenen. Außerdem ist das originale 2x 0,75 mm2 Netzkabel nur einfach isoliert, auch deshalb lieber ein neues sauber ancrimpen.

      Gruss
      Richard
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      "Ich könnte ausflipsen" (Pawel Popolski)
    • Schmolz schrieb:

      Diese Eurostecker zum Selber-Anschlie0en sind mir nicht ganz geheuer, ich mag lieber die angegossenen. Außerdem ist das originale 2x 0,75 mm2 Netzkabel nur einfach isoliert, auch deshalb lieber ein neues sauber ancrimpen.
      Angegossene sind nett, aber bei den Strömen über die wir hier reden (einige zig bis wenige hundert mA) würde ich mir keinerlei Sorgen machen. Allerdings würde ich den Stecker eher löten als crimpen, nachdem mir nicht klar ist, mit welchem Crimpwerkzeug man da anständig drankommen soll. Herstelleranweisungen zu dem Thema sind mir nicht bekannt.

      Die einfach isolierte Netzleitung (H03VH-H) ist für leichte Haus- und Handgeräte in trockenen Räumen problemlos zulässig, der Austausch also maximal Geschmackssache, auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird. Beim 701 weiß ich es nicht, aber bei den ganzen älteren Drehern ist nicht einmal der Dreher schutzisoliert, also wieso Sorgen um die Anschlussleitung machen? Nicht einmal beim 721 bin ich mir sicher ob der mit seinem Blech-Trafokasten als schutzisoliert durchgeht. Der Bedienungsanleitung entnehme ich nichts dergleichen.
    • Hi !

      Ragnar schrieb:

      Nicht einmal beim 721 bin ich mir sicher ob der mit seinem Blech-Trafokasten als schutzisoliert durchgeht. Der Bedienungsanleitung entnehme ich nichts dergleichen.
      Soweit ich mich entsinne, ist hinten auf dem Typenschild das Zeichen aufgedruckt: zwei Quadrate ineinander.
      Bedeutet, daß das Gerät durch seinen Aufbau für trockne Räume ausreichend isoliert ist.

      Ich finde das immer wieder witzig, wenn so Schlaumeier hingehen und an einen Plastikdreher ein dreiadriges Schukokabel anbasteln und sich dann einen Punkt auf dem (metallenen) Motorträger-Subchassis suchen, wo sie den gelb-grünen Schutzleiter andübeln.
      Und nachher brummt das Ding wie Hulle, jedes Einschalten von Geräten bringt Knack- und Knisterstörungen rein und so weiter. Aber sie haben ja alles richtig verdrahtet. Haben sogar das DIN-Kabel rausgeworfen, die Massebrücken abgetrennt und den Verstärker mit einem Extra-Schnürsenkelkabel drangebunden. Trotzdem brummt's und sie verstehen das nicht ... :D

      (Das letzte "Meisterstück", was ich auf dem Tisch hatte, war ein 620Q, wo ein Elektromeister (!!) behauptet hat, daß das ohne Schukokabel gar nicht zulässig wäre. Er hat dann eins drangebastelt und der Besitzer hat die Karre irgendwann genervt in die Ecke gestellt. Dann ist es auf Ebay-Kleinanzeigen gelandet, der Käufer kam dann mit dem fachmännisch vergnaddelten und unter Standschäden leidenden Karren bei mir an ... )

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      Peter aus dem Lipperland

      Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.
    • Was die Profis auch nicht verstehen: wenn das Ding mal in seinem Ursprungszustand eine VDE-Freigabe erhalten hat, sollte man es nicht unbedingt privat umbauen, es sei denn man hätte gute Gründe dazu (Gründe im Sinne von Personenschutz).

      Audio-seitig hat es sehr gute Gründe, dass kontinentaleuropäische Geräte fast immer ohne Schutzleiter kamen. So richtig versessen auf geerdete Chassis waren eigentlich fast nur die Inselaffen (vor allem zu einer Zeit, wo in Mitteleuropa noch Schutz durch isolierende Räume die Norm war, mit den bekannten runden Steckern ohne Schutzkontakt).