Moin. Lange nichts geschrieben hier... tja, und nun hat mich das Dual-Fieber mal wieder gepackt.
Ein lieber Arbeitskollege hat mir einen CS 714 Q vermacht, der gelegentlihc mal auf ca. 300 upm beschleunigt. Nicht immer, aber manchmal. Nicht so toll für Schallplatten und Nadeln... er hatte das Ding mehrmals bei verschiedenen Reparateuren (und in einem Reparaturcafé), und die haben auch nichts kaputt gemacht, aber das Problem blieb. Einmal funktionierte er zwei Wochen, dann rannte er wieder davon. Challenge accepted!
Zum "Glück" trat das Problem bei mir schon nach ca. einer Stunde Dauerlauf auf... ein mal. Dann ewig nicht, dann einmal direkt beim Start, dann wieder nicht. Zermürbend! Zunächst habe ich alle zugehörigen Threads hier gelesen, mich stundenlang durchs SM gewälzt und die Motorelektronik letztlich doch weitestgehend verstanden (genial gelöst alles! Ich liebe diese uC-losen Lösungen der späten 70er...) und eine Menge gelernt.
Also... komplette Kondensator-Kur, neue Glimmerscheiben, einen unfrischen BD135 getauscht, gründlichst alle Kontakte gereinigt, die OpAmps RC4558 und den LM741 gesockelt und getauscht, Platine mit Mikroskop abgesucht nach Haarrissen und dabei ein paar nicht so ideal Lötstellen nachgearbeitet... leider ohne Erfolg. Irgendwann drehte er wieder völlig frei.
Also das Oszi angefeuert... nur: wie soll man an dem Ding denn im laufenden Betrieb messen? Einen Reparaturbock habe ich leider nicht und wenn die Platine auf drei Klorollen steht, kommt man wirklich nicht an die Rückseiten der 5 Platinen. Also habe ich mir prophylaktsich großzügig Kabel an all die Punkte gelötet, die ich messen will, angefangen mit dem Tachosignal-Aufbereiter mit Flipflop. Die dann alle nach aussen geführt und beschriftet, um im Falle eines Anfalls schnell und qualifiziert messen zu können:
Natürlich hat es diesmal einige Stunden gedauert, bis er losfuhr. Und Mann, das klingt schon bedrohlich, wenn man daneben sitzt! Instinktiv bremste ich den UFO-gleich rotierenden Plattenteller ein bisschen mit dem Finger, und da fiel mir auf: Er hält die abgebremste Geschwindigkeit einigermaßen, reglet nur ganz langsam wieder hoch, allerdings immer weiter, reproduzierbar. Das war der erste Hinweis.
Der zweite war dann noch deutlicher. Schon mein erster Messpunkt (Tachogeber-Signal hinterm OpAmp, aber vorm Schmitt-Trigger war eine Nulllinie. Nada. Nichts. Als müsse man den Defi holen.
Okay, die Erklärung ist schlüssig — ohne Referenzsignal haut die PLL natürlich dauerhaft Richtung Lichtgeschwindigkeit ab bis zum Anschlag. Nur, wo ist das Signal hin? Magneten funktionieren noch nicht mal ja und mal nicht...
Also abgeschaltet, alles wieder abgebaut, und weitere Kabel verlegt:
- Eines direkt am Motorterminal (super zu löten, so über Kopf...),
- eines auf der Mutterplatine,
- eines vorm OpAmp.
Klar, alles das gleiche Rail, aber irgendwo das Signal ja verloren gehen!
Und dann? Nichts. Stundenlang. Betrieb als sei nie was passiert. Ein Heisenbug? Ich habe mir einen Arduino zusammengehauen, der den Dreher vom Netz nimmt, wenn er abzuheben gedenkt – so konnte ich ihn gefahrlos über Nacht laufen lassen. Tja, und irgendwann war er dann aus, vom Netz. Nur — was sollte ich jetzt noch messen? ![]()
Da merkte ich, dass das Kühlblech noch sehr warm war, also hatte er wohl eben erst abgeschaltet. Und siehe da: Er startete sofort wieder auf Maximalgeschwindigkeit. Juhuu! Und dann war es klar: Strippe 1 zeigte den Sinus, STrippe 2 und drei Mausetot. Also der Steckverbinder, der Motor und Mutterplatine verbindet! Und da der ja direkt über dem heissen Kühlbelch sitzt, sind thermische Aussetzer auch sehr plausibel. Tja, und das, obwohl ich alle Kontakte akribisch gereinigt habe. In den Buchsenleisten war ich sogar mit roten Interdentalbürsten, sie mit Tuner-Spray benetzt waren! Ausgewaschen habe ich sie mit IPA... aber es hat offenbar nichts gebracht. Der Kontakt war nicht zuverlässig.
Also habe ich die Buchsenleisten getauscht, zum Glück hatte ich so eine noch als NOS, musste sie nur kürzen. (Wie heissen die eigentlich genau? Findet man öfter mal in deutschen Geräten aus dieder Zeit, aber nie nirgends im Internet...). Zusätzlich habe ich das männliche Gegenstück noch etwas gekröpft, jeden zweiten Kontakt mininmal nach oben bzw. unten gebogen. Denn bei LIcht besehen ist das ein Stecker, der nicht zu deiser Buchse gehört, auch wenn das RM gleich ist. Jetzt sitzt er auf jeden Fall schön stramm. Und seit dem ist Ruhe — noch kein einziger Fluchtversuch!
Und guckt mal, hat der nicht ne coole Seriennummer? (Oder ist das nicht die Seriennummer?)
Ich bin auf jeden Fall heilfroh, den Fehler endlich gefunden zu haben — und zumindest habe ich den hier noch nicht gefunden. Also: Der Steckverbinder überm Kühlkörper kann temperaturabhängige Kontaktprobleme verursachen, durch dei das Tachosignal gelegentlich abreißt und den Plattenteller völlig ungebremst hochregelt.
Danke an all die Alteingessenen hier für ihre wertvollen Tipps in all den schönen Threads zum Thema! Vielelicht hilft diese Ergänzung ja irgendwann auch jemand anderem.
Ach ja, hat jemand einen Reparaturbock zu verkaufen, oder einen Tipp, wo man einen bekommen kann?
Meine Duals sind die Klorollenlösung langsam leid.