Schweres Thema: Kapazitäten verstehen

  • Hallo zusammen!

    Durch eure Tipps habe ich es ja nun geschafft dem Goldring E3 am CS510 auch ein paar Höhen zu entlocken. Der anscheinend richtige Weg ist die Kapazitätsverringerung. Durch den Quertausch der VV und damit die Einstellungsmöglichkeit auf 47qF wurde es erheblich besser. Dem JBL mit seinem 2M hat es übrigens nichts ausgemacht, da ist der klang zum Glück unverändert, trotz anderem Abschlusswert und VV.

    Aber, es fehlt immer noch etwas im Klang. Details und Höhen. Einfach ausgedrückt: Bei der selben Platte hört man auf dem JBL Instrumente, die beim Dual nicht gehört werden. Stimmen scheinen hier auch teilweise unterzugehen. Also heißt es weiter optimieren. Dazu muss ich es aber besser verstehen können. Hab mich lange in alten Beiträgen im Forum eingelesen, dass Thema Kapazität und deren Auswirkung scheint ja hier die Geister zu scheiden. Also viel klüger bin ich nun immer noch nicht:/ Für mich entsteht die Kapazität ja, weil sich die Kabel durch den Aufbau wie ein Kondensator verhalten. Laienhaft heißt das, je mehr Kapazität desto mehr werden hohe Frequenzen gedämpft. Aber nun liest man hier auch, dass mehr Kapazität oft zu höhenbetont, gar schrill klingen lässt? Ihr versteht vielleicht meine Verwirrung...

    Fragen die mich auch interessieren, vielleicht gibt es ja einfache Antworten:

    - Wirken sich "unsaubere" Lötstellen an der TA Anschlussplatte auf die Kapazität aus?

    - Macht es für die Kapazität einen Unterschied ob man die Massepunkte an der Anschlussplatte zusammengeführt lässt oder sie einzeln auftrennt?

    - Wie messe ich die Kapazität der vorhandenen Verkabelung richtig? Also so, dass das Meßgerät den Wert anzeigt, den der TA bis zum VV zu sehen bekommt.

    - Kann eine zu niedrige Kapazität die tiefen Töne reduzieren, oder würde sich die Betonung der hohen Töne nur verstärken?

    Da ich im Moment keine Kabel auf Lager habe mit Herstellerangaben der Kapazität wäre mein Lösungsversuch für heute die original Kabel um fast einen halben Meter zu kürzen. Das tut nicht weh, ist schnell gemacht und sollte ich gegen andere Kabel tauschen würden sie eh wegfallen.

    Grüße, René

  • Ganz ehrlich:

    Ich würde einfach mal die 2 Tonabnehmer gegeneinander tauschen. Das dauert auch nicht länger, als das Kabel abzuschneiden und neue Stecker dranzulöten.
    Vielleicht klingt das Goldring einfach so "dunkel/dumpf" und es liegt gar nicht an den Kapazitäten (denen meiner Meinung nach hier auch viel zu viel Bedeutung zugemessen wird).

    irgendwas ist immer und man lernt nie aus ...

    Gruß
    Winfried

  • Moin René,

    ich kann noch bei den Basics helfen, die Gesamtbetrachtung überlasse ich aber lieber den Profis, und habe dazu schon mal Popcorn bereitgelegt ;)

    Also, eine Kapazität zwischen Signalleitung und Masse lässt halt im Gegensatz zu Gleichstrom das Signal (=Wechselstrom) durch, setzt diesem aber einen sogenannten Blindwiderstand entgegen (sonst würde man gar nichts mehr hören, da Kurzschluss). Dieser Blindwiderstand ist umgekehrt proportional zu Frequenz und Kapazität. D.h: der Widerstand ist geringer, je höher die Kapazität und je höher die Frequenz. Daher ist die Wirkung auf ein gegebenes Audiosignal derart, dass grundsätzlich die hohen Frequenzen stärker gesenkt werden, als die tiefen und dass eine höhere Kapazität diesen Effekt verstärkt.

    Anders ist es für Kapazitäten, die seriell im Signalweg liegen: Dann werden die tiefen Frequenzen stärker abgesenkt, als die hohen.

    Bei den Überlegungen zu der Anschlusskapazität ist natürlich der erste Fall der wichtigere, die serielle Kapazität ist aber nie Null.

    Aber, das ist natürlich zu einfach, weil man immer auch den Leitungwiderstand hat und damit ein RC-Glied in Lowpass-Schaltung hat.
    Gleichzeit gibt es aber auch mögliche Hochpasskonfigurationen durch Längskapazitäten und Parallelwiderstände im VV-Eingang und/oder im/durch den Generator.

    Hier bin ich dann aber raus und überlasse das Feld den Profis ;)

    Beste Grüße Rainer

    ----

    „Audiophile verwenden ihre Geräte nicht, um Ihre Musik zu hören. Audiophile verwenden Ihre Musik, um ihre Geräte zu hören.“

    Alan Parsons

  • Die Induktivität der Systemspulen spielt im Zusammenspiel mit den Leitungs- und Eingangskapazitäten natürlich auch eine erhebliche Rolle.

    Früher mal Fachmann für´s Thema, heute nur noch Hobbylöter. Mit Hang zu Plattenspielern mit AC -Motoren.

  • Okay, der Reihe nach. Genau das Thema welches Thorsten verlinkt hat habe ich mir durchgelesen. Die Tabelle auf Seite 2 ist ja eindeutig. Im selben Thema wird aber auch gesagt, dass bei manchen eine Erhöhung der Kapazität bei ihnen zu Höhenbetonung geführt hat. Das war für mich ein Widerspruch, weshalb ich nachfragte. Ich wollte jetzt aber auf keinen Fall wieder eine Grundsatzdiskussion auslösen, es eben nur verstehen!

    Ja Winfried, könnte ich machen. Aber wenn das Goldring so dumpf klingen sollte, kann ich mir auch ein AT3600 drunter schnallen. Ich dramatisier nochmal etwas: Der Unterschied zwischen Dual und JBL klingt im Moment so, als wäre der JBL ein CD Player und der Dual eine Jukebox aus den 60'ern. Ihr wisst was ich meine, dieser typische dumpfe Ton. So soll es bestimmt nicht sein.

    Was Rainer schreibt habe ich vom Prinzip verstanden, es hilft um generell die Kapazität zu verstehen.

    Aber um eben keine riesen Diskussion daraus zu machen, dachte ich mir ich stelle ein paar Fragen und hatte gehofft das die einfach beantwortet werden können^^

  • dass bei manchen eine Erhöhung der Kapazität bei ihnen zu Höhenbetonung geführt hat.

    Ich habe den Thread jetzt nicht durchgelesen, und kann (als Elektronik-Autodidakt) nur eine Vermutung beitragen: Da wirkt die Anschlusskapazität vielleicht in irgendeinem Hochpass mit (z.B. einem LC-Glied mit dem Generator...???), der stärkern Einfluss hat, als bei anderen Systemen ???


    Der Unterschied zwischen Dual und JBL klingt im Moment so, als wäre der JBL ein CD Player und der Dual eine Jukebox aus den 60'ern.

    Das klingt jetzt für mich aber so, als sei da etwas anderes nicht in Ordnung. Ich kenne das E3 nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass es grundsätzlich nicht besser klingen kann und auch die Anschlusskapazität kann eigentlich keinen soo großen Einfluss haben. Daher könnte ein Tausch auf den JBL etwas mehr Hinweise darauf geben, ob etwas am System oder der Nadel nicht stimmt.

    Beste Grüße Rainer

    ----

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    Alan Parsons

  • Der Unterschied zwischen Dual und JBL klingt im Moment so, als wäre der JBL ein CD Player und der Dual eine Jukebox aus den 60'ern. Ihr wisst was ich meine, dieser typische dumpfe Ton. So soll es bestimmt nicht sein.

    Moin,
    ich weiß nicht, ob ich's schreiben soll: ein MM-Tonabnehmer klingt am MC-Eingang sehr dumpf, die Lautstärke stimmt aber einigermaßen ...

    VG, Siegfried

  • Also so wie ich das gelernt habe, bilden Induktivität (Spule im Tonabnehmer) und Kapazität (Kabel, Eingangskapazität am Vorverstärker) einen Schwingkreis mit einer bestimmten Resonanzfrequenz. Im Bereich der Resonanzfrequenz kommt es zu einer Anhebung im Frequenzgang.

    Viele Grüße

    Jürgen


    Momentan in Verwendung:

    Dual 701, Dual 721, Dual 1229, Braun PS 500

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  • Ja, aber die Resonanzfrequenz sinkt bei Erhöhung der Kapazität.

    Das E3 wird mit 400mH angegeben und hätte dann bei einer Gesamtquerkapazität von 200pF eine Resonanzfrequenz von knapp 18kHz. Erhöht man auf 300pF, sind es noch ca. 14,5kHz.

    Erklärt also nicht die oben angesprochene Höhenbetonung bei hohen Kapazitäten. Falls du dich überhaupt darauf bezogen hast!?

    Nachtrag: nimmt man das (ältere) Gehör mit in die Rechnung, ergibt das schon Sinn: bei 18kHz höre ich wahrscheinlich gar nichts mehr, bei 14,5kHz würde ich den Resonanzpush wohl tatsächlich als Höhenbetonung wahrnehmen 🤔👍🏻

    Beste Grüße Rainer

    ----

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    Alan Parsons

    2 Mal editiert, zuletzt von luiswu (28. März 2026 um 15:12)

  • Bevor die Systeme nicht gegeneinander getauscht wurden um auszuschließen, das ein Ortofon 2M Blue ( ist es glaube ich), schlicht das bessere System ist, machen weitere Erklärungsversuche keinen Sinn. Ich weiß nicht warum Du Dich da so sperrst, ist zuerst mal am einfachsten umzusetzen.

    VG

    Kai


  • Bevor die Systeme nicht gegeneinander getauscht wurden um auszuschließen, das ein Ortofon 2M Blue ( ist es glaube ich), schlicht das bessere System ist, machen weitere Erklärungsversuche keinen Sinn. Ich weiß nicht warum Du Dich da so sperrst, ist zuerst mal am einfachsten umzusetzen.

    Exakt so sehe ich das auch.

    Ich habe schon viele Tonabnehmer falsch angepasst betrieben die mir dann nicht gefallen haben. Aber so extrem wie du es schilderst hab ich es nie wahrgenommen.

    Das E3 hat zwar nur eine Standardellipse aber das müsste sehr ordentlich und keinesfalls dumpf klingen. Da es ein Audio Technica ist sogar eigentlich etwas heller im Gesamteindruck.

    Viele Grüße

    Roman

  • So, um mal einen kleinen Break rein zu bringen und die Gemüter zu beruhigen habe ich nun mal quergetauscht. Getauscht wurde nicht nur das System, sondern im Anschluss auch mal die VV. Ergebnis:

    Das Goldring klingt auf dem JBL so wie ein Tonabnehmer sollte. Alle Details und Höhen sind da. Das 2M Blue verliert marginal etwas an Detail an dem Dual gegenüber am JBL.

    Aber nochmal: Ich finde es toll wenn Lösungsansätze für das Problem kommen! Damit wollte ich euch aber gar nicht so lange beschäftigen, sondern nur Antworten auf meine Fragen haben. Um mehr ging es mir gar nicht, da es hier im Board bestimmt wichtigere Probleme mit simpleren Lösungen gibt;)

  • Ja, aber die Resonanzfrequenz sinkt bei Erhöhung der Kapazität.

    Ich bin da sicher kein Profi, aber wenn die Resonanzfrequenz bei Erhöhung der Kapazität sinkt, dann steigt sie bei Reduktion der Kapazität und liegt dann irgendwann außerhalb des hörbaren Bereichs und taucht auf dem Frequenzschrieb bis 20 kHz nicht mehr auf.

    Viele Grüße

    Jürgen


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  • Hallo,

    Obwohl das egal ist, über 14 - 16 kHz kann nur noch theoretisch kurz vor der Endrille etwas Verwertbares in der Rille sein.

    Die meisten Lackschnitte enden auch bei 14 kHz, alleine weil Schneidköpfe teuer sind und die nicht kaputtgehen sollen... Der Rest ist Herstellerlyrik

    Peter

    Die Leute blicken immer so verächtlich auf vergangene Zeiten, weil die dies und jenes ›noch‹ nicht besaßen, was wir heute besitzen.
    Es ist nicht nur vieles hinzugekommen. Es ist auch vieles verloren gegangen, im guten und im bösen. Die von damals hatten vieles noch nicht. Aber wir haben vieles nicht mehr.
    (Tucholsky)

  • 14 - 16 kHz kann nur noch theoretisch kurz vor der Endrille etwas Verwertbares in der Rille sein.

    Ich dachte bisher immer, das ist genau andersrum. Zumindest auf meiner dhfi Schallplatte 2 sind die Frequenzen mit Ansage von 20 kHz bis 20 Hz außen auf der Platte.

    Und in meinen jungen Jahren hab ich die 19 kHz noch deutlich hören und die 20 kHz noch erahnen können. Inzwischen hör ich nur noch bis knapp 12 kHz, leider.

    Viele Grüße

    Jürgen


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  • Hallo,

    Reines Rechenexempel: welche Nadel mit welcher Verrundung tastet so eine feine Struktur noch ab - und dann wie oft bis sie "weggedrückt" ist?

    Man rechne einfach mal nach.

    Mit wieviel dB sollte ein 19 kHz Ton ausgegeben werden damit ein Mensch mit "normaler" Hörfläche das wahrnehmen kann?

    Peter

    Die Leute blicken immer so verächtlich auf vergangene Zeiten, weil die dies und jenes ›noch‹ nicht besaßen, was wir heute besitzen.
    Es ist nicht nur vieles hinzugekommen. Es ist auch vieles verloren gegangen, im guten und im bösen. Die von damals hatten vieles noch nicht. Aber wir haben vieles nicht mehr.
    (Tucholsky)

  • Mit wieviel dB sollte ein 19 kHz Ton ausgegeben werden damit ein Mensch mit "normaler" Hörfläche das wahrnehmen kann?

    Laut Beschreibung sind die Töne von 20 kHz bis 11 kHz gegenüber dem 0 dB Pegelton um 16 dB abgesenkt. Wenn deine Hochtöner das aushalten, kannst du den Lautstärkeregler beliebig weit aufdrehen.

    "Normales Hörvermögen" gibt es wohl eher nicht, Kinder und Jugendliche können bekanntlich die 20 kHz noch hören, von da an geht´s dan leider bergab. Mit einem durchschnittlichen Lebensalter um die 40 kannst du vermutlich die Lautstärke voll aufdrehen, die allermeisten werden den Ton trotzdem nicht mehr hören.

    Viele Grüße

    Jürgen


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  • Alle Details und Höhen sind da. Das 2M Blue verliert marginal etwas an Detail an dem Dual gegenüber am JBL.

    Du hast den Tonarm richtig ausgependelt und die Auflagekraft korrekt eingestellt?

    Ich habe es mal hinbekommen, die Null nicht gefunden zu haben und stattdessen auf das vermeintliche Skalenende ausgependelt - gab auch nette Effekte 🤦‍♂️😉

    Beste Grüße Rainer

    ----

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    Alan Parsons

  • GELÖST! Alle Fragen konnte ich mir am Ende selbst beantworten und der Klang ist jetzt hervorragend! Gestern Abend noch mit Gästen einige Platten zwischen Dual und JBL quergetauscht, mit dem Ergebnis das 90% aller Songs sich für alle auf dem Dual nun besser anhören als auf dem JBL:)

    Was habe ich geändert? Ganz banal das Kabel um ca. 40cm gekürzt, die Steckhülsen zur TA Verbindungsplatte entfernt und direkt gelötet und neue RCA Stecker angelötet. Gemessen sind es jetzt auf den Punkt 149pF. Plus die kleinste einstellbare Kapazität von 47pF am VV kommt das ganz gut hin mit den Angaben von Goldring. Scheint also tatsächlich sehr empfindlich auf zu hohe Werte zu reagieren, dass E3:/

    Leider hatte ich keine Möglichkeit den Wert des gekürzten Dual Kabels vor dem verlöten zu messen, also ohne TA Verkabelung, da dass Meßgerät erst danach vom Boten geliefert wurde. Hätte mich mal interessiert, inwieweit man mit anderen Kabeln das Ganze noch mehr runterdrücken kann, um in Zukunft flexibler zu sein.

    Jetzt bin ich happy, vielen Dank an euch alle, die ihre Zeit investiert haben um das Problem zu lösen. Wieder viel dazu gelernt!:thumbup:

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