Moin,
wie schon im Klassikerneuzugangsthread gezeigt, habe ich seit kurzem ein C830, das ich zusammen mit dem eigentlich gesuchten CV1600 im komplett funktionierenden und mit einem direkt vor dem Verkauf in einer kleinen Fachwerkstatt durchgeführtem Service erhalten habe:
Da ich leider inzwischen doch vom Audiokassetten-Virus befallen bin, möchte ich das Gerät jetzt nicht einfach weiterreichen, sondern verstehen lernen, sowie alle Einstellungen überprüfen und, wenn nötig, korrigieren. Da das Thema Tapedecks für mich komplett neu ist, werden da bestimmt viele Fragen an die hier im Board ja glücklicherweise vorhandenen Experten auftauchen, weshalb ich dieses Thema eröffnet habe und hier meine Schritte und die auftretenden Probleme/Fragen dokumentieren werden.
Zunächst die bisherige Bestandsaufnahme, insbesondere im Hinblick auf den ja gerade gemachten professionellen Service:
Soweit ich es durch einfaches Hineinschauen überblicke, ist es gesäubert worden und Knallfrosch und zwei der drei Sicherungen sehen neu aus. Die Elkos (Elna) sehen alle äusserlich sehr gut aus, müssten aber noch die originalen sein. Die Trimmer haben ausnahmslos schwarz oxidierte Schleifer, sehen aber ansonsten durchaus gut aus.
Alle Lager scheinen gereinigt und perfekt sparsam geölt/gefettet zu sein. Die Riemen sind alle da und auch intakt, fühlen sich aber sehr schlaff an:
Mir fehlt der Vergleich, aber da auch das Spulen sehr schleppend ist und bei mechanisch schlechteren Kassetten die Stoppfunktion auch schon mal im Play-Modus anspringt, habe ich ein Ersatz-Set bestellt und werde dann ja sehen, welche Spannung "normal" ist ![]()
Die Köpfe sehen für mein Verständnis gut aus:
Den ganzen Bereich muss ich aber gründlich reinigen und der Andruckfilz sollte wohl erneuert werden.
Da ist gleich die erste Frage:
Womit ersetze ich den Filz. Kann man da einfach ein Stück einer ungefärbten Filzplatte nehmen? Wie dick ist der im Original?
Die linke Schraube, mit der der Azimut justiert wird, sieht deutlich benutzt aus und ist nicht wieder verlackt worden - das ist also kaum noch original.
Funktion:
Grundsätzlich läuft das Deck, alle Funktionen sind gegeben. Der Transport scheint aber etwas schwächlich zu sein. Auffällige mechanische Geräusche im Laufwerk (Zahnräder etc.) kann ich nicht ausmachen.
Klang:
Ich habe inzwischen ca. 10 ganz unterschiedliche Kaufkassetten, eine CRII und ansonsten Fe I. Diese klingen sehr unterschiedlich, von ganz hervorragend bis komplett unhörbar. Da diese Kassetten alle aus der Verkaufshalle eines gemeinnützigen Entrümpelungsunternehmen stammen, kann ich deren Qualität/Brauchbarkeit aber auch gar nicht einschätzen.
Eigene Aufnahmen auf neues Fe-Band klingen für mich überraschend gut.
Geschwindigkeits- und Gleichlaufmessung:
Ausgerüstet mit meiner neu erstandenen Messkassette...
... und der NAK T-100 Sofware habe ich dann mal geschaut, ob sich mein Höreindruck eines sehr guten Gleichlaufs auch messtechnisch bestätigen lässt:
Das Bild zeigt nur einen (der besseren) Snapshots, der Gleichlauf schwankt über das Testband zwischen +0,5 und +0,7%, W&F zwischen 0,07 und 0,09%.
Damit ist der Gleichlauf deutlich schlechter als die angegebene Messbandtoleranz (+/-0,25%). Hier warte ich mal ab, was neue Riemen noch bringen...
W&F sind dagegen locker innerhalb der Messbandtoleranz von <0,1%, damit kann ich wohl erstmal zufrieden sein.
Azimut-Messung:
Da meine vorhandenen fremd bespielten Kassetten keinen eindeutigen Hinzweis auf eine schlechte oder gute Azimuteinstellung liefern, war ich besonders gespannt auf das Ergebnis mir der entspechenden Messkassette:
Und das war erstmal überraschend:
Nicht nur, dass die Ellipse wirklich sehr breit ist - sie zeigt auch in eine für mich ungewohnte Richtung, fast 90° phasenverschoben. Ich habe dann erstmal gegoogelt, ob das vielleicht im Gegensatz zu Spulentonbandgeräten, wo ich inzwischen geübt in der Azimuteinstellung bin, bei Tapedeckst so üblich oder als Standard festgelegt ist. Das konnte ich dann aber ausschliessen.
Es wird wohl ein Rätsel bleiben, ob das absichtlich so eingestellt wurde (vielleicht beim erfolgten Werkstattservice), um den Stereoeffekt zu vergrößern oder einfach falsch gemacht wurde bzw. gar nicht kontrolliert wurde. Im Tobandforum habe ich auch einen Hinweis gefunden, dass es Messbänder aus anderer Quelle gibt, die angeblich genau 90° gegen die Bänder von Herrn Roth verschoben sind!?
Ich habe das jedenfalls erstmal korrigiert und optmiert:
Das ist wiederum ein Snapschot einer sich real ständig öffnenden und schliessenden Ellipse. Das Bild zeigt aber in etwa die maximale Öffnung und das wäre auch für ein Revox A77 schon verdammt gut ![]()
Der anschliessende Hörtest mit dem Sammelsurium meiner Kaufkassetten mit komplett unbekanntem Aufnahme-Azimut war, wie erwartet, keine Offenbarung. Die Kassetten, die vorher schon gut klangen, wurden etwas ausgewogener wiedergegen, bei den vorher schon schlechten blieb es schlecht.
Bei der Laufwerkgeschwindigkeit bin ich jetzt neugierig, ob neue Riemen die gewünschte Verbesserung bringt. Wenn nicht, werde ich wohl Hilfe brauchen, um die richtigen "Stellschrauben" zu finden...
Unabhängig davon werde ich im nächsten Schritt den Wiedergabezweig überprüfen und nötigenfalls korrigieren.