• hallo,

    ich wusste nicht so genau, wohin ich diesen Thread posten sollte, aber weil das Gerät ja doch von einem 1249 dominiert wird, habe ich es mal hierhin gepackt. Wenn das nicht gewünscht ist, könnt Ihr den Thread gerne verschieben.

    Es geht um ein relativ seltenes exotisches Gerät, bei dem ich noch nicht mal den richtigen Artikel benennen kann - das PC1000 oder die PC1000 :


    067.jpg


    Grundig hatte um 1976 herum die Idee, "Kompaktanlagen ohne Kompaktanlage" zu bauen, Geräte, die Plattenspieler und Cassettendeck enthielten, wie eine Kompaktanlage aussahen, aber ohne separaten Verstärker/Receiver nicht lauffähig waren. Der Ursprung dieser Idee stammt aus den 1950igern, da hat man Kombinationsschränke bzw. Schatullen mit Plattenspieler UND Tonbandgerät gebaut, die aber noch ein Röhrenradio brauchten, um zu funktionieren. Ja, ich weiß, dass es das mit Plattenspieler alleine von vielen Herstellern gab, aber mit Plattenspieler UND Tonbandgerät, da fällt mir jetzt kein anderer als Grundig ein.

    1976 gab es auf jeden Fall zwei Versionen, das oder die große PC1000 und das kleinere Modell PC500. Dass die Kisten heute so rar sind, liegt nicht nur daran, dass sie relativ wenig verkauft wurden, sondern auch daran, dass sie vielfach wegen der schwarzen Plattenspieler Versionen gefleddert wurden. Ich hätte z.B. auch lieber die kleiner PC500 gehabt, weil die besser zu dem gepasst hätte, was ich vor habe, aber jetzt ist es halt das große Modell geworden. Das Gerät soll mit einem anderen Grundig Exoten verbunden werden, dem Tonbandgerät TK850FM. Das ist auch so eine Grundig Erfindung, ein Tonbandgerät mit integriertem HiFi Verstärker und integriertem FM Radio mit Stationstasten:

    Ein erster Blick unter den Teller des Plattenspielers hat mir gleich wieder einen ersten Grund geliefert, wieso ich den 1249 so hasse. Die Antriebsmechanik sieht überhaupt nicht gut aus - wer sich über Plastik am 741 aufregt, der sollte sich vorher mal diese Schrottkonstruktion angucken. Das Zahnriemenproblem am Pitch Regler ist ja schon bekannt, und der Antriebsriemen muss eh gewechselt werden, hier scheint aber noch ein größeres Problem mit der Umschaltmechanik vorzuliegen - ich bin gespannt, wie es untendrunter aussieht.

    Ein weiteres Problem ist die Haube, die auf der rechten Seite wohl mal Bekanntschaft mit einem schweren Gegenstand gemaxht hat ( siehe oberes Bild ). Da es für das Gerät wohl kaum einen Haubennachbau geben wird, muss ich sie kleben und mit den sichtbaren Rissen leben. Wenn mir jemand hier Tipps geben kann, wie ich die Brüche fixieren kann, ohne die Haube noch mit Klebstoffspuren zu versauen, ich bin für jeden Tipp dankbar. Wenn es jemanden hier gibt, der vielleicht mal irgendwann so ein Gerät als Plattenspielerspender gefleddert und den Rest noch rumstehen hat, könnt Ihr gerne Kontakt mit mir aufnehmen. Für die PC500 werde ich nochmal etwas in der Rubrik "Gesuche" posten.

    Ob der kleine 1226 in schwarz besser aussieht, da kann man geteilter Meinung sein, der 1249 gewinnt aber optisxch deutlich, weil die silbernen Applikationen des Dual Originals irgendwie lieblos draufgepappt aussehen.


    Gruß Frank

    2 Mal editiert, zuletzt von nick_riviera (19. Februar 2026 um 10:18)

  • Den 1249 kann man doch gegen einen anderen Spieler mit Fullsize-Teller austauschen. Bei Grundig liefen die Duals doch ganz normal mit 220 Volt, wenn ich mich nicht irre, da könnte man z.B. einen 621 implantieren. Dann hast du einen tollen Spieler und keinen Ärger mit der komischen Konstruktion des Riemenantriebs. Und das typische Gesumme des SM 840 hast du damit auch nicht.

    "Leeve Mann!", sach ich für die Frau.

    Diethelm :|

  • Ihr versteht das nicht, oder ? Ich sammle die Geräte mit technikhistorischem Hintergedanken, und wenn Grundig ab Werk da einen 1249 in spezieller Farbe eingebaut hat, dann bleibt der auch da drin ;) . Ich krieg das schon hin, und ja, in diesen Kombinationen läuft alles mit 220 Volt. Andere Netzspannungen gibt es nur, wenn ein Receiverteil mit eigenem Netztrafo verbaut war. Hintergedanke war, dass man dem User nur einen Spannungswähler zumuten wollte.

    Gruß Frank

  • Bei Grundig liefen die Duals doch ganz normal mit 220 Volt,

    Nein, nicht immer, wie ich mal durch extreme Wärmeentwicklung bei einem aus einer RPC ausgebauten Dreher festgestellen musste.

    Martins Lieblingsdreher: Dual 1229, Dual 1000/1001, Dual 300 Siesta, Luxor GW1. Alles Weitere im Profil.

  • DIE PC1000 (Schatulle).


    Hi Frank,

    deine Fragestellung bezog sich lediglich auf das Haubenproblem (keine Dual-Wechseltipps oder Hinweise zur Spannungsversorgung)?

    Ich habe leider auch keine Hinweise zwecks unauffälliger Haubenreparatur.

    Welche Maße hat die Haube denn?

    Karsten aus Bielefeld

    ortofan? Shure!

    Einmal editiert, zuletzt von ortofan (19. Februar 2026 um 12:58) aus folgendem Grund: Ein Beitrag von ortofan mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Bei Grundig liefen die Duals doch ganz normal mit 220 Volt,

    Nein, nicht immer, wie ich mal durch extreme Wärmeentwicklung bei einem aus einer RPC ausgebauten Dreher festgestellen musste.

    Die RPC ist eine Kompaktanlage mit Receiverteil. Wie ich bereits weiter oben schrub, hat man da die Versorgungsspannung für den Dreher aus dem Netztrafo des Receivers gezogen, dsmit der Benutzer nicht zwei Spannungswähler beachten musste.

    Bei den PC Kombinationen fehlt aber genau dieser Receiver, das sind nur zwei einzelne Geräte in einem Gehäuse, da läuft dann auch der Plattenspieler mit 220 Volt.

    ortofan - danke der Nachfrage, aber ich möchte gerne die Originalhaube drauf lassen, entweder geklebt oder eine von einer PC1000 Schlachtplatte. Der schwarze 1249 taucht ja öfter in anderer Konsole auf, da müsste dann ja jedes Mal ein PC1000 Rest übrig geblieben sein - oder gabs den 1249 noch in anderen Grundig Geräten ?

  • soo, ich habe das Ding auch mal im Grundig Forum gepostet, und da den Tipp bekommen, dass die Haube der deutlich weiter verbreiteten Kompaktanlage RPC300 passt. Da wird sich was finden lassen, denke ich, ich möchte nur keine komplette RPC300 wegen einer Haube fleddern.


    Gruß Frank

  • Glaubst du im Ernst, dass jemand bei der Entsorgung ausgerechnet die Haube behalten hat? Da wird dir wohl nichts anderes übrigbleiben als eine zu fleddern.

    "Leeve Mann!", sach ich für die Frau.

    Diethelm :|

  • Hallo,

    mal eine kleine Frage: hatte diese PhoCa-Einheit denn einen Entzerrer-Vorverstärker? Müsste ja sein wenn es eine "direkte" Aufnahmemöglichkeit von Platte auf Cassette gab.

    Peter

    Die Leute blicken immer so verächtlich auf vergangene Zeiten, weil die dies und jenes ›noch‹ nicht besaßen, was wir heute besitzen.
    Es ist nicht nur vieles hinzugekommen. Es ist auch vieles verloren gegangen, im guten und im bösen. Die von damals hatten vieles noch nicht. Aber wir haben vieles nicht mehr.
    (Tucholsky)

  • nein - das sind ganz stumpf zwei Geräte in einer Konsoie. An der Rückseite der Konsole gibt es drei Anschlüsse, eine "Radiorecorder-Buchse" für die Netzspannung, und zwei fünfpolige DIN Buchsen, eine für den Plattenspieler und eine für das Tape.

    Am 1249 sind Netzspannung und Tonleitung fest angeschlossen, das Tapedeck, ein CN830, ist einfach nur in die Konsole gestellt, man kann es ohne Werkzeug rausheben. Die Anschlüsse ( Netz und Tonleitung ) sind einfach nur gesteckt, man kann sie abziehen und hat dann ein freistehendes CN830 - es fehlen nur die Seitenblenden. Das ist auch der Grund, wieso es kaum noch PC500 und PC1000 gibt - die Leute haben die Geräte ausgebaut und den Rest weggeworfen. Diese Kombinationen sind wie das TK850FM in einer Zeit entstanden, wo bei Grundig wie bei Dual das große Abwärtstrudeln losging, und man verzweifelt versucht hat, aus dem vorhandene Material irgendwelche konkurrenzfähigen Ideen zu entwickeln. Zur PC1000 soll es sogar einen Unterschrank gegeben haben, Max Grundig konnte bis zum Ende nicht von seinen geliebten Tonmöbeln lassen.

    Gruß Frank

  • Das TK850FM ist an und für sich eine stimmige Kombination, es war halt nur zu spät dafür, weil die technisch zu der Zeit noch wesentlich schlechtere Cassette dank der einfacheren Handhabung das Rennen als Aufnahmemedium bei der Kundschaft machte. Es gab schon vorher solche Geräte von Grundig, also Radio mit Bandgerät in einem Gehäuse, die aber alle keine HiFi-Ansprüche erfüllten. Es hatte sogar 3 Köpfe mit Monitorfunktion. Technisch war es anscheinend weitgehend mit dem TK 845 identisch, das das damalige Spitzenmodell war, bis das berühmte 1000er auf den Markt kam.

    "Leeve Mann!", sach ich für die Frau.

    Diethelm :|

    Einmal editiert, zuletzt von phonesmoke (22. Februar 2026 um 13:03)

  • Max Grundig ist in den siebzigern einem fatalen Irrglauben gefolgt, den er sogar mal in einer Talkshow mit Joachim Fuchsberger selber zum besten gegeben hat. Grundigs große Errungenschaft, die ihn groß gemacht hat, war, dass er früh auf UKW Rundfunk und das Tonband gesetzt und beides volkstümlich gemacht hat.

    Grundig hat dann im Fernsehen keine neu hinzukommende Technologie gesehen, sondern die Nachfolge des Radios, und als zeitweise größter Tonbandgerätehersteller der Welt lag es nahe, dass er nach dieser Logik auch im Videoband die Nachfolge des Tonbandes gesehen hat und es für ihn kein Nebeneinander gab.

    So ist Grundig eigentlich viel zu früh - schon in den 1960igern - mit Videoaufzeichnungsgeräten auf den Markt gekommen, und als er gemerkt hat, dass es mit dem Durchbruch an der Videofront wohl noch dauern und noch weitere Investitionen kosten würde, hat er das übrige Sortiment eher lustlos als "Cashcow" weiterlaufen lassen.

    Speziell bei den Musikgeräten war er völlig blind dafür, dass die "Nach 68-iger" sehr wohl Interesse an reinen Audiogeräten hatten und das Fernsehen eher als verhasstes Medium der Kriegsgeneration galt. Das letzte durchgängige HiFi Programm von Grundig kam um 1970, danach wurde es ein zunehmendes Durcheinander mit technisch überholten Geräten, die nicht zueinander passten. Die Tonbandgerätegeneration, zu der das TK850 gehörte, war technisch nur eine Weiterentwicklung der TK2xx Geräte in neuem Gehäuse und mit aufgesetzter Tipptastensteuerung. Das kleinste Gerät aus der Serie, das TK545 / 547, hatte sogar noch die Einhebelbedienung aus den 1960igern, und das zu einer Zeit, wo die Japaner grade anfingen, einen der Kernmärkte von Grundig mit Prozzo Bandmaschinen zu überschwemmen.

    Hinzu kamen bei Grundig immer so komische konzeptionelle Dinge - die Hinterbandkontrolle in mono z.B., nur im TK850 gibt es Hinterbandkontrolle in stereo, obwohl die 7xx und die 8xx drei vollwertige Köpfe haben. Oder das eine VU-Meter und nur ein Aussteuerungsregler für beide Kanäle. Oder das Weglassen der eingebauten Lautsprecher im TK850. Und selbst als man dann ( zu ) spät zwei wirklich ordentliche Großspuler hinterherschob, begrenzte man bei dem kleineren Modell, dem TS945, die Spulengröße auf 22cm - das muss man nicht verstehen.

    Als Sammler finde ich es aber grade interessant, sich mit den Skurrilitäten und Irrwegen von damals zu beschäftigen, die sagen manchmal mehr über die Zeit aus, als die Allerweltsgeräte. Gerade bei Grundig finde ich es besonders schade, weil der als einziger deutscher Hersteller die Größe hatte, um es mit den Japanern aufnehmen zu können. Zu was Grundig fähig war, konnte man um 1980 mit dem neuen HiFi Programm sehen - da kann man noch im Nachhinein den Hut ziehen, und wäre nicht kurz später um 1985 die weltweite Krise am Unterhaltungselektronik Markt nachgekommen, hätte es Grundig vielleicht sogar noch geschafft, eigenständig weitermchen zu können.

    Gruß Frank

    Einmal editiert, zuletzt von nick_riviera (22. Februar 2026 um 12:30)

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