Noch ein Stroboskop für den Dual 704 / 721

  • Nachdem ich bereits meine erste Version eines nachbaubaren Stroboskops hier vorgestellt habe, folgt nun die zweite – und wahrscheinlich auch letzte – Ausführung.

    Mein Ziel war es, einen Ersatz zu entwickeln, der folgende Anforderungen erfüllt:

    • Aufbau auf einer professionell gefertigten Platine (kein Lochraster)
    • geringe Bauhöhe durch SMD-Bauweise
    • gute Ablesbarkeit, auch beim Sägezahnteller
    • keine irreversiblen Veränderungen am Plattenspieler

    Im oben verlinkten Thread wurden bereits Untersuchungen angestellt, wie die Stroboskop-Schaltung des 708 angepasst werden muss, damit sie zuverlässig arbeitet. Diese Erkenntnisse habe ich übernommen – und die Simulationsergebnisse sehen erfreulich gut aus:

    02_dual_stroboskop_smd_ltspice_schmaler_impuls.webp

    Die Schaltung war fix in EAGLE zusammengeklickt:

    27_dual_stroboskop_smd_eagle_schaltplan-1024x621.webp

    Bei meiner ersten Version habe ich keramische Kondensatoren eingesetzt. Die haben sich allerdings als ziemliche Radaubrüder entpuppt – sie machten leichte Geräusche. Im normalen Betrieb fällt das zwar nicht auf, aber wenn man mit dem Ohr dicht an den Plattenspieler geht, ist es hörbar.

    Für den zweiten Versuch bin ich deshalb auf Tantal-Kondensatoren umgestiegen.

    Das Board war dann schnell erstellt:

    28_dual_stroboskop_smd_eagle_board-1024x406.webp

    Die Bestellung aus China hat zwar ein paar Wochen gedauert, aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Die Platinen sind top geworden – sauber verarbeitet und maßgenau.

    29_dual_stroboskop_smd_platine_bestueckungsseite-1024x683.webp

    Nach dem Bestücken sieht das Ganze so aus:

    32_dual_stroboskop_smd_platine_bestueckt-1024x683.webp

    Der Höhenunterschied zur alten Lochraster-Lösung ist schon enorm. Diese hatte ich zwar jahrelang im Einsatz, aber gestört hat mich immer, dass die Platine unten am Chassis überstand. Dadurch konnte das Chassis nicht ganz frei schwingen. Im Betrieb merkt man das zwar kaum – aber mich hat’s trotzdem genervt.

    14_dual_stroboskop_smd_lochraster-1024x683.webp

    Ein weiteres Problem war die Befestigung des Prismas. Es liegt es lose im Chassis und wird vom bisherigen Stroboskop in Position gehalten – das neue SMD-LED-Stroboskop übernimmt diese Funktion allerdings noch nicht.
    Die naheliegende Lösung wäre, das Prisma einfach festzukleben. Das wäre aber leider nicht mehr rückgängig zu machen. Also musste eine bessere, reversible Lösung her.

    15_dual_stroboskop_smd_prisma_704-1024x683.webp

    So habe ich ein kleines 3D-Teil entworfen, das gleich mehrere Aufgaben übernimmt: Es dient als Abstandshalter, klemmt das Prisma sauber an der richtigen Stelle fest und hat zusätzlich noch eine Nut, durch die das Anschlusskabel geführt wird.

    33_dual_stroboskop_smd_3d_model-1024x648.webp

    Platine und Abstandshalter ergeben zusammen ein schönes Paar.

    35_dual_stroboskop_smd_abstandshalter_platine-1024x682.webp

    Platine, Abstandshalter und Prisma – alles passt perfekt an seinen Platz.

    36_dual_stroboskop_smd_eingebaute_platine_704-1024x683.webp

    Hier noch mal der Blick von oben – ohne Prisma. Die LEDs sitzen genau dort, wo sie hingehören. Die gelben Tantal-Kondensatoren habe ich später noch schwarz angemalt. Dadurch sind sie nicht durch das Prisma sichtbar.

    37_dual_stroboskop_smd_lage_der_leds-1024x683.webp

    Angeschlossen wird das Ganze an der Versorgungsspannung der Motorsteuerung – in der Regel ein graues Kabel vom Netzteil. Auf gar keinen Fall darf das Stroboskop an der Zuleitung des alten Stroboskops angeschlossen werden. Das alte Stroboskop kann komplett entfernt werden.

    Jetzt wollte ich natürlich noch überprüfen, ob die Schaltung richtig funktioniert. Dafür habe ich mit einem BPX 38 Fototransistor und einem Widerstand eine kleine Messapparatur gebaut und diese an die LED gehalten. Das Messergebnis sieht sehr gut aus. Die Lichtimpulse sind sehr schmal und die Periodendauer beträgt 20ms (50Hz).

    21_dual_stroboskop_smd_anzeige-Oszilloskop.webp

    Diese Version funktioniert jetzt endlich perfekt – genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die LEDs sitzen an der richtigen Stelle und beleuchten das Stroboskop optimal. Die Ablesbarkeit ist erstklassig, selbst beim Sägezahnteller. Es ist komplett geräuschlos, lässt sich ohne Änderungen am Plattenspieler einbauen und auch wieder rückstandsfrei entfernen.

    Dual 704, Pickelteller, grün

    23_dual_stroboskop_smd_pickelteller_gruen-1024x683.webp

    Dual 721, Sägezahnteller, orange

    24_dual_stroboskop_smd_saegezahnlteller_orange-1024x683.webp

    Die ganze Sache habe ich übrigens noch detaillierter auf meiner Homepage beschrieben. Dort gibt es auch die Gerber-Dateien für die Platinenherstellung, das STL für den 3D-Druck sowie die Bestelllisten für Reichelt.

    Auch bei dieser Version musste ich wieder eine Mindestmenge an Platinen fertigen lassen – mehr, als ich Plattenspieler habe. Wer also Interesse an einem fertig aufgebauten Stroboskop für den 704/721 hat, kann sich gern melden. Ich habe auch die passenden Schrauben, Unterlegscheiben und Kabel dazu. Selbstverständlich gehört auch das 3D-Teil dazu – also ein richtiges Rundum-sorglos-Paket.

  • Nicht so professionell :) Einfach auf einer Lochrasterplatine und nur die LED ist beim Strobo-Fenster.

    Also keine Fertiglösung wie bei deiner Schaltung, sondern ein Bastelvorschlag.

    Versorgung direkt aus der stabilisierten Gleichspannung

    Fotos vom Aufbau habe ich leider keine

    Viele Grüße
    Alois


    Dual 721 mit Ortofon OM30, getrennten Massen, quarzgesteuertem Stroboskop, Hitachi HCA 7500, Hitachi HMA 7500, Hitachi D-900, Saba MT201, RFT CD9000, Canton GLE 409

  • Genial, Norman!

    Da müsste ich mir glatt nochmal einen 704 angeln. ;)

    Gruß Gerd

    Dual 714Q silber, Dual-Leuchtwürfel
    Technics SL-Q2, der Dicke, silber
    Technics SL 1300, der Schicke, ist eh silber
    Ansonsten Onkyo und Yamaha, alles silber ;)

  • Kommt Zeit, kommt Dual...


    Nicht so professionell :) Einfach auf einer Lochrasterplatine und nur die LED ist beim Strobo-Fenster.

    Also keine Fertiglösung wie bei deiner Schaltung, sondern ein Bastelvorschlag.

    Versorgung direkt aus der stabilisierten Gleichspannung

    Fotos vom Aufbau habe ich leider keine

    Die Quarzschaltung ist mir bei meiner Recherche auch über den Weg gelaufen. Ich hab die dann aber verworfen, weil ich die ganzen Käfer wahrscheinlich nicht auf die Platine bekommen hätte.

  • Klar, die Ziele sind ja völlig unterschiedlich:

    bei dir eben ein Projekt, das einem Fertigbaustein gleicht und die Gasentladungslampe durch eine LED ersetzt und auch optisch sehr gut gelungen ist und sicher auch von anderen gut und einfach zu installieren ist

    Bei mir das Ziel, unabhängig von der Netzfrequenz zu sein

    Viele Grüße
    Alois


    Dual 721 mit Ortofon OM30, getrennten Massen, quarzgesteuertem Stroboskop, Hitachi HCA 7500, Hitachi HMA 7500, Hitachi D-900, Saba MT201, RFT CD9000, Canton GLE 409

  • Hallo Norman,

    ich bin jetzt einen Schritt weiter gegangen und habe vor allem das lästige Problem beseitigt, dass das Stroboskop beim Pickelteller bei 45 U/min falsch anzeigt. Das liegt daran, dass die Pickelzahl mit 133 nicht auf 50Hz oder 100 Hz passt. Ich habe eine Quarzsteuerung gebaut die mit einem Schalter auf 100Hz bzw. 99,75Hz umschaltet (dazu muss man für die Umschaltung allerdings einen mehrpoligen Schalter einbauen, denn wie soll das Strobo sonst erkennen, welche Geschwindigkeit gefahren wird). Ich habe nach langem Suchen einen Quarz mit 7,98MHz gefunden, den man sowohl durch 400 als auch durch 399 ganzzahlig teilen kann, um dann schlussendlich die beiden Frequenzen zu erhalten. Sind allerdings vier ICs zu verbauen. Wer verrückt genug ist und Interesse hat, ich sende gerne die Gerberdateien (den Quarz gibts bei Ali-Express). Zudem habe ich auch eine Fußplatte als stl 3D-Druck Datei, die genau passt und auch das Prisma wieder ordentlich in Position bringt. Stelle ich ebenfalls bei Bedarf zur verfügung.

  • Danke für deinen Input. Deine Lösung sieht echt super aus. :thumbup:

    Wie teilt man denn vernünftig durch 399, mit einem Schieberegister mit 399 Stellen? Und wenn ich mich nicht verrechnet habe, musst du ja dann noch mal durch 200 teilen, um auf die richtige Frequenz zu kommen. =O

    Über dieses Problem habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Du hast natürlich Recht. Bei 100Hz dreht sich der Plattenteller mit 45,11 Umdrehungen pro Minute wenn das Strooskop still steht. Gottseidank hat mein Dual 704 einen Sägezahnteller. Da wird die 45er Geschwindigkeit nur grob geschätzt. Wobei man deinen Ansatz natürlich auch verwenden kann, um die 45 Umdrehungen darstellen zu können. Das Stroboskop muss in diesem Fall einfach mit 67,5Hz blinken.

  • Ich teile mit dem ersten 74HC40103 durch 210, mit dem zweiten durch 190, ergibt 39.900 und nach nochmaliger Durch-Zwei Teilung mit dem 74HC390 erhalte ich somit 100Hz. Dann schalte ich die Pins um und erhalte 160 und 250, ergibt 40.000. Das teile ich dann wiederum durch 2 und erhalte so 99,75Hz...

  • Man kann die Pins schon alle zusammen schalten, es genügt also ein Schalter... Nur hat der Standardschalter am Plattenspieler leider nur einen Schaltkreis, man muss ihn also austauschen. Leicht erhältliche Schalter (die übrigens ohne Umbau in das bestehende Schaltergehäuse passen) haben etliche, oft 12 Schaltkreise, wobei man einen für die Umschaltng des Antriebs und einen weiteren für das Strobe verwendet. Der Aufwand ist also überschaubear (so ein Schalter kostet so 2-3 €)

  • Das mit dem Ersatzschalter ist interessant. Der muss ja auch die Mechanik bedienen. Hast du einen Link auf so ein Teil? Das ist auch spannend, wenn der alte Schalter Probleme macht und der Gleichlauf spinnt.

    Übrigens kam mir dein Layout mit den 4 LEDs irgendwo her bekannt vor. Und dann ist es mir wieder eingefallen. Du verkaufst bei eBay unter dem gleichen Namen Stroboskope. Sogar mit 3D gedrucktem Abstandshalter. In diesen hast du aber mehr Gehirnschmalz reingesteckt als ich. Am Ende hatten wir wohl die gleiche Idee. Selbst die Schaltung und die Form der Platine sind sehr ähnlich zu der oben gezeigten Lösung.

  • Ja das ist richtig, wir hatten uns schon auf deiner Seite ichwillinsinderned oder so ähnlcih dazu ausgestauscht. Da ging es ja nur um die Kürze der Pulse, aber danach dachte ich über eine Quarzlösung nach (die habe ich sogar auch noch gebaut), das war noch nicht so kompliziert. Und dann ging der Prefektionismus mit mir durch. Jedenfalls, die Elektronik mit der korrekten Umschaltung habe ich enemfalls gebaut und es funktioniert perfekt in meinem Dual. Link zum Schalter: https://www.reichelt.de/de/de/shop/pro…en_printk_-7216


    Die grundlegende Schaltung für die Dioden stammt ja von Dir (bzw. in Anlehnung von irgendeinem neueren Dual), die ich habe ich ja nur mit LT Spice für die Impulslänge modifiziert.

    Einmal editiert, zuletzt von targetps (2. Dezember 2025 um 15:10) aus folgendem Grund: Ein Beitrag von targetps mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Sorry, bei dem Schalter muss man einen mit 12 Stellungen und mindestens zwei Umschaltungen raussuchen, damit der Drehwinkel für eine Schaltung 30° entspricht, damit es in die bestehende Mechanik passt (der Hebel des Original-Poti ist mit einer Stellscharube ebenfalls an einer Welle befestiggt mit dem gleichen Durchmesser)

  • Habe die Kontakte zur Seite gebogen und die nicht benöigten abgeschnitten. Unter den Kontakten bleibt ein halber Millimeter Luft, reicht also gerade. Habe zur Vorsicht eine dünne Moosgummimatte dazwischen gelegt

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