CS 621 Motor Dreht zu Schnell

  • Hallo zusammen,

    Anfang der Woche bin ich endlich dazu gekommen mich an das Projekt zu setzen meinem Dual 621 Plattenspieler, welcher leider direkt nach dem Kauf den Geist aufgegeben hatte, neues Leben einzuhauchen. Der dicke Elko im Netzteil war offensichtlich ausgelaufen, ich habe direkt noch ein paar weitere uebliche Problemverursacher ersetzt.

    Das Ergebnis war das der Teller wieder dreht, nur leider viel zu schnell. Mit Teller dreht der Motor Anfangs langsam und wird dann zuegig immer schneller. Dies liegt aber nur an der Wucht des Tellers. Ohne Last dreht der Motor aus dem Stand direkt viel zu schnell.

    Ich hatte nun nach ein bisschen Recherche C2, C3, oder C4 in Verdacht. C2 hatte ich schon im ersten Wisch ersetzt. C3 und C4 habe ich dann noch durch Elkos ersetzt. Dies brachte leider keine Besserung. Da ich auf dem Schaltplan sehen konnte, dass C5, C6, und C7 auch im Signalweg des Generators liegen, habe ich diese auch ersetzt. Auch das brachte keine Besserung.

    Insgesamt habe ich nun (auf der Motorsteuerplatine) C1-7, C11, und C13 ersetzt.

    Ein Problem mit der Spannungsversorgung kann ich ausschliessen, ich habe das Board zum Testen extern mit 20.5V versorgt.

    Mit dem Oszi kann ich sehen, dass ueber den Motor die komplette Versorgungsspannung abfaellt. Dies hatte ich auf Grund des Verhaltens schon vermutet. Also regelt die Motorsteuerung komplett hoch, aber wieso?

    Direkt am Generator kann ich ein Signal mit ca 200Hz und einer Amplitude von 5mV sehen. Diesem Signal ist noch eine langsamere Schwingung ueberlagert. Ich schaetze so im Bereich von 1-5Hz und mit einer aehnlichen Amplitude. Was genau bedeutet das Signal des Generators und welche Frequenz und Amplitude sollte es haben?

    Den Pitch-Poti habe ich durchgemessen, da sieht alles okay aus. Den R8 Poti habe ich nur im eingeloeteten Zustand gemessen. Das ist natuerlich nicht die korrekte Art, aber es sah okay aus und das Problem tritt sowohl bei 33.3 als auch bei 45 U/min auf. Der Umschalter ist laut meiner Messung auch okay.

    Damit ist mein (noch) duerftiges Schaltungswissen langsam am Ende. Ich bin sehr gewillt noch weitere Teile zu tauschen und das Geraet komplett mit dem (analog) Oszi durchzumessen, bis ich dem Fehler auf die Schliche gekommen bin, da fehlt mir aber leider der Ansatz und das Wissen, wie die Signale richtig aussehen sollten.

    Ich bin hier fuer jegliche Hilfe sehr Dankbar und liefere auch gerne noch weitere Infos und Messungen nach.


    P.S.: Kann ich den Motor bedenkenlos zum in Ruhe Messen auf Vollgas laufen lassen? Bisher schalte ich immer moeglichst nach ein paar Sekunden wieder ab. Der Gesamtverbrauch liegt bei 80-85mA, die T67mA Sicherung wuerde das wohl nicht fuer immer mitmachen.

  • Hallo,

    da ist ein EDS 500 Motor verbaut den kannst Du mit 5-12 Volt ohne Regelung kurzzeitig betreiben.

    Also regelt die Motorsteuerung komplett hoch, aber wieso?

    Die regelt nicht hoch, es wird garnicht geregelt.
    Offensichtlich ist die Regelung irgendwo unterbrochen.
    Es gibt außer mechanischen Schäden nichts an dem Motor, was sich nicht beheben läßt.
    Es ist ein "normaler" Gleichstrom Mototor mit Schleifkohlen.

    Erstmal ein Zitat, (Wacholder):
    Bezieht sich zwar auf den EDS 502 ist aber im Prinip gleich. Tachospule sind die beiden braunen Kabel.
    Motorspannung : rot /blau DC
    Grundsätzlich lassen sich alle EDS 5xx Motore miteinander tauschen.

    Hochgeschwindigkeits-Drehen ist in der Regel ein Verlust des Signals vom Tachogenerator oder innerhalb der Schaltung, die das Signal in ein verwertbares Ist-Drehzahl-Signal umwandelt.
    1. Prüfen, ob die +12V am Spannungsregler rauskommen.
    2. Prüfen, ob die Spule vom Tachogenerator Durchgang hat. Ich meine, die hat so um 20 Ohm.
    (Der Motoranschluß muß zum Messen abgezogen werden. Die beiden Kabel Pin 5 + 6 sind Tacho)
    3. Prüfen des Drehzahlschalters, ob beide Zweige sauber schalten.
    4. Prüfen des Pitchpotis auf Ende-zu-Ende Widerstand (2K) und ob der Schleifer einen Wert zwischen 0 - und 2K einstellen kann und nicht abgerissen ist.
    5. Ausbauen, prüfen und ggf. austauschen der beiden Elkos C9007 (0.47µF) und C9006 (47µF)
    Wenn das nichts bringt:
    6. Tauschen des gelegentlich suizidalen OpAmps RC4558 gegen einen anderen oder kompatiblen.
    An sich sollte der dann wieder mit der richtigen Drehzahl laufen.

    Alles was ich bisher hatte ist/ war auf dieses Zitat zurückzuführen. Den 555 bzw. kompatibel, setze ich dann auf einen Sockel.
    .

    Grüße Gernot
    Es soll ja Leute geben, die hören, ob das Lautsprecherkabel rot oder blau ist.

    5 Mal editiert, zuletzt von papaschlumpf (31. Juli 2025 um 07:19)

  • Hi !

    Zusätzlich zu dem, was Gernot schon angesprochen hat:

    Erstmal das Servicemanual vom 621:
    Dual 621 Service

    Der Motor gibt in der Regel nicht einfach so den Geist auf. In 9 von 10 Fällen sind es Bauteile auf dem Controlboard, die altersbedingt sterben. Hier ist ein Bild der Platine:
    https://www.hifi-archiv.info/Dual/621s/Dual%20621%20Service-006.jpg

    Das sind zuerst die beiden Kondensatoren, die das sehr schwache Tachosignal vom Tachogenerator (die beiden dünnen Kabel zu den Boardpins 2 und 11) von den Betriebsspannungen abkoppeln. Zwischen den beiden Pins ist mit dem Multimeter der Widerstand der Tachospule meßbar. Braucht vielleicht einen Moment, bis sich die Kondis drumherum aufgeladen haben, sollte dann aber im Bereich zwischen 20 - 30 Ohm herum liegen. Da sind dann die beiden Elkos C2 (220µF) und C3 (0.47 µF). Bei denen ist es so, daß ein Schaden das Tachosignal abwürgt und dann hat die Elektronik nix mehr, wo sie nachregeln kann und der Motor geht in den Turbomodus. Weil: kein Tachosignal bedeutet "Der Motor steht" - und dann gibt die Schaltung Vollgas.

    Vorbeugend sollte auch noch der Elko C1 (47µF) gewechselt werden, der die Hilfsspannung zum Betrieb der beiden ICs stabilisiert.

    Wenn das Austauschen der Elkos nix gebracht hat *und* die Tachospule nicht offen ist (= kein meßbarer Widerstand) dann hat es entweder das CMOS IC 4069 oder das Timer-IC 555 zerrissen. Das passiert einmal aufgrund der Bauteile-Alterung *oder* weil der 1000µF Haupt-Netzteil-Kondensator (in dem Trafokasten) nicht mehr auf der Höhe ist und auch der vorher schon angesprochene C1 (47µF) für die Hilfsspannung seinen Job nicht mehr macht. Dann kommt es beim Einschalten zu Spannungsspitzen in der Stromversorgung, die leicht mal 20V übersteigen und die ICs mögen das nicht wirklich.

    Bei der Renovierung der Schaltung würde ich auf jeden Fall die beiden Potis zur Grundeinstellung der Geschwindigkeit mal großzügig mit einem Elektronikreiniger oder Kontakt-61 einsprühen und ein paar Mal Ende zu Ende hin und her drehen. Ebenso das Pitchpoti prüfen (Ende zu Ende = 2.5K und Ende zum Mittelkontakt sollte sich zwischen 0 und 2.5K einstellen lassen) sowie die Funktion des Drehzahl-Umschalters prüfen. Der ist auch so ein Kamerad, um die Drehzahl in die Höhe gehen zu lassen, weil er an den Pin 6 vom 555 keinen Bezugswert liefert, wenn die Kontakte nicht mehr sauber schalten.

    So. Und jetzt werde ich mal zu meinem täglichen Job abrücken.

    ;)


    Das Ergebnis war das der Teller wieder dreht, nur leider viel zu schnell. Mit Teller dreht der Motor Anfangs langsam und wird dann zuegig immer schneller. Dies liegt aber nur an der Wucht des Tellers. Ohne Last dreht der Motor aus dem Stand direkt viel zu schnell.

    Hierzu noch eine Anmerkung: Der Motor *braucht* die Masse des Tellers, um einen Zeitverzug für die Regelung zu haben und sie zu steuern. Der Motoranker selber hat zu wenig Masse, dreht ruckzuck hoch und die Regelung würgt ihn sofort wieder ab. Daher dreht er ohne Teller nur so spastisch.

    :)

    Peter aus dem Lipperland

    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

    Einmal editiert, zuletzt von wacholder (31. Juli 2025 um 08:46) aus folgendem Grund: Ein Beitrag von wacholder mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Danke fuer die ganzen Anregungen!

    Ich hatte heute morgen nochmal Zeit mich dem Patienten zu widmen.

    Ich habe nun saemtliche Kabel abgeloetet und alles durchgemessen. Habe lange Kabel angeloetet, damit ich das ganze einfach testen kann, waehrend der Dreher in der Zarge liegt. Somit habe ich die Wucht des Tellers nun auch beim Testen.

    1. Prüfen, ob die +12V am Spannungsregler rauskommen.

    Hier bin ich mir nicht sicher. Ich habe an der Spannungsversorgung der ICs (nach R16) ca 7.5V gemessen. War das gemeint?

    2. Prüfen, ob die Spule vom Tachogenerator Durchgang hat. Ich meine, die hat so um 20 Ohm.
    (Der Motoranschluß muß zum Messen abgezogen werden. Die beiden Kabel Pin 5 + 6 sind Tacho)

    Ich habe hier einen Widerstand von ca 22 Ohm gemessen. Wenn ich den Teller drehe bekomme ich ein Sinussignal von ca 40-50mV.

    3. Prüfen des Drehzahlschalters, ob beide Zweige sauber schalten.

    Beide Wege schalten sauber und ich habe zum testen 4 und 3.1 nun einfach gebrueckt.

    4. Prüfen des Pitchpotis auf Ende-zu-Ende Widerstand (2K) und ob der Schleifer einen Wert zwischen 0 - und 2K einstellen kann und nicht abgerissen ist.

    Hier ist laut Messung alles in Ordnung. Ich werde spaeter das Teil aber auch nochmal mit Kontaktspray behandeln.

    5. Ausbauen, prüfen und ggf. austauschen der beiden Elkos C9007 (0.47µF) und C9006 (47µF)

    Die Elkos hatte ich am Anfang schon getauscht und die Loetstellen auf Durchgang und Niedrigohmigkeit geprueft.

    6. Tauschen des gelegentlich suizidalen OpAmps RC4558 gegen einen anderen oder kompatiblen.

    Einen OpAmp habe ich in der Schaltung nicht finden koennen. Ich denke das bezieht sich auf die Schaltung eines anderen Drehers?

    Desweiteren habe ich auf einen Verdacht hin T2 getauscht und einen BC547B eingesetzt. Den 555 habe ich auch getauscht. Sowie R8 und R9 mit Kontaktspray behandelt.

    Langsam geht es in die Richtung, dass ich mehr Ersatz- als Originalteile in der Schaltung habe :S

  • Hallo ,

    Hier Schaltplan:

    Timer 555 die eingezeichneten "Halbkugeln", der ist nicht als Ganzes in der Schaltung eingezeichnet.

    Platine Rückseite:



    Teileliste:


    .

    Grüße Gernot
    Es soll ja Leute geben, die hören, ob das Lautsprecherkabel rot oder blau ist.

    3 Mal editiert, zuletzt von papaschlumpf (2. August 2025 um 15:14)

  • Hi !

    Es hatte sich etwas gemischt. Der von Gernot zitierte Post bezog sich auf eine andere Variante des Antriebs, der mit einem OP arbeitet und z.B. im 617 zu finden ist.
    7.5 V an den ICs sind okay. Das ist der Wert, den die Z-Diode D1 über den Vorwiderstand R16 einstellt.

    Langsam geht es in die Richtung, dass ich mehr Ersatz- als Originalteile in der Schaltung habe :S

    Nicht ungewöhnlich.

    Aber die Anzeichen sind gut. Tachospule hat einen Widerstand und liefert ein Signal.
    Jetzt müssen wir nur noch rausfinden, an welcher Stelle es hakt. Das CMOS-IC hast Du schon gewechselt ?
    Das sitzt ja gleich an zwei Stellen in der Schaltung: einmal um das Sinussignal vom Tachogenerator aufzupeppen und umzuwandeln - und dann um das Signal vom 555 Timer zum Stromverstärker weiterzuleiten, der letztlich den Motor bestromt.

    Wenn nur *ein* Gatter von den sechsen im Eimer ist, geht der Dreher in den Turbomodus.


    :)

    Peter aus dem Lipperland

    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Das CMOS-IC hast Du schon gewechselt ?

    Das habe ich noch nicht gewechselt. Ist aber das naechste an der Reihe. Ich bestelle jetzt IC und Sockel.

    Versuche mir gerade saemtliche Teile der Schaltung zu bestellen, damit ich im Zweifel alles parat habe. Ueberlege auch schon die ganze Schaltung einmal auf einem Prototyp Board nachzubauen und dann Signale zu vergleichen.

    Ich bin verwundert ueber den 2Ohm 25W Widerstand. Alles was ich finde sind direkt richtig grosse Teile mit heat-sink. R18 sieht aber auf der Platine gar nicht so heftig aus. Ein bisschen groesser als die anderen Widerstande, ja, aber nicht so.

    Sobald das 4069 da ist und eingebaut, werde ich berichten.

    Euch einen schoenen Rest-Sonntag!

  • Ich bin verwundert ueber den 2Ohm 25W Widerstand. Alles was ich finde sind direkt richtig grosse Teile mit heat-sink. R18 sieht aber auf der Platine gar nicht so heftig aus. Ein bisschen groesser als die anderen Widerstande, ja, aber nicht so.

    Das dürfte wieder mal ein Druckfehler in den Unterlagen sein.

    Vom Aussehen her ist das auch nur ein 0.25W.

    :)

    Peter aus dem Lipperland

    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

  • Ich hatte mal alle wichtigen Signale hier dargestellt. Da du ein Oscilloscope hast hilft das vieleicht den Fehler einzukreisen statt einfach alles zu tauschen.

    Gruß

    Rainer

  • Sooo, die Teile sind gekommen und ich hatte Zeit mich damit zu beschaeftigen.

    Ich hatte mal alle wichtigen Signale hier dargestellt. Da du ein Oscilloscope hast hilft das vieleicht den Fehler einzukreisen statt einfach alles zu tauschen

    Ich hatte am Eingang des 555 definitiv ein Sinus und kein Rechteck. Das meiste im Signalweg des Tachogenerators hatte ich schon getauscht also war der 4069 dran.

    Habe den dann direkt mal aufs Breadboard gepackt und siehe da: G3 war durch. Socket eingeloetet, 4069 eingesteckt und schon laeuft der Teller stabil bei 33 1/3 :)

    Vielen dank euch allen fuer die mentale und sachkundige Unterstuetzung. Und falls wer das liest mit gleichem Problem und am verzweifeln ist: Dranbleiben! Irgendwann geht es und der Moment wenn das Stroboskop dann endlich steht ist einfach nur herrlich.

    Naechste Baustelle ist das Antiskating. Der Arm geht leider auch bei 0 nach Aussen. Aber das ist ein Projekt fuer morgen und dazu gibt es sicherlich auch schon viel Wissen im Forum nachzulesen.

    Euch allen ein schoenes Restwochenende :)

  • Hi !

    Habe den dann direkt mal aufs Breadboard gepackt und siehe da: G3 war durch. Socket eingeloetet, 4069 eingesteckt und schon laeuft der Teller stabil bei 33 1/3 :)

    Sehr schön. Wieder einen gerettet !

    :)

    Peter aus dem Lipperland

    Solo mio, vendro unscrupuloso, custombres sansaclu.

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